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09 - Befehl von oben

09 - Befehl von oben

Titel: 09 - Befehl von oben Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Clancy
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wirklich Leute, die es einen
Dreck scherte, ob sie Kindern weh taten oder nicht. Und der 7-Eleven war
auch noch da. Das Detail für SANDBOX bestand im Augenblick aus sechs
Agenten. In ein paar Wochen würde es auf drei oder vier reduziert. Der Service war nicht die allmächtige Einrichtung, für die Leute ihn
hielten. Ja sicher, er hatte den Schmackes, die Ermittlungsbefugnisse, von
denen kaum einer was wußte. Nur Bundespolizeikräfte und der Secret
Service durften bei jedermann an die Tür klopfen und eintreten und mit
demjenigen ein »freundschaftliches« Gespräch führen, der irgendwie eine
Bedrohung darstellen mochte - egal, ob die so gewonnenen Erkenntnisse
dann vor Gericht als Beweismaterial anerkannt würden oder nicht. Der
Zweck eines solchen Gesprächs wäre es, die Betreffenden wissen zu lassen, daß sie ständig das wachsame Auge beobachtete, und wenn das auch nicht ganz - landesweit hatte der Service nur 1200 Agenten - stimmte, genügte allein der Gedanke daran, den Leuten, die etwas Falsches ins falsche Ohr
gesagt hatten, unheimliche Angst einzujagen.
Aber solche Leute waren nicht die Bedrohung. Solange die Agenten ihre
Arbeit ordentlich machten, war die zufällige Bedrohung keine tödliche.
Solche Leute verrieten sich fast immer, und das Team wußte, worauf da zu
achten war. Nein, diejenigen, von denen die nachrichtendienstliche
Abteilung keine Ahnung hatte, stellten die echte Bedrohung dar. Sie waren zwar durch massive Zurschaustellung von Macht etwas
abzuschrecken, doch ein so massives Aufgebot war zu teuer, zu bedrückend
und zu offensichtlich, um nicht von der Öffentlichkeit bemerkt und kritisiert
zu werden. Und selbst dann - sie erinnerte sich ans andere Ereignis, Monate
nach dem nur knapp verhinderten Tod von SURGEON, SHADOW und
dem noch ungeborenen SHORTSTOP. Eine ganze Einsatzgruppe, dachte
sie. Es war jetzt eine Lehrstudie auf der Secret Service Academy in
Beltsville. Man hatte das Haus der Ryans benutzt, um das Ereignis
nachgestellt zu filmen. Chuck Avery - ein guter, erfahrener Einsatzleiter -
und seine ganze Gruppe hatte man abgeräumt. Als Frischling hatte sie sich
die Analysebänder angeschaut, und selbst da war's ihr kalt über den Rücken
gelaufen: wie leicht doch das Team einen kleinen Fehler gemacht hatte, der
durch unglückliche Umstände und schlechtes Timing derart ausgewachsen
war ...
»Ja, ich weiß.« Sie drehte sich um und sah Don Russel, der etwas frische
Luft schnappte und aus einem Plastikbecher Kaffee trank. Drinnen war ein
anderer Agent auf Posten.
»Haben Sie Avery gekannt?«
»Auf der Academy war er zwei Jahrgänge vor mir. Er war clever,
umsichtig und ein sehr guter Schütze. Er hat damals einen der Bösen
erledigt, im Finstern und aus dreißig Meter Entfernung, zwei Kugeln in die
Brust.« Er schüttelte den Kopf. »In dem Geschäft macht man keine kleinen
Fehler, Marci.«
Das war der Zeitpunkt, da einen der zweite Schauder überkam, der, bei
dem man nach der Waffe greifen wollte, nur um sicherzugehen, daß sie da
wäre; sich sagen zu können, daß man bereit war, den Job zu tun. Dann blinzelte man, und die Vorstellung verging wieder.
»Sie ist ein wunderschönes kleines Mädchen, Don.«
»Ich habe selten ein häßliches gesehen«, stimmte Russel zu. Es war die
Zeit, da man hätte sagen wollen: Nur keine Sorge, wir geben gut auf sie
acht. Doch sie sagten es nicht. Sie dachten es nicht einmal. Statt dessen
sahen sie sich um, warfen einen Blick auf die Straße, auf die Bäume und auf den 7-Eleven gegenüber und fragten sich, was sie vergessen hatten und
wieviel Geld sie wohl für Überwachungskameras ausgeben dürften. George Winston war es gewohnt, abgeholt zu werden. Es war der Gipfel
der Vergünstigungen. Man stieg meist aus dem Flugzeug, und es war
jemand da, der einen empfing und zum Wagen führte, dessen Chauffeur den
kürzesten Weg kannte, wo man hinwollte. Kein Theater mit HertzMietwagen, kein Rumhantieren mit nutzlosen kleinen Stadtplänen, um sich
dann doch zu verirren. Es kostete eine Menge Geld, aber das war's wert,
denn Zeit war das Wichtigste, was man besaß, und nach der Geburt stand
einem nur soundsoviel zur Verfügung, und keiner wußte genau, wieviel er
noch auf dem Konto hatte. Der Zug fuhr auf Bahnsteig 6 in Union Station
ein. Er hatte ein wenig gelesen und zwischen Trenton und Baltimore auch
ein bißchen genickt. Schade, daß die Eisenbahn mit dem Personentransport
nichts verdienen konnte, aber man brauchte eben keine Luft zu kaufen, um
zu fliegen,

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