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1813 - Kriegsfeuer: Roman (German Edition)

1813 - Kriegsfeuer: Roman (German Edition)

Titel: 1813 - Kriegsfeuer: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sabine Ebert
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dem Major unter einem Dach zu leben. Oder dass seine Familie eine Fremde bürgerlicher Herkunft, vielleicht sogar schwanger, anerkennen und bei sich beherbergen würde, sollte Étienne nicht zurückkehren.
    Die Papiere waren nutzlos, abgesehen von dem Schutzbrief.
    Der Kampflärm von allen Seiten der Stadt wurde lauter und kam näher. Vielleicht war es ja doch der Anfang der großen Offensive in diesem beispiellosen Krieg.
    Wenn sie starb, wäre das für alle die beste Lösung.
    Vielleicht traf sie ja aus Versehen eine Kugel. Oder sie steckte sich mit dem Lazarettfieber an.
     
    Der Morgen dämmerte. Nun hörte Jette die Haustür zuschlagen; anscheinend war der Oheim zurück. Also zog sie sich an und ging hinunter in die Küche. Alle anderen waren inzwischen ebenfalls für den Tag gekleidet.
    »Es sind Österreicher, unter einem General von Scheither der Division Liechtenstein. Sie haben das Erbische Tor gesprengt. Die Westphalen und Franzosen ergaben sich nach kurzem Kampf«, berichtete Friedrich Gerlach und griff hungrig nach einer Scheibe Brot, die ihm seine Frau schon mit Butter bestrichen hatte.
    In diesem Moment fingen alle Glocken der Stadt zu läuten an.
    »Wir sollen zum Markt kommen. Die neuen Herren der Stadt wollen eine Proklamation verkünden.«
    »Na, dann schauen wir sie uns einmal an, die neuen Herren der Stadt«, meinte Johanna skeptisch, stemmte sich ächzend hoch und ließ sich in den Mantel helfen.
     
    Auf dem Marktplatz standen mehrere Abteilungen Infanterie und Kavallerie in den hellen Uniformen der habsburgischen Armee in Reih und Glied; daneben die entwaffneten westphälischen Husaren und die französischen Offiziere.
    Als die Gerlachs kamen, begann der General gerade seine Ansprache.
    »Wir haben diese Stadt ohne große Verluste eingenommen; Sie sind nun frei von den französischen Besatzern!«, rief er. Noch klang der Jubel der Befreiten verhalten. Abgesehen von ein paar begeisterten Patrioten, warteten die anderen lieber erst einmal ab, welche Forderungen die Sieger des Tages erheben würden.
    Generalmajor Georg Freiherr von Scheither, ein kampfbewährter Mann von etwa vierzig Jahren, ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen.
    »Die westphälischen Husaren sind auf unsere Seite übergewechselt, sie werden nicht mehr gegen Deutsche kämpfen«, fuhr er fort, was ihm und den Westphalen deutlich mehr Jubel eintrug. »Die Infanterie hat sich ergeben, die Offiziere sind auf Ehrenwort entlassen, der französische General Bruno ist unser Gefangener.«
    Er legte eine kurze Pause ein, bevor er verkündete: »Die meisten meiner Männer werden diese Stadt heute noch verlassen. Wir werden nicht plündern.«
    Dies war die Stelle, an der die Freiberger in ehrlicher Begeisterung applaudierten.
    »Aber wir erwarten Ihre Unterstützung in Form von Proviant für dreitausendfünfhundert Mann.«
    Zwei Ratsherren traten vor und sicherten nach kurzer Zwiesprache zu, die entsprechende Menge an Mehl, Graupen und Hirse aus den Vorratslagern der Stadt bereitzustellen.
    »Großartig! Die haben ohne eigene Verluste vierhundert Mann überwältigt«, schwärmte Eduard, als die Familie wieder Richtung Untermarkt lief. »Und gleich noch dreihundertfünfzig Husaren dazubekommen. Tüchtiger Mann, dieser Scheither! So etwas in jeder Stadt, und der Krieg ist im Nu gewonnen.«
    »Ich kann mir Freiberg gar nicht mehr ohne Garnison vorstellen. Und wir haben keine Einquartierung im Haus, das ist ja kaum zu glauben!«, meinte Johanna.
    »Wie werde ich es vermissen, jeden Morgen um fünf von Trompetensignalen geweckt zu werden!«, höhnte Eduard.
    »Ja, es ist ganz sicher das größte Übel, wenn du aus deinen süßen Träumen gerissen wirst!« Das konnte sich Jette einfach nicht verkneifen. »Kein Vergleich dazu, dass viele Nachbarn ausgeplündert wurden und jede Vorratskammer in dieser Stadt bis auf das letzte Krümchen leer gefegt ist!«
    »Werdet ihr sofort aufhören zu streiten!«, ging Johanna wütend dazwischen. »Was ist nur los mit euch beiden neuerdings? Also, ihr Jungs könnt nun endlich wieder in euer Zimmer und müsst nicht mehr die Betten rauf und runter in die Buchhandlung tragen. Jette …«
    »Ich möchte in der Bibliothek bleiben«, fiel diese der Tante ins Wort. Nirgendwo konnte sie besser den Stapel Briefe verstecken, die sich inzwischen angesammelt hatten und die niemand sehen durfte. »Außerdem kommt bestimmt bald die nächste Einquartierung.«
    »Sie hat recht«, stimmte Friedrich Gerlach resigniert

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