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01 - Nacht der Verzückung

01 - Nacht der Verzückung

Titel: 01 - Nacht der Verzückung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Balogh
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Gefangenschaft und Versklavung. Sie war irgendwo in Spanien
gewesen. Das Einzige, was ihr in den Sinn kam, war, nach Westen zu gehen, nach
Portugal, auf der Suche nach ihm - nach Neville, Lord Major Newbury,
ihrem Ehemann. Sie hatte nicht einmal gewusst, ob er noch lebte. Möglicherweise
war er bei dem Anschlag getötet worden, der sie verwundet und zu einer
Gefangenen gemacht hatte. Aber sie befand sich ohnehin auf der Reise. Es gab
nichts anderes zu tun. Ihr Vater war tot.
    Sie war
angekommen, dachte sie, als sie die Bettdecke zurückwarf und auf den weichen,
grün- und rosafarbenen Teppich trat. Sie musste den Saum ihres
Nachthemdes anheben, um nicht draufzutreten. Es war mindestens fünfzehn
Zentimeter zu lang, oder sie war fünfzehn Zentimeter zu klein -
wahrscheinlich Letzteres. Ihre Ankunft hatte sich unter spektakulär
befremdlichen und auch peinlichen Umständen vollzogen. Aber sie war noch nicht
abgewiesen worden, obwohl sie Dinge gebeichtet hatte, die ihn hätten
veranlassen können, sie ohne weitere Umstände fortzuschicken.
    Das
könnte er natürlich immer noch. Aber zumindest hatte er sie freundlich
behandelt, obwohl sie seine Zukunftspläne zerstört hatte. Sicherlich würde er
ihr wenigstens genug Geld geben oder leihen, um nach London zurückkehren zu
können. Vielleicht würde Mrs. Harris ihr helfen, eine Anstellung zu finden,
obwohl sie nicht wusste, wozu sie überhaupt befähigt war.
    Sie
drückte die Türklinke des Ankleidezimmers ebenso vorsichtig, wie sie es zuvor
getan hatte. Aber dieses Mal hatte sie nicht so viel Glück. Es war jemand
drinnen.
    »Oh,
Verzeihung«, sagte sie und schloss schnell die Türe.
    Aber
die öffnete sich fast sofort wieder und das verblüffte Gesicht eines jungen
Mädchens in Lilys Alter blickte sie an. Das Mädchen trug eine dieser hübschen
Diensthauben, wie sie auch das Dienstmädchen getragen hatte, das ihr das Essen
brachte.
    »Ich
bitte vielmals um Entschuldigung, Mylady«, sagte das Mädchen. »Ich habe nur
Eure Kleider gebracht und Mrs. Ailsham sagte mir, dass ich bleiben solle, um
Euch beim Ankleiden zu helfen und Euer Haar zu richten. Sie sagte, Seine
Lordschaft komme Euch in einer halben Stunde abholen, um Euch zum Tee zu
führen, Mylady.«
    »Oh.«
Lily lächelte und streckte ihr die rechte Hand entgegen. »Du bist ein
Dienstmädchen. Was bin ich erleichtert, das zu hören. Wie geht es dir? Ich bin
Lily.«
    Das
Dienstmädchen schielte zweifelnd auf die ausgestreckte Hand. Sie nahm sie
nicht, sondern machte stattdessen einen Knicks. »Ich bin erfreut, Eure
Bekanntschaft zu machen, Mylady«, sagte sie. »Ich bin Dolly. Meine Eltern
ließen mich auf den Namen Dorothy taufen, aber alle haben mich immer nur Dolly
genannt. Ich bin Euer persönliches Dienstmädchen, sagt Mrs. Ailsham, bis Euer
eigenes kommt.«
    »Mrs.
Ailsham?« Lily trat in das Ankleidezimmer und sah sich um. Die Badewanne war
entfernt worden, stellte sie fest.
    »Die
Haushälterin, Mylady«, erläuterte Dolly.
    Und
dann sah Lily ihre Tasche auf dem Schemel vor dem Ankleidetisch liegen. Sie
eilte hin und durchsuchte sie ängstlich. Aber alles war gut. Ihre Hand schloss
sich um das Medaillon. Sie zog es hervor und umklammerte es voller
Erleichterung. Wenn es verloren gegangen wäre, hätte sie sich gefühlt, als habe
sie ein Teil ihrer selbst verloren. Allerdings vermisste sie einige andere
Dinge. Sie sah sich um.
    »Ich
nahm mir die Freiheit, ein Kleid und ein Hemd aus Eurer Tasche zu nehmen,
Mylady«, sagte Dolly. »Ich habe sie gebügelt. Sie waren recht zerknittert.«
    Sie
waren sorgsam über den Rücken eines Stuhles gelegt, ihr Baumwollhemd und das
kostbare, hellgrüne Musselinkleid, das Mrs. Harris ihr in Lissabon unbedingt
hatte kaufen müssen.
    »Du
hast sie gebügelt?«, sagte sie und lächelte das Dienstmädchen dankbar
an. »Wie lieb von dir. Ich hätte das auch selbst tun können. Aber ich bin froh,
dass ich es nicht zu tun brauche. Vermutlich hätte ich niemals zur Küche
gefunden.« Sie lachte.
    Dolly
lachte ebenfalls, wenn auch ein wenig unsicher. »Ihr seid lustig, Mylady«,
sagte sie. »Die Gesichter hätte ich sehen wollen, wenn Ihr mit dem Kleid überm
Arm in die Küche gekommen wärt und um ein Bügeleisen gebeten hättet.« Diese
Vorstellung schien sie unglaublich zu belustigen.
    »Besonders
in diesem Aufzug«, sagte Lily, griff ihr Nachtgewand an den Seiten und hob es
über ihre blanken Zehen. »Über meinen Saum stolpernd.«
    Sie
lachten wie kleine Kinder.
    »Ich
werde

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