Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
0804 - Die Frau mit den Totenaugen

0804 - Die Frau mit den Totenaugen

Titel: 0804 - Die Frau mit den Totenaugen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jason Dark
Vom Netzwerk:
nach rechts gegangen, für sie günstig, denn so konnte sie direkt auf das Fenster schauen, wenn sie den Kopf in den Nacken legte.
    Fiona rührte sich nicht mehr. Wie festgenagelt stand sie vor dem Fenster, die Hände zu Fäusten geballt und diese auf die Fensterbank gestemmt. In ihrem Kopf rotierte es, denn plötzlich sah und erkannte sie die Gestalt auch.
    Es war eine Tote.
    Das tote Mädchen!
    Und es starrte mit seinen kalten Totenaugen zu Fiona hoch…
    ***
    Für die Frau ging die Welt nicht unter, aber sie veränderte sich. Fiona konnte nichts mehr nachvollziehen. Sie hätte so gern an eine Einbildung geglaubt, aber das Kind war da und kein Gespenst. Es war gekommen, um sie zu besuchen, und seine Augen leuchteten wie zwei kleine, kreisrunde Löcher, in denen das kalte Licht seinen Platz gefunden hatte.
    Die Furcht war wie ein Hammer, der sich in Fionas Magen hineindrückte. Er schien ihren Körper durchbohren zu wollen, er drang mit seiner Masse durch bis zu ihrem Rücken, und sie spürte die bohrenden Schmerzen in sich.
    Phantomschmerzen, denn tatsächlich hatte sie Angst vor dieser kleinen Gestalt.
    Es fiel ihr auf, dass sich das tote Mädchen nicht verändert hatte.
    Es sah noch so aus, wie Fiona es gefunden hatte.
    Nur die Augen hatten sich verändert. Sie leuchteten in dieser mondlichtartigen Kälte, und Fiona erinnerte sich daran, dass sie diesen Blick nicht zum ersten Mal erlebt hatte.
    Schon einmal hatte sie derartige Augen gesehen, doch nicht bei der Kleinen.
    Es war in dem Haus gewesen, wo die Gestalt am Fenster gestanden hatte. Sie aber war dunkelrot gewesen und hatte aus dem Innern heraus geleuchtet. Ein düsteres Höllenrot, unheimlich und grausam, aber eben mit diesen kalten Augen.
    Fiona zitterte.
    Sie wollte den Kopf zur Seite drehen, nur hatte sich der Zwang in ihrem Innern verstärkt. Es lag einzig und allein an den Augen, die auf sie gerichtet waren, kalte Totenlichter, als hätten sie ihren Weg vom Friedhof hierher gefunden.
    Sie stöhnte auf. Noch immer bewegte sich die Frau nicht, auch wenn sie zitterte. Ihre Kehle war ausgetrocknet, alles war so anders geworden seit dem Erscheinen dieser Person, und der Druck in ihrem Kopf ließ nicht nach.
    Er verstärkte sich, er hämmerte Botschaften, die sie nicht begriff.
    Fiona wusste auch nicht, ob sich diese aus Worten zusammensetzten oder nur aus irgendwelchen Einbildungen, die normale Welt jedenfalls hatte für sie einen Riss bekommen.
    Atme ich noch?, fragte sie sich.
    Da hob das tote Kind die Hand.
    Es war der rechte Arm, der allmählich in die Höhe glitt. Wie unter Zwang verfolgte Fiona die Bewegung, und sie konnte auch genau erkennen, dass dieses Winken allein ihr galt. Das Kind hatte sie im Blickfeld, und als seine Hand hoch genug war, da streckte sie den mittleren Finger aus und deutete damit auf Fiona.
    Du bist gemeint! Du und keine andere!
    Fiona fror. Dieses Zeichen hatte ihr Angst eingejagt. Sie wollte weg, dazu hätte sie sich drehen müssen, was sie auch nicht schaffte, denn nach wie vor blieb sie stehen, ohne sich zu rühren. Die Furcht hatte ihren Körper übernommen, und sie betrachtete jetzt das Gesicht der kleinen Gestalt, das sich sogar bewegte.
    Grinste das Kind?
    Fiona ging zurück, ohne es zu merken. Schritt für Schritt schwankte sie auf ihr Bett zu, erreichte es, spürte den Widerstand in ihren Kniekehlen und ließ sich nieder.
    Sie fiel auf das Bett, ohne es überhaupt zu bemerken. Auch das Nachfedern kriegte sie nicht mit. Fiona saß dort wie eine Statue, und wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis sie es endlich geschafft hatte, sich wieder zu erheben.
    Mit einem Ruck stand sie auf! Schwindel erfasste sie. Fiona stützte sich ab. Der kalte Luftzug, der über ihr Gesicht strich, stammte nicht aus dem Reich der Toten. Er wehte durch das offene Fenster, als wollte er ihr eine Botschaft mit auf den Weg geben.
    Fiona Finley verstand sie.
    Mit einem Zitterschritt setzte sie sich in Bewegung und ging wieder dorthin, wo sie hergekommen war. Das Fenster lockte sie noch immer, sie wollte sehen, ob Susy Carter noch dort unten stand und zu ihr hochschaute.
    Nein, sie war verschwunden!
    Mehrere Male schaute Fiona hin. Sie stierte die Stelle förmlich an, aber das Kind war nicht zu sehen. Es leuchteten keine Totenaugen durch die Nacht, es war alles wieder so schrecklich normal geworden, und plötzlich musste sie lachen.
    Kein normales Lachen, mehr ein hysterisches Schreien, das aus ihrem offenen Mund drang. Sie brüllte es

Weitere Kostenlose Bücher