Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

Titel: 12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
Vom Netzwerk:
zu dir, um das Nähere mit dir zu besprechen.“
    „So sage ich nochmals: sei mir willkommen! Du wirst dich erquicken und uns nicht eher verlassen, als bis ich meine Ältesten zusammengerufen habe.“
    Nach kaum einer Stunde saßen acht Männer um mich und den Scheik herum und rissen große Fetzen Fleisches von dem Hammel, welcher aufgetragen worden war. Diese acht Männer waren die Ältesten der Abu Mohammed. Ich erzählte ihnen offen, wie ich zu den Haddedihn gekommen und der Bote ihres Scheik geworden war.
    „Was willst du uns für Vorschläge machen?“ fragte der Scheik.
    „Keine. Über eure Häupter sind mehr Jahre gezogen als über mein Haupt. Es ziemt dem Jüngeren nicht, dem Alten die Wege vorzuschreiben.“
    „Du sprichst die Sprache der Weisen. Dein Haupt ist noch jung, aber dein Verstand ist alt, sonst hätte Mohammed Emin dich nicht zu seinem Gesandten gemacht. Rede! Wir werden hören und dann entscheiden.“
    „Wie viel Krieger zählt dein Stamm?“
    „Neunhundert.“
    „Und die Alabeïde?“
    „Achthundert.“
    „Das sind siebzehnhundert. Genau halb so viel, als die Feinde zusammen zählen.“
    „Wie viele Krieger haben die Haddedihn?“
    „Elfhundert. Doch auf die Zahl kommt es oftmals weniger an. Wißt ihr vielleicht, wann die Dschowari sich mit den Abu Hammed vereinigen wollen?“
    „Am Tag nach dem nächsten Jaum el Dschema (Tag der Versammlung = Freitag).“
    „Weißt du das genau?“
    „Wir haben einen treuen Verbündeten unter den Dschowari.“
    „Und wo soll diese Vereinigung geschehen?“
    „Bei den Ruinen von Khan Kernina.“
    „Und dann?“
    „Dann werden sich diese beiden Stämme mit den Obeïde vereinigen.“
    „Wo?“
    „Zwischen dem Wirbel Kelab und dem Ende der Kanuzaberge.“
    „Wann?“
    „Am dritten Tage nach dem Versammlungstag.“
    „Du bist außerordentlich gut unterrichtet. Wohin werden sie sich nachher wenden?“
    „Grad nach den Weideplätzen der Haddedihn.“
    „Was wolltet ihr tun?“
    „Wir wollten die Zelte überfallen, in denen sie ihre Frauen und Kinder zurücklassen, und dann ihre Herden wegführen.“
    „Würde dies klug sein?“
    „Wir nehmen uns das wieder, was uns geraubt wurde.“
    „Ganz richtig. Aber die Haddedihn sind elfhundert, die Feinde aber dreitausend Krieger. Sie hätten gesiegt, wären als Sieger zurückgekehrt und euch nachgejagt, um euch mit dem Raube auch eure jetzige Habe wegzunehmen. Wenn ich unrecht habe, so sagt es.“
    „Du hast recht. Wir dachten, die Haddedihn würden durch andere Stämme der Schammar verstärkt werden.“
    „Diese Stämme werden vom Gouverneur von Mossul angegriffen.“
    „Was rätst du uns? Würde es nicht am besten sein, die Feinde einzeln zu vernichten?“
    „Ihr würdet einen Stamm besiegen, und die andern beiden aufmerksam machen. Sie müssen kurz nach ihrer Vereinigung, also bei dem Wirbel El Kelab angegriffen werden. Wenn es euch recht ist, wird Mohammed Emin am dritten Tage nach dem Jaum el Dschema mit seinen Kriegern von den Kanuzabergen herbsteigen und sich auf die Feinde werfen, während ihr sie von Süden angreift und sie somit in den Strudel Kelab getrieben werden.“
    Dieser Plan wurde nach längerer Beratung angenommen und dann noch auf das Eingehendste besprochen. Darüber war ein großer Teil des Nachmittags vergangen und der Abend rückte heran, so daß ich mich veranlaßt sah, für die Nacht noch zu bleiben. Am andern Morgen aber wurde ich beizeiten wieder an das Ufer gesetzt und ritt denselben Weg zurück, den ich gekommen war.
    Meine Aufgabe, die ein so schwieriges Aussehen gehabt hatte, war auf eine so leichte und einfache Weise gelöst worden, daß ich mich fast schämen mußte, es zu erzählen. Der Rappe durfte nicht so billig verdient werden. Was konnte ich aber noch tun? Ja, war es nicht vielleicht besser, den Kampfplatz vorher ein wenig zu studieren? Diesen Gedanken wurde ich nicht wieder los. Ich setze also gar nicht über den Thathar zurück, sondern ritt an seinem linken Ufer nach Norden hinauf, um die Kanuzaberge zu erreichen. Erst als der Nachmittag beinahe zur Hälfte verflossen war, kam mir der Gedanke, ob nicht das Wadi Dschehennem, wo ich mit dem Engländer die Pferdediebe getroffen hatte, ein Teil dieser Kanuzaberge sei. Ich wußte diese Frage nicht zu beantworten, setzte meinen Weg fort und hielt mich später mehr nach rechts, um in die Nähe des Dschebel Hamrin zu kommen.
    Die Sonne war beinahe bis zum Horizont niedergesunken, als ich zwei Reiter bemerkte,

Weitere Kostenlose Bücher