2084 - Der Instinktkrieger
sie ab. „Das reicht!" brüllte Golton. „Verschwende nicht mehr Energie, als du dir leisten kannst!".
Sie ließ die Waffe sinken. Niedergeschlagen blickte sie ihn an. „Ich habe die Nerven verloren", klagte sie. „Das hätte mir nicht passieren dürfen. Es disqualifiziert mich." Golkon verzichtete darauf, ihr Vorwürfe zu machen. „Weiter!" drängte er. „Es wird Zeit, dass wir die Halle verlassen und zur Zentrale kommen. Nur dort erhalten wir vermutlich Antworten auf unsere Fragen." Wenig später erreichten sie das Ende. der Halle. Vergeblich sahen sie sich nach einem Ausgang um. Lakahna fluchte leise. „Die Pflanzenbestie rückt nach", sagte sie, nachdem sie sich etwas beruhigt hatte.
Kommentarlos richtete Golton Rover'm Rovaru seine Waffe gegen die Decke und feuerte sie ab. Dann sprang er zur Seite, um dem herab fallenden Segment mit seinen glühenden Rändern aus dem Weg zu gehen. Krachend prallte auf den Boden, was er herausgeschnitten hatte. „Das gibt uns einen kleinen Vorsprung", kommentierte sie sein Vorgehen. Von drei Seiten schoben sich grüne Tentakel heran. Sie bewegten sich wie Schlangen, und sie waren schnell. Sie wölbten sich auf, und dann schossen handlange Stacheln aus ihnen hervor. Wie Pfeile flogen sie heran. Die meisten verfehlten die Instinktkrieger. Einige aber prallten gegen die Schutzanzüge, ohne sie durchdringen zu können. „Beeil dich!" drängte Lakahna. „Unsere Anzüge weisen Löcher auf, und es bekommt uns ganz sicher nicht, wenn wir getroffen werden." Golton ging leicht in die Knie. Dann schnellte er sich senkrecht in die Höhe. Mühelos überwand er die Schwerkraft 11-KYRS, stieg etwa fünf Meterweit auf, glitt an den noch immer glühenden Rändern der Öffnung vorbei, warf sich zur Seite und rollte sich ab. Lakahna folgte ihm in gleicher Weise. Sie landete dicht neben ihm und sprang sofort wieder hoch. Sie richtete ihren Energiestrahler auf die Decke über ihnen und schnitt ebenfalls ein rundes Segment heraus. Als es herabstürzte, fiel es genau auf die Öffnung, die Golton geschaffen hatte. Mit Hilfe ihrer Waffe verschweißte sie die Ränder mit dem Boden und versperrte dadurch den nachrückenden Pflanzententakeln den Weg zu ihnen.
Golton nickte ihr anerkennend zu und blickte sich danach in dem Raum um, den sie erreicht hatten. Es war eine kleine Halle, etwa hundert Schritte lang und fünfzig Schritte breit. Sie hatte als Lagerhalle gedient. Noch jetzt waren die meisten der Container und viele der bereits ausgepackten Gegenstände deutlich zu erkennen, wenngleich sie unübersehbare Anzeichen des Verfalls trugen. Über einigen der Behälter lagen Gebilde, die an die Tentakel der Pflanzen erinnerten, sich jedoch in Kristalle verwandelt zu haben schienen. Einige waren vollständig erhalten, während andere zerbröckelt waren und bei der leisesten Berührung zu Staub zerfielen. „Es sieht so aus, als hätte sich die Materie selbst verändert", staunte sie. „So etwas ist mir nur einmal begegnet, als ich mich in einer Anlage aufhielt, die einige hunderttausend Jahre lang unberührt geblieben war."
„Ein Geheimnis mehr", knurrte er. „Und noch eine Frage, auf die ich keine Antwort habe. Seit unserem letzten Einsatz können unmöglich Hunderttausende von Jahren vergangen sein."
„Wirklich nicht?"
„Natürlich nicht!" fuhr er sie an, verstimmt wegen ihrer Zweifel. „Wir wurden eben noch für die entscheidende Schlacht als Eingreifreserve zurückgehalten."
„Das ist wahr", räumte sie ein. „Um so schwieriger ist es, die Phänomene zu erklären, mit denen wir es zu tun haben." Sie spuckte wütend aus. „Zur Hölle mit all diesen Geheimnissen", schimpfte sie. „Ich bin nicht dafür ausgebildet, sie zu klären. Ich bin Kriegerin. Ich will kämpfen."
„Nur nicht so ungeduldig", ermahnte er sie. „Du wirst vermutlich schon bald Gelegenheit haben, deine Talente zu beweisen. Immerhin hat uns ZenKYR eine Störung von außen gemeldet. Ich schließe daraus, dass jemand eingedrungen ist, der hier nichts zu suchen hat. Aber sei auf der Hut! Es könnte durchaus sein, dass diese Kräfte für die Phänomene verantwortlich sind, mit denen wir es zu tun haben. Sollte das der Fall sein, haben wir keinen leichten Stand."
Sie durchquerten die Halle und erreichten ein transparentes Schott. Bevor sie es öffneten, blickten sie in den Nebenraum. Auch in ihm waren zahlreiche Ausrüstungsgegenstände eingelagert. Hier gab es noch lebende Ausläufer der gefräßigen Pflanze. Etwa
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