09 - Befehl von oben
zur Kabine. Die Lampen waren bis auf einige indirekte Leselämpchen aus. Der Präsident lag auf dem Rücken und schnarchte laut genug, um trotz Motordröhnen gehört zu werden. Sie mußte den Impuls unterdrücken, sich reinzuschleichen und ihn zuzudecken. Statt dessen lächelte sie und schloß die Tür von draußen.
»Vielleicht gibt es so was wie Gerechtigkeit, Jeff«, bemerkte sie zu
Raman.
»Sie meinen die Newsie-Geschichte?«
»Yeah.«
»Wetten Sie lieber nicht drauf«, sagte der andere Agent.
Sie sahen sich um. Endlich schliefen alle, sogar der Stabschef. Oben
machte die Flugbesatzung ihren Job, wie auch anderes USAF-Personal. Die zwei Agenten gingen zu den Sitzen zurück. Drei Mitglieder ihres
Kommandos spielten Karten, leise. Andere lasen oder dösten.
Ein Air Force Sergeant kam mit einem Ordner die Treppe herab. »FLASH-Nachricht für den Boß«, gab sie bekannt.
»Ist es so wichtig? In rund neunzig Minuten sind wir in Andrews.« »Ich nahm sie ja nur von der Faxmaschine«, entgegnete sie. »Okay.« Price nahm die Nachricht und ging zu Goodley. Es war sein
Job, dem Präsidenten zu sagen, was er über die wichtigen Dinge in der Welt
wissen mußte - oder in diesem Fall die Wichtigkeit einer Nachricht
festzulegen. Price schüttelte ihn an der Schulter. Der National Intelligence
Officer machte ein Auge auf.
»Hnghn?«
»Wecken wir den Boß für das hier auf?«
Der Geheimdienstspezialist überflog die Nachricht und schüttelte den
Kopf. »Kann warten. Adler weiß, was er tut, und bei State gibt's eine
Arbeitsgruppe dafür.« Er drehte sich ohne ein weiteres Wort in seinen Sitz
zurück.
*
»Nichts anfassen«, sagte Klein dem Polizisten. »Am besten bleiben Sie direkt bei der Tür, aber wenn Sie hinter uns herumgehen, fassen Sie nichts an. Warten Sie.« Der Arzt langte in die Mülltüte, die er mitgebracht hatte, und zog eine steril verpackte Maske heraus. »Setzen Sie die auf, okay?«
»Zu Befehl, Doc.«
Klein reichte den Hausschlüssel rüber. Der Polizeioffizier öffnete die Tür. Es gab tatsächlich einen Alarm. Die Regeltafel war gleich hinter der Tür, aber nicht eingeschaltet. Die beiden Ärzte legten ihre Masken und Gummihandschuhe an. Zuerst schalteten sie alle Lichter ein.
»Was suchen wir?« fragte Quinn.
Klein suchte schon. Keine Katze oder Hund hatte ihr Eintreffen bemerkt. Kein Vogelkäfig. Teils hatte er auf einen Affen als Haustier gehofft, aber gewußt, daß dies nicht drin war. Dann Pflanzen, dachte er.
War's nicht eigenartig, wenn Ebolas Wirt nicht tierisch wäre? Das wäre ja eine Premiere in gewisser Art.
Es gab Pflanzen, aber nichts Exotisches. Sie standen im Zentrum des Wohnzimmers, berührten nichts mit den Handschuhen, auch nicht mit den grüngekleideten Hosenbeinen, als sie sich langsam suchend umwandten.
»Ich sehe nichts«, berichtete Quinn.
»Auch ich nicht. Küche.«
Dort gab es weitere Pflanzen, zwei in kleinen Töpfen, die wie Kräuter aussahen. Klein entschied sich, sie einzusacken.
»Warten Sie, hier«, sagte Quinn, öffnete eine Schublade und fand Gefrierbeutel. Da kamen die Pflanzen rein, die der jüngere Arzt sorgfältig versiegelte. Klein öffnete den Kühlschrank. Nichts ungewöhnliches.
Gleiches bei der Gefriertruhe. Er hätte gedacht, daß irgendein exotisches Nahrungsmittel - aber nein. Alles, was die Patientin aß, war typisch amerikanisch.
Das Schlafzimmer war ein Schlafzimmer, nichts weiter. Keine Pflanzen.
»Kleidungsartikel? Leder?« fragte Quinn. »Milzbrand kann ...«
»Ebola nicht. Zu empfindlich. Wir kennen den Organismus, mit dem wir's zu tun haben. Er kann in dieser Umgebung nicht überleben. Geht nicht.« Der Professor bestand darauf. Viel wußten sie nicht über den kleinen Bastard, aber eine der Dinge, die man in CDC erforschte, war, die Umweltbedingungen festzustellen: wie lange der Virus bei verschiedenen Parametern überleben konnte. Chicago war zu dieser Jahreszeit so unwirtlich zu diesem Virus wie ein Hochofen. Orlando, irgendwo im Süden vielleicht. Aber Chicago? »Nichts haben wir«, schloß er frustriert ab.
»Vielleicht die Pflanzen?«
»Wissen Sie, wie schwer es ist, eine Pflanze durch den Zoll zu bekommen?«
»Hab's nie versucht.«
»Ich aber, mit ein paar wilden Orchideen aus Venezuela einmal ...«
Er sah sich noch um. »Hier gibt es nichts, Joe.«
»Ist Ihre Prognose so schlecht wie ...«
»Yeah.« Behandschuhte Hände rieben gegen die grünen Hosen. Im Latex schwitzten jetzt seine Hände. »Wenn wir nicht feststellen können, wo es herkam
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