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1813 - Kriegsfeuer: Roman (German Edition)

1813 - Kriegsfeuer: Roman (German Edition)

Titel: 1813 - Kriegsfeuer: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sabine Ebert
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den Franzosen besetzt, nur mit kleiner Garnison unter dem Kommando eines Generals Bruno. Vor ein paar Tagen ritten dreihundertfünfzig westphälische Husaren in die Stadt ein, die den Franzosen unterstanden, aber sicher nicht lange bleiben würden. Vier von ihnen waren bei den Gerlachs einquartiert, und dem Lärm nach rannten sie schon zu den Pferden, um sich denjenigen entgegenzustellen, die in die Stadt eindringen wollten.
    »Wer will, kann wieder ins Bett; wer nicht, der geht in die Küche und wartet. Niemand verlässt das Haus!«, ordnete Friedrich Gerlach an, während er sich von seiner Frau in den Gehrock helfen ließ. »Ich versuche inzwischen herauszufinden, was vor sich geht.«
    Zuerst wollte er ins Logenhaus in der Waisenhausstraße, dann ins Rathaus. Die Ratsherren würden sich dort gewiss versammeln. Sollte die Stadt erobert werden, standen Übergabeverhandlungen bevor. Der General wohnte nicht in der Stadt, sondern hatte Quartier im Nachbardorf Berthelsdorf genommen und dadurch vermutlich die Chance verpasst, die Verteidigung seiner Garnison gegen die Angreifer vor den Stadttoren zu leiten.
    Auch Lisbeth und Nelli fanden sich in der Küche ein. Josef kam Augenblicke später; er war sicher den Husaren bei den Pferden zur Hand gegangen.
    Nelli wirkte blass und sagte kein Wort, Lisbeth dagegen entschied, da bei diesem Getöse ohnehin niemand mehr Schlaf finden würde, könnten sie auch gleich frühstücken. Geschickt schichtete sie Holzscheite in den Herd, und die rasch aufflackernden Flammen erwärmten Teewasser und Milch. Unterdessen schnitt sie Brot auf und schickte Nelli los, die Butter aus dem Keller holen.
    »Nelli hat ’ne krumme Schürze«, lästerte Franz und fing sich dafür den nächsten Klaps ein.
    »Scht, du weißt gar nicht, was du da redest!«, rief Johanna empört. »Außerdem wird Nelli nächsten Monat ihren
Verlobten
heiraten.«
    »Vielleicht ist es ja doch die große Offensive der Alliierten«, sagte Jette – weil sie das hoffte und weil sie unbedingt von dem heiklen Thema ablenken wollte, dass Nelli schwanger war. Sie und das rothaarige Dienstmädchen teilten mittlerweile einige Geheimnisse. Nelli hatte die Blutspuren auf Jettes Laken gesehen und wusste also, was in der Nacht vor Étiennes Aufbruch geschehen war. Ohne etwas zu fragen, hatte sie das Laken an sich genommen und versprochen, es beim Waschtag unauffällig unter die übrige Wäsche zu schmuggeln. Ein Skandal im Haus ihrer Brotgeber wäre auch für sie nicht gut. Und irgendwann – eher früher als später – würde der Moment kommen, wo sie Henriettes Fürsprache brauchte.
    Zu Jettes Erleichterung ließ sich Johanna sofort auf das neue Thema ein. »Das ist ja das Schreckliche! Wir sitzen hier und wissen nicht, was passiert«, wehklagte sie. »Sicher ist nur eines: Schon bald wird es irgendwo ganz fürchterlich krachen. Und jetzt beschießen fremde Truppen unsere Stadttore und können jeden Moment ins Haus stürmen. Sind eure Bündel griffbereit?«
    Seit Ablauf der Waffenruhe hatte jedes Familienmitglied die notwendigsten Sachen für den Fall zusammengepackt, dass sie rasch fliehen mussten.
    »Die Alliierten kommen als Freunde«, widersprach Jette eingedenk der Proklamationen, die sie gelesen hatte.
    »Kind, selbst wenn sie als Freunde kommen, werden sie
hungrige
Freunde sein«, ermahnte Johanna sie spitz. »Und falls das wirklich Teil der großen Offensive ist, werden Zehntausende Bewaffnete hierherströmen, wird die Stadt ohne Rücksicht zusammengeschossen … Erinnere dich an Bischofswerda, das brannte im Mai fast bis auf das letzte Haus ab!«
    »Vielleicht ist Dresden gestern schon von den Alliierten eingenommen worden.«
    »Vielleicht solltest du dich nicht zu sehr nach ihnen sehnen«, mischte sich Eduard gehässig ein. »Es könnte sich herumsprechen, wie
aufopfernd
und
liebevoll
du dich um die Franzosen gekümmert hast.«
    Jette zuckte zusammen unter dem Hass, der aus diesen Worten klang. Der Streit zwischen ihnen schwelte immer noch, obwohl Friedrich Gerlach mit seinem Sohn lange und ernsthaft geredet hatte, als er den Grund für das plötzlich so eisige Verhältnis zwischen ihm und Henriette erfuhr.
    Seitdem tat Eduard, als sei Jette Luft für ihn. Das schmerzte. Sie hatte gehofft, der Cousin würde mit der Zeit zur Einsicht kommen. Doch die boshafte Bemerkung eben bewies das Gegenteil.
    Dafür war es nun Eduard, der sich von seiner Mutter einen Hieb auf den Hinterkopf einfing, deutlich kräftiger als der für

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