Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
01 - Nacht der Verzückung

01 - Nacht der Verzückung

Titel: 01 - Nacht der Verzückung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Balogh
Vom Netzwerk:
Frau in unserer Mitte zu haben, die uns
interessantere und wichtigere Dinge schildern kann. Erzähl uns von Indien,
Lily. Nein, das ist zu allgemein und man weiß zwangsläufig nicht, wo man
anfangen soll. Was ist mit den Menschen, Lily? Unterscheiden sie sich
wesentlich von uns? Erzähl uns von den Frauen. Was tun sie? Wie sind sie?«
    »Ich
habe Indien geliebt«, sagte Lily und die Erinnerung ließ ihr Gesicht
erglühen und ihre Augen leuchten. »Und die Menschen sind so vernünftig. Weit
mehr als unsere eigenen Leute.«
    »Wie
das?«, fragte einer der jüngeren Gentlemen.
    »Sie
kleiden sich so vernünftig«, sagte Lily. »Sowohl Männer als auch Frauen tragen
wegen der großen Hitze leichte, lockere Hemden. Die Männer brauchen nicht den
ganzen Tag enge Röcke zu tragen, bis zum Hals zugeknöpft, und lederne
Stehkragen, die einem die Luftröhre würgen, und enge Reithosen und hohe
Lederstiefel, in denen einem Beine und Füße verbrennen. Nicht, dass es die
Schuld unserer armen Soldaten gewesen wäre - sie befolgten nur ihre
Befehle. Aber sie sahen oft aus wie gekochte Rüben.«
    Schallendes
Gelächter ertönte - hauptsächlich von den Herren. Die meisten Damen sahen
eher schockiert aus, obwohl einige der jüngeren kicherten. Elizabeth lächelte.
    »Und
die Frauen sind nicht so dumm, Korsetts zu tragen«, fügte Lily hinzu. »Ich sage
Ihnen, unsere Frauen würden nicht so oft hysterische Zusammenbrüche
erleiden, wenn sie dem Beispiel der indischen Frauen folgen würden. Frauen
können sehr töricht sein -und alles im Namen der Mode.«
    Eine
der älteren Damen - Lily konnte sich weder an ihren Namen noch an ihr
Beziehungsverhältnis zum Rest der Familie erinnern -hatte sich die Hand
vor den Mund geschlagen und gequälte Laute von sich gegeben, als in aller
Öffentlichkeit das Wort »Korsett« fiel.
    »Sehr
töricht, in der Tat«, stimmte Elizabeth zu.
    »Oli,
aber die Kleider der Frauen.« Lily schloss für einen Augenblick die Augen und
fühlte sich fast wieder zurückversetzt in das Land, das sie geliebt hatte -
sie konnte die Hitze und die Gewürze beinahe riechen. »Ihre Saris. Sie
benötigen keine Juwelen, um diese Gewänder zu schmücken. Aber sie tragen gläserne
Armbänder, die an ihren Handgelenken klimpern, und Ringe in der Nase und einen
roten Punkt hier«, sie drückte sich einen Mittelfinger auf die Stirn über der
Nasenwurzel und markierte damit einen Kreis, »um anzuzeigen, dass sie
verheiratet sind. Ihre Männer brauchen nicht verstohlene Blicke auf ihre Finger
zu werfen, wie es, so darf ich wohl behaupten, unsere Männer tun, wenn
sie wissen wollen, ob sie ungestraft um eine Frau freien dürfen. Sie brauchen
ihnen nur in die Augen zu sehen.«
    »Sie
können also nicht einmal so tun, als hätten sie es nicht gewusst?«, fragte der
junge Gentleman mit dem langen Namen - der Marquis -, und seine
Augen funkelten. »Das ist aber nicht fair.«
    Einige
der jüngeren Leute lachten.
    »Habt
ihr gewusst«, fragte Lily, lehnte sich leicht in ihrem Stuhl vor und blickte
gespannt um sich, »dass Saris eigentlich nur lange Stoffbahnen sind, die so
drapiert werden, dass sie wie die kostbarsten Gewänder aussehen? Es gibt keine
Nähte, keine Bänder, keine Nadeln, keine Knöpfe. Eine der Frauen, die eine
Freundin meiner Mutter war, hat es mir beigebracht. Ich war so stolz auf mich,
als ich es zum ersten Mal ohne Hilfe geschafft hatte, einen Sari zu wickeln.
Ich kam mir vor wie eine Prinzessin. Aber als ich gerade einmal drei Schritte
gegangen war, fiel es herunter und ich stand im Hemd da. Da bin ich mir sehr
dumm vorgekommen, das kann ich Euch versichern.« Sie lachte herzlich, genau wie
die Mehrzahl ihres Publikums.
    »Meine
Güte, Kind.« Das war die Gräfin, die zwar gelacht hatte, aber auch ein wenig
verlegen dreinblickte.
    Lily
lächelte sie an. »Ich glaube, ich war damals sechs oder sieben Jahre alt«,
sagte sie. »Und alle fanden es sehr komisch - alle, nur ich nicht. Ich
meine mich zu erinnern, dass ich in Tränen ausbrach. Später lernte ich, einen
Sari richtig zu tragen. Ich glaube, ich könnte es heute noch. Es gibt keine
bezaubernderen Gewänder, das kann ich Euch versichern. Und kein bezaubernderes
Land als Indien. Immer, wenn meine Mutter und mein Vater mir Geschichten erzählten,
stellte ich mir vor, dass sie dort geschahen, in Indien, außerhalb des
britischen Lagers. Dort, wo das Leben heller und bunter und geheimnisvoller und
romantischer war als jemals beim Regiment.«
    »Hättet
Ihr eine

Weitere Kostenlose Bücher