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12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

Titel: 12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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welche auch aus freier Hand verzehrt wurden. Dann schlugen wir die Richtung nach Südosten ein. Einige Zeit später passierten wir den Thathar, und die ebene Gegend wurde nach und nach bergiger.
    Ich lernte in meinen Begleitern fünf ehrliche Nomaden kennen, in deren Herzen kein Falsch zu finden war. Sie hatten zur Feier einer Hochzeit einen befreundeten Stamm besucht und kehrten nun zurück voll Freude über die Festlichkeiten und Gelage, denen sie beigewohnt hatten.
    Das Terrain hob sich mehr und mehr, bis es sich plötzlich wieder senkte. Zur Rechten wurden in weiter Ferne die Ruinen von Alt-Tekrit sichtbar, zur Linken, auch weit entfernt, der Dschebel Kernina, und vor uns breitete sich das Tal des Tigris aus. In einer halben Stunde war der Strom erreicht. Er hatte hier die Breite von wohl einer englischen Meile, und seine Wasser wurden von einer großen, langgestreckten, grün bewachsenen Insel geteilt, auf welcher ich mehrere Zelte erblickte.
    „Du gehst mit hinüber? Du wirst unserem Scheik willkommen sein!“
    „Wie kommen wir hinüber?“
    „Das wirst du gleich sehen, denn wir sind bereits bemerkt worden. Komm weiter aufwärts, wo das Kellek landet.“
    Ein Kellek ist ein Floß, welches gewöhnlich zweimal so lang als breit ist. Es besteht aus aufgeblasenen Ziegenfellen, welche durch Querhölzer befestigt sind, über welche Balken oder Bretter gelegt werden, auf denen sich die Last befindet. Das einzige Bindemittel besteht aus Weiden. Regiert wird so ein Floß durch zwei Ruder, deren Riemen aus gespaltenen und wieder zusammengebundenen Bambusstücken gefertigt sind. Ein solches Floß stieß drüben von der Insel ab. Es war so groß, daß es mehr als sechs Reiter tragen konnte, und brachte uns wohlbehalten hinüber.
    Wir wurden von einer Menge von Kindern, einigen Hunden und einem alten, ehrwürdig aussehenden Araber bewillkommt, welches der Vater eines meiner Gefährten war.
    „Erlaube, daß ich dich zum Scheik führe“, sagte der bisherige Wortführer.
    Auf unserem Weg gesellten sich mehrere Männer zu uns, die sich aber bescheiden hinter uns hielten und mich durch keine Frage belästigten. Ihre Blicke hingen voll Bewunderung an meinem Pferd. Der Weg ging nicht weit. Er endete vor einer ziemlich geräumigen Hütte, welche aus Weidenstämmen gefertigt, mit Bambus gedeckt und von innen mit Matten bekleidet war. Als wir eintraten, erhob sich ein stark und kräftig gebauter Mann von dem Teppich, auf dem er gesessen hatte. Er war beschäftigt gewesen, sein Scharay (Scharfes afghanisches Messer) auf einem Stein zu schärfen.
    „Sallam aaleïkum!“ grüßte ich.
    „Aaleïk!“ antwortete er, indem er mich scharf musterte.
    „Erlaube mir, o Scheik, dir diesen Mann zu bringen“, bat mein Begleiter. „Er ist ein vornehmer Krieger, so daß ich ihm mein Zelt nicht anzubieten wage.“
    „Wen du bringst, der ist mir willkommen“, lautete die Antwort.
    Der andere entfernte sich, und der Scheik reichte mir die Hand.
    „Setze dich, o Fremdling. Du bist müde und hungrig, du sollst ruhen und essen; erlaube aber zuvor, daß ich nach deinem Pferd sehe!“
    Das war ganz das Verhalten eines Arabers: erst das Pferd und dann der Mann. Als er wieder eintrat, sah ich es ihm sofort an, daß ihm der Anblick des Rappen Achtung für mich eingeflößt hatte.
    „Du hast ein edles Tier, Maschallah; möge es dir erhalten bleiben! Ich kenne es.“
    Ah, das war allerdings schlimm! Vielleicht aber auch nicht!
    „Woher kennst du es?“
    „Es ist das beste Roß der Haddedihn.“
    „Auch die Haddedihn kennst du?“
    „Ich kenne alle Stämme. Aber dich kenne ich nicht.“
    „Kennst du den Scheik der Haddedihn?“
    „Mohammed Emin?“
    „Ja. Von ihm komme ich.“
    „Wohin willst du?“
    „Zu dir.“
    „Er hat dich zu mir gesandt?“
    „Nein, und dennoch komme ich als sein Bote zu dir.“
    „Ruhe dich erst aus, bevor du erzählst.“
    „Ich bin nicht müde, und was ich dir zu sagen habe, ist so wichtig, daß ich es gleich sagen möchte.“
    „So sprich!“
    „Ich höre, daß die Dschowari deine Feinde sind.“
    „Sie sind es“, antwortete er mit finsterer Miene.
    „Sie sind auch die meinigen; sie sind auch die Feinde der Haddedihn.“
    „Ich weiß es.“
    „Weißt du auch, daß sie sich mit den Abu Hammed und Obeïde verbunden haben, die Haddedihn in ihren Weidegründen anzugreifen?“
    „Ich weiß es.“
    „Ich höre, daß du dich mit den Alabeïden vereinigt hast, sie zu strafen?“
    „Ja.“
    „So komme ich

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