001 - Vampire unter uns
mir wieder die Tasche mit dem Tonbandgerät ein, das ich zu Malasse mitgenommen hatte. Ich suchte eine Weile in der Wohnung, fand aber nichts. Der Fuchs war schlau genug gewesen, sie dort zu behalten.
Wie sollte es nun weitergehen?
Willie wegzugeben bedeutete, dass ich mit einer teuflischen Angst konfrontiert wurde, die so tief in mir saß, dass ihr mit der Vernunft nicht beizukommen war. Willie zu behalten, würde nicht weniger einfach sein.
Wenn er Blut brauchte, was dann? Ich wusste nur eines: ich musste versuchen, Martha fernzuhalten. Vielleicht fand sich ein Ausweg. Kommt Zeit – kommt Rat!
Ich trat zu dem Gitterbett, in dem Willie nun wieder zum ersten Mal seit Wochen schlief. Er schlug die Augen auf und sah mich an. Ich erklärte es ihm. Ich sagte ihm, dass ich versuchen wollte, für ihn zu sorgen, aber dass es nicht einfach sein würde. Er müsste schon mithelfen und versuchen, vor Fremden den Eindruck zu erwecken, dass er ein ganz normales Baby sei.
Ich wusste, dass er mich verstand.
Und ich sah es bestätigt, als Dr. Felbermann kam. Willie saß die ganze Zeit über vergnügt in seinem Bett und lächelte freundlich. Selbst seine Augen, in denen sonst immer eine Spur von Wildheit funkelte, blickten menschlich und waren von kindlicher Freude erfüllt.
Felbermann war beruhigt. So wie die Dinge lagen, konnte nicht viel passieren.
Und ich war fast geneigt, seine Ansicht zu teilen. Ich begleitete ihn in die Klinik, um Martha zu besuchen, die sich bereits vollkommen erholt hatte. Ich hielt es aber nicht lange aus. Willie war allein zu Hause, und das verursachte mir Unbehagen.
Wieder zu Hause, rief ich die Agentur an, aber es gab nichts Dringendes, das meine Anwesenheit unbedingt erforderlich gemacht hätte. So kümmerte ich mich um Willie. Ich wollte ihn systematisch studieren.
Ich gab ihm Milch, und er nahm sie zu sich. Ich wechselte seine Windeln und badete ihn. Aber noch während ich damit beschäftigt war, schloss er die Augen. Den Rest des Tages schlief er.
Vor der Nacht hatte ich Angst. Ich wusste, ich würde nicht schlafen können und mir den Kopf darüber zerbrechen, wie ich ihm das notwendige Blut verschaffen konnte, ohne Aufsehen zu erregen. So war es dann auch. Ich schlief erst gegen Morgen ein. Aber vorher kam mir der rettende Gedanke: ich wollte gleich am Vormittag zum Schlachthof fahren und Tierblut besorgen. Vielleicht merkte er den Unterschied nicht Es war eine Chance.
Ich wusste nicht, dass Willie das Problem des ›Wie‹ bereits für mich gelöst hatte.
Ich kam zu mir und stand in einem Zimmer mit dunklen, holzgetäfelten Wänden. Das seltsame Gefühl, es schon einmal gesehen zu haben, verwirrte mich, denn tatsächlich sah ich dieses Zimmer zum ersten Mal. Ich hatte keine Ahnung, wo ich mich befand. Ich stand da in diesem fremden Raum, über einen Mann gebeugt, der bewusstlos auf einem Sofa lag. Sein Mund war zerschlagen, als hätte ihm jemand die Faust ms Gesicht gerammt. Im gleichen Augenblick spürte ich ein Ziehen an meiner rechten Hand, einen leichten Schmerz, und sah, dass verkrustetes Blut am Gelenk klebte. Kein Zweifel, ich war der Schläger. Der Mann war keine dreißig, groß, muskulös, mit ein wenig derben Zügen. Es konnte nicht leicht gewesen sein, ihn so hinzulegen. Willie ließ mit einem trunkenen Schmatzen von seinem Hals ab. Seine Lippen waren hellrot von frischem Blut.
Er funkelte mich zufrieden an. Dankbar!
Betäubt stand ich da. Es war wieder geschehen. Im nächsten Augenblick war ich hellwach. Der Mann begann sich zu regen und schlug stöhnend die Augen auf. Was tun? fuhr es mir durch den Kopf. Ich musste ihn erledigen, bevor er ganz zu sich kam. Als ich auf ihn zusprang, setzte er sich mit einem Ruck auf, und Willie purzelte zu Boden. Ich ballte die Rechte zur Faust und schlug zu, als der Mann mir sein überraschtes Gesicht zuwandte. Mir tat die Hand weh, aber er schien sich nicht mehr als gestreichelt zu fühlen. Wütend sprang er auf.
Er stolperte über Willie, und aus purem Selbsterhaltungstrieb verpasste ich ihm zwei weitere Faustschläge. Er steckte sie ein wie ein Amokläufer, den nichts aufzuhalten vermag, dann schleuderte er mich zu Boden und fiel auf mich, dass mir der Atem weg blieb. Während ich vergeblich nach Luft zum Schreien rang, machte er mich fertig. Ich verlor Gott sei Dank rasch das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, war die vertraute Umgebung unserer Wohnung um mich.
Einen Augenblick lang verspürte ich eine fast
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