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12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

Titel: 12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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finden.“
    „Ich gehe; aber halten Sie auch Wort in Beziehung auf das Abenteuer!“
    „Ich halte es.“
    Er ging. Ich hatte ihm diese Rede mit Vorbedacht gehalten; denn zu einem Erstlingsritt auf dem Kamel gehört unbedingt eine in das Romantische hinüberklingende Seelenstimmung.
    Als ich nach drei Viertelstunden mit Halef in Albanis Wohnung trat, starrte derselbe in Waffen.
    „Kommen Sie; der Dewedschi lauert bereits. Oder wollen wir erst etwas genießen?“ fragte er mich.
    „Nein.“
    „So nehmen wir uns Proviant mit. Ich habe hier diese ganze Tasche voll.“
    „Sie wollen ein Abenteuer haben und nehmen Proviant mit? Weg damit! Wenn uns hungert, so suchen wir uns ein Duar (Zeltdorf). Dort finden wir Datteln, Mehl, Wasser und vielleicht auch ein wenig Tschekir.“
    „Tschekir? Was ist das?“
    „Kuchen, aus gemahlenen Heuschrecken gebacken.“
    „Fi!“
    „Pah, schmeckt ganz vortrefflich! Wer Austern, Weinbergschnecken, Vogelnester, Froschschenkel und verfaulte Milch mit Käsemaden ißt, für den müssen Heuschrecken eine Delikatesse sein. Wissen Sie, wer lange Zeit Heuschrecken mit wildem Honig gegessen hat?“
    „Ich glaube, das ist ein Mann in der Bibel gewesen.“
    „Allerdings, und zwar ein sehr hoher und heiliger Mann. Haben sie eine Decke?“
    „Hier.“
    „Gut. Wie lange haben Sie die Kamele zur Verfügung?“
    „Für den ganzen Tag.“
    „Mit Begleitung des Dewedschi oder eines seiner Leute?“
    „Ohne Begleitung.“
    „Das ist gut. Zwar haben Sie in diesem Fall Kaution legen müssen, dafür aber befinden wir uns um so wohler und ungestörter. Kommen Sie!“
    Der Kamelverleiher wohnte im zweiten Haus von ihm. Ich sah es dem Manne sofort an, daß er kein Araber sondern ein Türke war. In seinem Hof standen drei Kamele, über welche man hätte weinen mögen.
    „Wo ist dein Stall?“ fragte ich ihn.
    „Dort!“
    Er deutete nach einer Mauer, welche den Hof in zwei Teile schied.
    „Öffne die Tür!“
    „Warum?“
    „Weil ich sehen will, ob sich noch Dschemahli darin befinden.“
    „Es sind solche darin.“
    „Zeige sie mir!“
    Er mochte mir doch nicht recht trauen; daher öffnete er und ließ mich einen Blick in die andere Abteilung werfen. Dort lagen acht der schönsten Reitkamele. Ich trat näher und betrachtete sie.
    „Dewedschi, wie viel zahlt dir dieser Hazretin (‚Hoheit‘) für die drei Kamele, welche du uns gesattelt hast?“
    „Fünf Mahbubzechinen (à 5 Mark, in Summa also 25 Mark) für alle drei.“
    „Und für einen solchen Preis bekommen wir diese Lasttiere mit wunden Beinen und Füßen! Schau her, du kannst durch ihre Seiten blicken; ihre Lefzen hängen auf die Seite, wie hier dein zerrissener Jackenärmel, und ihre Höcker – ah Dewedschi, sie haben keine Höcker! Sie haben eine weite Reise hinter sich; sie sind ganz abgezehrt und kraftlos, so daß sie kaum den Sattel tragen können. Und wie sehen diese Sättel aus! Schau her, Mann! Was marschiert auf dieser Decke? Spute dich und gib uns andere Kamele und andere Decken und andere Sättel!“
    Er sah mich halb mißtrauisch und halb zornig an.
    „Wer bist du, daß du mir einen solchen Befehl geben magst?“
    „Blicke her! Siehst du diesen Bu-Djeruldu des Großherrn? Soll ich ihm erzählen, daß du ein Betrüger bist und die armen Tiere zu Tode schindest? Schnell, sattle dort die drei Hedschihn, die braunen rechts und das graue in der Ecke, sonst wird dir meine Peitsche Hände machen!“
    Ein Beduine hätte sofort zur Pistole oder zum Messer gegriffen; dieser Mann aber war ein Türke. Er beeilte sich, meinem Befehl Folge zu leisten, und bald lagen seine drei besten Kamele mit sehr reinlichem Sattelzeug vor uns auf den Knien. Ich wandte mich an Halef:
    „Jetzt zeige diesem Sihdi, wie er aufzusteigen hat!“
    Er tat es, und ich trat dann dem Kamel, welches Albani tragen sollte, auf die zusammengezogenen Vorderbeine.
    „Passen Sie auf! Sobald Sie den Sattel berühren, geht das Hedjihn in die Höhe, und zwar vorn zuerst, so daß Sie nach hinten geworfen werden. Dann erhebt es sich hinten, und Sie stoßen nach vorn. Diese beiden Stöße müssen Sie durch die entgegengesetzte Bewegung Ihres Körpers unschädlich zu machen suchen.“
    „Ich will es versuchen.“
    Er faßte an und schwang sich auf. Sofort erhob sich das Tier, trotzdem ich meinen Fuß nicht von seinen Beinen genommen hatte. Der gute Schnadahüpfelsänger flog nach hinten, fiel aber nicht, weil er sich vorn fest anklammerte; doch jetzt schnellte das

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