Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
13 kleine Friesenmorde

13 kleine Friesenmorde

Titel: 13 kleine Friesenmorde Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor J. Reisdorf
Vom Netzwerk:
Melchior.
    »Wem sagen Sie das, Fräulein Melchior«, stöhnte Dr. Brittö, »aber da Sie studieren, sind Ihnen unser großer Dramatiker Ibsen und sein Per Gynt sicher keine Unbekannten. Und sehen Sie, sie führen mich quer durch Europa, da ich mich ganz der ?Per-Gynt-Forschung? verschrieben habe.«
    »Sehen wir uns gleich in der Disko?«, fragte Iris Melchior in Türnähe. Sie sah, wie ein kleiner Schatten um die Augen des Fräulein Doktors fiel. War es Empörung?, fragte sich die Studentin.
    Dr. Brittö stakste mit ihren dünnen Beinen an den Spiegel. »Ich muss mich nur etwas erfrischen und zurechtmachen«, sagte sie, nahm die Brille ab und lächelte steif.
    »Bis dann!«, sagte Iris Melchior und verließ die Kabine.
     
    Die Wettervorhersage der Zeitungen traf ein. Die Vorläufer des Islandtiefs griffen mit Sturmböen der Stärke 8 nach der »Polar-Road Star«, als sie die schützenden Kaimauern von Stavanger verließ. Regen- und Graupelschauer hämmerte der Orkan gegen den weißenSchiffsrumpf. Für Kapitän Petersen und seine Mannschaft war das nicht besonders aufregend, wenn sich die »Polar-Road Star« aufbäumte, um danach mit mächtigem Aufklatschen die riesigen Wassermassen zu zerschneiden. Stabilisatoren mittschiffs verhinderten seitliche Kippbewegungen.
    Die Fernfahrer Warfner und Taden hatten ihre Parkas zugeschnürt. Sie krampften sich an die Reling fest. Ihre Gesichter vibrierten leicht, als sie sich dem Sturm zuwandten.
    Vom Radarmast dröhnte ein bedrohliches Rauschen zu ihnen, in das ein helles Klirren von Stahltrossen sang.
    Dunkel lag das Meer vor ihnen. Durch die Fenster der unteren Decks fiel das Licht auf schaumig aufgewühltes Wasser. Die gestreckte Wildgans auf dem wuchtigen Schornstein lag im Schein der Strahler, und aus dem schweren Eisenkasten drang angeleuchtet der Name »Polar-Road Star« in die Dunkelheit der Nacht.
    Die Schrauben der »Polar-Road Star«, die, von 18000 PS angetrieben, das Wasser mahlten, ließen ein autobahnbreites Band brodelndes, grünlich schimmerndes Wasser hinter sich.
    Taden stieß Warfner an und zeigte auf die kleine überdachte Ecke des A-Decks, an dem seitlich die Suiten mit allem erdenklichen Luxus lagen.
    »Da ist Iris!«, rief er. Die Studentin stand windgeschützt in Treppennähe unter dem Vorbau des Sonnendecks und schaute auf das Meer. Die kleine Bordlampe strahlte ihr schönes Gesicht an. Der Wind griff leicht in das lange Haar.
    Als sie das Deck betraten, sah Iris Melchior die beiden Fernfahrer überrascht an.
    »Ach, Sie sind es!«, sagte sie erstaunt.
    »Kommen Sie mit auf einen Drink, Fräulein?« fragte Warfner. Ohne zu antworten hängte sie sich in die Arme der beiden Männer.
    Im Schiff ließ sie Warfner den Vortritt. Taden schritt hinter Iris Melchior her. Er schaute auf das zerzauste Haar, und es gefiel ihm, wie sie ihren Körper in Jeans und Leder anmutig dem Schlingern der »Polar-Road Star« anpasste.
    Sie drückten sich an die Wand des schmalen Ganges, als ihnen ein Besatzungsmitglied im T-Shirt mit dem Aufdruck der gestreckten Wildgans entgegenkam.
    Taden sah den stumpfen Gesichtsausdruck des Mannes, der seinen Mund offen hielt und mit einem trüben Auge Iris Melchior anstarrte.
    Sie stiegen die Treppe zum B-Deck abwärts. Ein weiteres Besatzungsmitglied kreuzte ihren Weg zur Disko. Ein junger Mann, er trug die schicke Uniform der Offiziere, neigte sich zu der Studentin.
    »Ach, Fräulein Melchior, da sind Sie ja. Ich habe Sie gesucht. Ihre Kabine war verschlossen. Ich hoffe, Sie kommen ohne große Mengen aus.«
    Der Offizier reichte Iris Melchior eine kleine Tüte, verneigte sich und verschwand.
    »Mein Kopfweh«, sagte die Studentin und steckte die Medikamente in ihre Jacke. Sie folgte den Männern in die Diskothek. Dort nahm sie dem Fernfahrer die Führung ab. Sie ging seitlich zu einem Tisch, an dem eine junge Frau saß, die mit ernstem und schmalem Gesicht, in dem eine eckige Hornbrille auf spitzer Nase saß, vor einer Brause hockte.
    »Darf ich vorstellen?«, sagte Iris Melchior lachend. »Das ist Fräulein Dr. Brittö aus Norwegen. Und die Herren sind meine Fernfahrer, die mich von Bergen mitnahmen.«Sie setzte sich an den Tisch und fügte hinzu: »Fräulein Dr. Brittö ist meine Kabinengefährtin. Ich lernte sie an Bord kennen.«
    Das Fräulein Doktor fand nur wenig Freude an dem saloppen Gespräch. Als Taden durchblicken ließ, dass er gerne mit Iris Melchior tanzen möchte, verabschiedete sich Fräulein Dr. Brittö höflich in

Weitere Kostenlose Bücher