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01 - Nacht der Verzückung

01 - Nacht der Verzückung

Titel: 01 - Nacht der Verzückung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Balogh
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Alter auf ungefähr vierzig, aber er sah noch
immer sehr gut aus. Er war nicht sehr groß, doch seine schlanke, stolze Haltung
ließ ihn größer erscheinen, als er war. Er hatte auffallend aristokratische
Gesichtszüge und dunkles Haar, das an den Schläfen ergraut war. In erster Linie
jedoch war er ihr aufgefallen, weil er sie aufmerksamer betrachtet hatte als
alle anderen. Tatsächlich hatte er selten den Blick von ihr genommen. Ein seltsamer
Ausdruck hatte auf seinem Gesicht gelegen - beinahe so etwas wie
Bestürzung.
    Während
sie gingen, stellte er einige sehr präzise Fragen.
    »Wer
war dein Vater, Lily?«
    »Sergeant
Thomas Doyle vom 95, Sir«, antwortete sie.
    »Und wo
habt ihr gelebt, bevor er in die Dienste des Königs trat?«, fragte er.
    »Ich
glaube, in Leicestershire, Sir.«
    »Ah«,
sagte er. »Und wo genau in Leicestershire?«
    »Das
weiß ich nicht, Sir.« Papa hatte über seine Vergangenheit nie viele Worte
verloren. Einmal jedoch hatte er eine Bemerkung gemacht, die Lily zu dem
Glauben veranlasste, dass er aus Kummer sein Heim verlassen hatte und in die
Armee eingetreten war.
    »Und
seine Familie?«, fragte der Herzog. »Was weißt du von ihnen?«
    »Sehr
wenig, Sir«, gab sie zur Antwort. »Papa hatte einen Vater und einen Bruder,
glaube ich.«
    »Habt
ihr sie denn nie besucht?«
    »Nein,
Sir.« Sie schüttelte den Kopf.
    »Und
deine Mutter«, fragte er sie. »Wer war sie?«
    »Ihr
Name war Beatrice, Sir«, sagte sie. »Sie starb in Indien, als ich sieben Jahre
alt war. An einem Fieber.«
    »Und
ihr Mädchenname, Lily?«
    Elizabeth
lachte. »Hast du vor, ihre Biografie zu schreiben, Lyndon?«, fragte sie. »Bitte
fühle dich nicht verpflichtet zu antworten, Lily. Wir sind alle so neugierig
auf dich, weil du uns als Nevilles Frau vorgestellt wurdest und weil dein Leben
so faszinierend anders war als das unsrige. Du musst uns vergeben, wenn wir in
unserem Wissensdurst womöglich unhöflich wirken.«
    Lily
war erleichtert, dass der Herzog keine weiteren Fragen stellte. Sie empfand
seine blauen Augen als ziemlich beunruhigend. Er vermittelte den Eindruck, als
könne er direkt in die Seele eines anderen Menschen blicken.
    »Kennt
Ihr die Namen all dieser Blumen?«, fragte Lily Elizabeth. »Sie sind sehr schön.
Aber sie sind anders als die Blumen, die ich kenne.«
    Sie
nahmen auf einer der Sitzgelegenheiten Platz und Elizabeth benannte jede Blume
und jeden Baum und Lily bemühte sich, all die Namen zu behalten -
Lupinen, Stockrosen, Mauerblümchen, Lilien, Iris, Weinrosen, Flieder,
Kirschbäume, Birnbäume. Würde sie sich jemals alle merken können? Während sie
sich unterhielten, schlenderte der Herzog von Portfrey die Pfade entlang und
blieb am unteren Ende des Steingartens stehen, um sich nach Lily umzudrehen.
    ***
    Lady Elizabeth
stand neben dem Brunnen und blickte Lily nach, die zum Haus zurückging. Sie sah
klein und ziemlich verloren aus, aber sie hatte Elizabeths Angebot abgelehnt,
sie zu ihren Gemächern zurückzubegleiten. Sie hatte gesagt, dass sie sich wohl
an den Rückweg erinnern könne.
    »Sie
hat Courage«, sagte Elizabeth mehr zu sich selbst als zu dem Herzog von
Portfrey, der neben ihr stand.
    »Ich
bin dir zu Dank verpflichtet, Elizabeth«, sagte er steif, »dass du mich darauf
hingewiesen hast, wie ungehörig und unerträglich bohrend meine Fragen waren.«
    Rasch
drehte sie sich um und sah ihn an. »Oh, Liebster«, sagte sie und lächelte
reumütig, »ich habe dich kompromittiert.«
    »Nicht
im Geringsten.« Er verbeugte sich leicht. »Ich weiß, du hattest Recht.«
    »Armes
Kind«, sagte sie. »Man hat den Eindruck, dass sie ein Kind ist, obwohl sie
nicht so jung sein kann, wenn Neville sie vor mehr als einem Jahr geheiratet
hat, oder? Sie wirkt so klein und zerbrechlich, dennoch hat sie in Indien und
Portugal und Spanien bei der Armee gelebt. Das war sicher nicht leicht. Und sie
war fast ein Jahr lang Gefangene der Franzosen. Warum interessierst du dich so
sehr für sie?«
    Der
Herzog zog die Augenbrauen hoch. »Hast du das nicht gerade selbst gesagt?«,
fragte er sie. »Sie ist eine Kuriosität. Und sie ist in einem Moment
aufgetaucht, der besser nicht hätte gewählt sein können, hätte ein Vorsatz
dahinter gestanden.«
    »Aber
das glaubst du nicht wirklich?«, sagte sie lachend. »Keineswegs.« Er starrte
nachdenklich auf die Tür, durch die Lily soeben entschwunden war. »Sie ist sehr
schön. Sogar jetzt. Wenn Kilbourne erst Kleidung und Schmuck für sie gekauft
hat und sie

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