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0170 - Entführt in die Schattenwelt

0170 - Entführt in die Schattenwelt

Titel: 0170 - Entführt in die Schattenwelt Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Uwe Anton
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Uhr. Bald würde der Morgen anbrechen…
    Sein Assistent und Professor Zamorra waren somit mehrere Stunden überfällig. Einen Grund dafür konnte er nicht erahnen. Penderton schätzte er als zuverlässigen und loyalen Mitarbeiter; sein Auftrag lautete eindeutig, Zamorra auf dem schnellsten Wege zu ihm zu bringen.
    Bestand ein Zusammenhang? Galt der Verrat, den Eileen befürchtete, etwa Professor Zamorra?
    Resignierend setzte sich Doktor Wellington. Er konnte nichts tun; ihm standen nicht die parapsychischen Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen Eileen O’Shea ausgestattet war; er wußte außerdem zu wenig, konnte die Hintergründe nur erahnen, und das noch nicht einmal sehr treffsicher.
    Noch nie war das Gefühl der völligen Machtlosigkeit stärker in ihm ausgeprägt als jetzt.
    ***
    Die Bewegung wurde schließlich so stark, daß Larringer sie beim besten Willen nicht mehr ignorieren konnte. Knurrend öffnete er die Augen einen spaltbreit. »Haben alle guten Geister Sie verlassen, Higgins?« fluchte er leise. »Oder war Ihnen entgangen, daß ich geschlafen habe?«
    Der ehemalige Butler hörte auf, Larringer am Arm zu schütteln, und legte den Zeigefinger vor den Mund. »Die Geister hocken draußen vor dem Fenster!« zischte er. »Ich weiß aber nicht, ob sie mich verlassen haben oder von woanders herkommen.«
    »Dann ist ja gut!« gähnte Larringer und drehte sich auf die andere Seite.
    Higgins griff zu einem resoluteren Mittel. Er drückte dem Vertreter die Nase zu.
    Prustend schlug Larringer um sich. Er mußte Higgins wohl getroffen haben, denn der Butler löste seinen Griff. »Sind Sie verrückt geworden? Oder mußten Sie Ihre ehrenwerten Herrschaften früher immer so wecken? Ich will schlafen, Higgins!«
    »Sir!« Higgins’ Stimme klang eindringlich, fast verzweifelt. »Sehen Sie doch nur einmal aus dem Fenster!«
    Schlaftrunken drückte sich Larringer hoch. Die Vorhänge vor ihrem gemeinsamen Zimmer waren nicht zugezogen; der Vertreter erhaschte einen Blick auf eine unbeschreiblich schöne Morgendämmerung. Winzig und blutrot erhob sich die Sonne gerade über den Horizont und schüttelte ihre noch schwache Strahlenpracht über Eldridge Castle, das - halb hinter einem Hügel verborgen - vom Fenster aus wie ein verfallenes, mittelalterliches Raubritterschloß wirkte.
    Doch nicht der Anblick der einst mächtigen und nun verfallenen und unbegehbaren Zinnen, der Herrschaftshäuser, die in einem noch bewohnbaren Zustand darunter lagen, faszinierte Larringer; vielmehr waren es die beiden gelben, schmalen Augenpaare, die in einem zottigen, hundeähnlichen Kopf saßen und neugierig in das Zimmer hineinstarrten.
    »Die Wolfsmenschen!« entfuhr es dem Vertreter. »Also haben wir doch nicht geträumt!« Im nächsten Moment wurde ihm die Tragweite seiner Beobachtung bewußt, und er suchte Zuflucht unter der Bettdecke.
    Higgins riß ihm das Tuch vom Kopf. »Wir müssen etwas unternehmen, Sir!«
    Vorsichtig spähte Larringer über die Kante des Bettgestells. Die beiden Augenpaare waren verschwunden. »Sie… sie sind weg!« stöhnte er.
    »Sehen wir nach!« schlug Higgins vor.
    »Sind Sie lebensmüde, Mann!« Larringer war von dem Mut des Butlers überrascht. »Was gehen Sie die Wolfsmenschen an! Sie sollten froh sein, wenn wir von ihnen nicht behelligt werden.«
    »Aber…« Higgins suchte nach den passenden Worten. »Solche Wesen gibt es nicht, Sir! Sie dürften eigentlich gar nicht existieren!«
    »Eben!« nickte der Vertreter. »Also kümmern wir uns auch nicht um sie. Wir warten bis zum Frühstück, lassen uns von dem Wirt in die nächste Stadt fahren, kehren mit einem Ersatzkanister Benzin zurück und verschwinden so schnell wie möglich von hier. Wenn mein Auto nicht wäre… keine zehn Pferde würden mich hier halten können!«
    »Nein!« Higgins schüttelte den Kopf und kleidete sich an. Larringer betrachtete den dürren Ex-Butler mit wachsender Skepsis. Hatte er tatsächlich vor, sich hinauszuwagen…?
    »Sind Sie verrückt geworden, Sie Nachttopfentlehrer der blaublütigen Nichtstuer?« brauste er auf. »Da draußen hockten die Werwölfe, und Sie wollen ihnen einen Höflichkeitsbesuch abstatten?«
    »Sir!« entrüstete sich Higgins. »Mein Beruf steht hier nicht zur Debatte. Ich will Ihre abfällige Bemerkung jedoch noch einmal überhören, da Sie die Freundlichkeit besaßen, mich in Ihrem Fahrzeug…«
    »… mitzunehmèn, ich weiß«, unterbrach Larringer. Gespannt sah er zu, wie der Butler seine Stiefel

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