09 - Befehl von oben
fragte zwei Minuten später der Dekan.
»Dave, im Moment ist's nur ein Weckruf, aber - ich habe es schon früher gesehen. Genau wie bei George Westphal. Ich habe gerade Jan Clemenger drangesetzt. Bis auf weiteres müssen wir es, glaub' ich, ernst nehmen. Wenn die Laborergebnisse das zeigen, was ich befürchte, dann rufe ich Gus an, und wir geben wirklich Alarm.«
»Nun, Ralph kehrt übermorgen von London zurück. Es ist im Moment Ihre Abteilung, Alex. Halten Sie mich auf dem laufenden.«
»Roger«, sagte der ehemalige Soldat. Dann war's Zeit, mit der Ehefrau des Patienten zu sprechen.
Der Kurier traf bei CDC ein, seine >Hutschachtel< an der Hand, und reichte sie einem von Lorenz' Labortechnikern. Von da an lief alles auf der Überholspur. Auf den Arbeitsplatten waren die Antikörpertests schon vorbereitet, und mit den sorgfältigsten Vorsorgemaßnahmen und präzisen Handgriffen wurde ein Blutstropfen ins Glasröhrchen getaucht. Die Flüssigkeit darin wechselte fast augenblicklich die Farbe.
»Ebola ist's, Doktor«, berichtete der Techniker. Im anderen Raum wurde eine Probe für das Elektronenmikroskop vorbereitet. Lorenz ging hinüber; das Instrument war bereits aufgewärmt. Es mußte nur noch alles richtig gezielt werden, bevor die Abbildungen auf dem Bildschirm erschienen.
»Suchen Sie's sich aus, Gus.« Dies war ein leitender Arzt, kein Techniker. Als die Vergrößerung nachgestellt wurde, war das Bild augenblicklich klar. Im Blut wimmelte es von den winzigen Strängen. Und bald von nichts anderem. »Wo ist das her?«
»Chicago«, antwortete Lorenz.
»Willkommen in der neuen Welt«, sagte er zum Bildschirm und justierte die Feineinstellung, um einen Strang für volle Vergrößerung auszuwählen. »Du kleiner Hundesohn.«
Jetzt brauchten sie noch Untersuchungen, um die Untergruppe herauszubekommen. Das würde eine Weile dauern.
»Also ist er nicht außer Landes gereist?« Alex ging die Liste der üblichen Fragen durch.
»Nein. Nein, ist er nicht«, versicherte sie ihm. »Nur zur großen RVShow. Die besucht er jedes Jahr.«
»Ma'am, ich muß ein Anzahl Fragen stellen, von denen einige anstößig erscheinen mögen. Verstehen Sie bitte, daß ich das tun muß, um Ihrem Mann zu helfen.« Sie nickte. »Haben Sie irgendeinen Grund zu vermuten, daß Ihr Mann sich mit anderen Frauen eingelassen hat?«
»Nein.«
»Sorry, das mußte ich fragen. Haben Sie irgendwelche exotischen Haustiere?«
»Nur zwei Chesapeake Bay Apportierer«, antwortete sie überrascht.
»Affen? Irgendwas aus dem Ausland?«
»Nein, nichts Derartiges.«
So kommen wir nicht von Fleck. Alex fiel keine relevante Frage mehr ein. Die zum Reisen sollten sie doch bejahen. »Kennen Sie jemanden: Familie, Freunde, was auch immer, der viel herumreist?«
»Nein - darf ich ihn sehen?«
»Ja, das dürfen Sie, aber erst müssen wir's ihm im Zimmer gemütlich machen und mit einigen Behandlungsmaßnahmen beginnen.«
»Wird er - ich meine, er ist noch nie krank gewesen, er läuft, und er raucht nicht und trinkt wenig, und wir haben immer aufgepaßt.« Und da begann sie, die Kontrolle zu verlieren.
»Ich werde Sie nicht anlügen. Ihr Mann scheint sehr krank zu sein, aber Ihr Hausarzt hat Sie zur besten Klinik im Lande geschickt. Ich bin hier neu, habe mehr als zwanzig Jahre in der Armee verbracht, alles auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten. Sie sind also am richtigen Ort und haben den richtigen Arzt.« So was mußte man sagen, auch wenn einem die Worte hohl erschienen. Das einzige, was man nie und nimmer durfte, war, ihnen die Hoffnung zu rauben. Das Telefon läutete.
»Dr. Alexandre.«
»Alex, hier ist Janet. Antikörpertest ist positiv für Ebola. Ich hab's wiederholt«, sagte sie ihm. »Das Zusatzröhrchen habe ich für CDC eingepackt, und die Mikroskopie kann in einer Viertelstunde losgehen.«
»Sehr gut, ich werde dasein.« Er legte auf. »Hier«, sagte er der Ehefrau. »Ich werde Sie zum Warteraum begleiten und unseren Schwestern vorstellen. Wir haben einige sehr gute hier auf meiner Station.«
Dieser Teil war verdammt schwer. Er hatte ihr Hoffnung gemacht, wahrscheinlich zuviel. Jetzt würde sie auf ihn hören, als wäre er die Stimme Gottes, aber Gott hatte keine Antworten, und nun mußte er ihr noch erklären, daß die Schwestern auch von ihr etwas Blut zur Untersuchung abnehmen würden.
*
»Was gibt's, Scott?« fragte Ryan über dreizehn Zeitzonen hinweg. »Nun, die haben eine Rohrzange ins Getriebe geschmissen. Jack?« »Ja?«
»Dieser Kerl Zhang, den hab'
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