12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem
Kamel sich hinten in die Höhe, und da er die Hände noch immer vorn hatte, so flog er ganz regelrecht aus dem Sattel und über den Kopf des Kamels hinweg herunter in den Sand.
„Potz tausend, das Ding ist gar nicht so leicht!“ meinte er, indem er sich erhob und die Achsel rieb, mit welcher er aufgestoßen war. „Aber hinauf muß ich doch. Bringen Sie das Tier wieder zum Knien!“
„Rrree!“
Auf diesen Zuruf legte es sich wieder. Der zweite Versuch gelang, obgleich der Reiter zwei derbe Stöße auszuhalten hatte. Ich mußte dem Verleiher noch einen Verweis geben:
„Dewedschi, kannst du einen Dschemmel reiten?“
„Ja, Herr.“
„Und auch lenken?“
„Ja.“
„Nein, du kannst es nicht, denn du weißt ja nicht einmal, daß ein Metrek (Ein kleines, nach außen umgebogenes Stöckchen) dazu gehört!“
„Verzeihe, Herr!“
Er gab einen Wink, und die Stäbchen wurden herbeigebracht. Jetzt stieg auch ich auf.
Wir machten nun allerdings ganz andere Figuren, als es der Fall gewesen wäre, wenn wir uns mit den abgetriebenen Lastkamelen begnügt hätten. Unsere jetzigen Sättel waren sehr hübsch mit Troddeln und bunter Stickerei verziert und die Decken so groß, daß sie die Tiere ganz bedeckten. Wir ritten hinaus auf die Straße.
„Wohin?“ fragte ich Albani.
„Das überlasse ich Ihnen.“
„Gut; also zum Bab el Medina hinaus!“
Mein neuer Bekannter zog die Blicke der uns Begegnenden auf sich; seine Kleidung war zu auffällig. Ich lenkte daher durch mehrere Seitenstraßen und brachte uns nach einigen Umwegen glücklich zum Tor hinaus. Dort ritten wir im Schritt durch die Ansiedelungen der Nubier und Habeschaner und gelangten dann sofort in die Wüste, welche sich ohne einen Pflanzenübergangsgürtel bis direkt an das Weichbild aller Städte des Hedschas erstreckt.
Bis hierher hatte sich Albani sehr leidlich im Sattel gehalten. Nun aber fielen unsere Kamele ganz freiwillig in jenen Bärentrott, der ihre gewöhnliche Gangart ist und durch welchen jeder Neuling in die eigentümliche Lage versetzt wird, die Seekrankheit kennen zu lernen, auch ohne einen Tropfen Salzwasser gesehen zu haben. Während der ersten Schritte lachte er über sich selbst. Er besaß nicht das Geschick, durch eigene Bewegungen die Stöße zu mildern, welche ihm sein Tier erteilte; er schwankte herüber, hinüber, nach hinten und nach vorn; seine lange, arabische Flinte war ihm im Wege, und sein riesiger Sarras schlug klirrend an die Seite des Kameles. Er nahm ihn also zwischen die Beine, schnalzte mit den Fingern und sang:
„Mei Säbel klippert, mei Säbel klappert,
Mei Säbel macht mir halt Müh,
Und das Kamel wickelt, das Kamel wackelt,
Das Kamel is ein sakrisch Vieh!“
Da gab ich meinem Tier einen leichten Schlag auf die Nase: es stieg empor und schoß dann vorwärts, daß der Sand mehrere Ellen hoch hinter mir aufwirbelte. Die beiden anderen Kamele folgten natürlich, und nun war es mit dem Singen aus. Albani hatte den Lenkstab in der linken und die Flinte in der rechten Faust und gebrauchte diese beiden Gegenstände als Balancestangen, indem er die Arme in der Luft herumwirbelte, um das Gleichgewicht zu erhalten. Er bot einen komischen Anblick dar.
„Hängen Sie das Schießeisen über und halten Sie sich mit den Händen am Sattel fest!“ rief ich ihm zu.
„Hat sich sein – hopp! – hat sich sein – öh, brrr, ah! – hat sich sein Überhängen! Ich habe ja gar kei – – – hopp, au! – gar keine Zeit dazu! Halten Sie doch Ihr ver – hoppsa, öh, brr! – Ihr verwünschtes Viehzeug an!“
„Ich verkomme ja mit ihm!“
„Ja, aber das mei – oh, brr, öh! – das meinige rennt ihm ja wie bes – hüh, hoppah! – wie besessen nach!“
„Halten Sie es an!“
„Mit was denn?“
„Mit dem Fuß und dem Zügel!“
„Den Fuß, den bringe ich ja gar nicht in – – hoppsa! – nicht in die Höhe, und den Zügel, den habe – – halt – öh, halt öh! – den habe ich nicht mehr!“
„So müssen Sie warten, bis das Tier von selber steht.“
„Aber ich habe gar kei – – – brrr, oh! gar keinen Atem mehr!“
„So machen Sie den Mund auf; es ist Luft genug da!“
Ich wandte mich wieder vorwärts und horchte nicht mehr auf seine Interjektionen. Er befand sich in guten Händen, da Halef an seiner Seite ritt.
Wir hatten nach kurzer Zeit eine kleine Bodenanschwellung hinter uns, und nun breitete sich die offene Ebene vor uns aus. Albani schien sich nach und nach im
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