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06 - Denn keiner ist ohne Schuld

06 - Denn keiner ist ohne Schuld

Titel: 06 - Denn keiner ist ohne Schuld Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth George
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benützt?«
    »Wessen Werkzeug denn? Was redest du, Colin?«
    In ihrer Stimme lag Mißtrauen. Sie wich so vorsichtig vor ihm zurück, daß er es vielleicht gar nicht bemerkt hätte, hätte er nicht jedes Zeichen ihrer Schuld vorausgesehen. Sogar ihre Finger, die sie eben hatte krümmen wollen, erstarrten plötzlich. Er fand das interessant. Sie war klug genug, die Hände nicht zu Fäusten zu ballen.
    »Oder vielleicht hast du auch gar kein Werkzeug benützt. Vielleicht hast du die Pflanze einfach gelockert - ganz sachte, du weißt schon, wie man das macht - und hast sie dann samt der Wurzel aus dem Boden gezogen. War es so? Denn du kennst diese Pflanze natürlich, nicht wahr, du würdest sie genauso leicht erkennen wie sie.«
    »Ach, es geht um Mrs. Spence.«
    Sie sprach langsam, wie zu sich selbst, und schien ihn gar nicht zu sehen, obwohl sie in seine Richtung blickte.
    »Wie oft benutzt du den Fußweg?«
    »Welchen?«
    »Hör auf mit den Spielchen. Du weißt genau, warum ich hier bin. Du hast es nur nicht erwartet. Nachdem Juliet die ganze Schuld auf sich genommen hatte, war es ja auch unwahrscheinlich, daß je einer auf dich kommen würde. Aber ich hab dich erwischt, und ich möchte jetzt die Wahrheit wissen. Wie oft benutzt du den Fußweg?«
    »Du bist ja verrückt.«
    Es gelang ihr, noch einen kleinen Schritt zurückzuweichen. Sie stand mit dem Rücken zur Tür und wußte, daß ein Blick über die Schulter ihre Absichten verraten und sie um den Vorteil bringen würde, den sie gegenwärtig zu haben glaubte.
    »Mindestens einmal im Monat, würde ich sagen«, fuhr er fort. »Ist das richtig? Stimmt es nicht, daß das Ritual mehr Kraft hat, wenn es bei Vollmond vollzogen wird? Und stimmt es nicht, daß die Kommunikation mit der Göttin viel inniger ist, wenn das Ritual an einem heiligen Ort vollzogen wird? Wie zum Beispiel auf dem Gipfel von Cotes Fell?«
    »Du hast immer gewußt, daß ich oben auf dem Cotes Fell bete. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht.«
    »Aber dafür hast du andere Geheimnisse, nicht wahr? Hier, in diesem Buch.«
    »Das ist nicht wahr.«
    Ihre Stimme war schwach. Ihr schien bewußt zu werden, wie Schwäche ausgelegt werden konnte, denn sie richtete sich auf und sagte mit einem Unterton des Trotzes: »Und du machst mir angst, Colin Shepherd.«
    »Ich war heute dort oben.«
    »Wo?«
    »Auf dem Cotes Fell. Oben auf dem Gipfel. Ich war seit Jahren nicht mehr oben gewesen, seit der Zeit vor Annies Tod nicht mehr. Ich hatte ganz vergessen, wie gut man von dort oben sieht, Polly, und was man alles sieht.«
    »Ich gehe nur zum Gebet da hinauf, und das weißt du auch.«
    Sie wich noch ein Stück zurück und sagte hastig: »Ich habe Lorbeer für Annie verbrannt. Ich habe die Kerze herunterbrennen lassen. Ich habe Nelken verbrannt. Ich habe gebetet...«
    »Und sie ist gestorben. In derselben Nacht. Welch ein glücklicher Zufall.«
    »Nein!«
    »Bei Vollmond, während du oben auf dem Cotes Fell gebetet hast. Und bevor du zum Beten hinaufgegangen bist, hast du ihr Brühe gebracht. Erinnerst du dich? Du hast gesagt, es wäre deine ganz besondere Brühe. Du hast gesagt, ich sollte dafür sorgen, daß sie sie ganz aufißt.«
    »Es war nur eine Gemüsebrühe, für euch beide. Was denkst du denn? Ich hab selbst welche gegessen. Es war doch kein.«
    »Hast du gewußt, daß die Pflanzen bei Vollmond die größte Wirkung haben? Das steht in dem Buch. Man muß sie bei Vollmond ernten, ganz gleich, welchen Teil man braucht, auch die Wurzel.«
    »Ich gebrauche Pflanzen nicht auf diese Weise. Das gehört nicht zu unserem Glauben. Wir tun nichts Böses. Das weißt du auch. Wir suchen vielleicht Kräuter, um sie zu Weihrauch zu verbrennen, ja, aber das ist auch alles.«
    »Es steht alles ganz genau in diesem Buch hier. Was man nimmt, um sich zu rächen, was den Geist verändert, was man als Gift nehmen kann. Ich hab's gelesen.«
    »Nein!«
    »Du hattest das Buch hinter dem Spülkasten im Klo versteckt. Wie lang ist das her?«
    »Es war nicht versteckt. Wenn es da hinten gelegen hat, ist es einfach heruntergefallen. Es lagen doch noch Mengen anderer Sachen auf dem Spülkasten, oder nicht? Ein ganzer Stapel Bücher und Zeitschriften.«
    Sie berührte das Buch mit der Fußspitze und zog sie gleich wieder zurück, wobei sie noch ein kleines Stück Abstand zu ihm gewann. »Ich hab überhaupt nichts versteckt.« »Was ist mit dem Zeichen des Steinbocks, Polly?«
    Sie erstarrte. Ihre Lippen bewegten sich lautlos. Er sah,

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