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Abtruennig

Abtruennig

Titel: Abtruennig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Vanessa Dungs
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Gedankengang wurde ruckartig unterbrochen, als mein Handy in meiner Hosentasche vibrierte. Ich zog es eilig heraus und Jonathans Nummer leuchtete mir auf dem Display entgegen. Ich klappte es auf. „Hi Jonathan, was gibt’s?“
    „ Hi, Nicholas. Ich rufe kurz an, weil wir euch nur mitteilen wollten, dass wir heute Morgen ein ganzes Rudel von Neuankömmlingen dem Erdboden gleich gemacht haben.“
    Meine Stirn legte sich in Falten. „Ein Rudel? Wie viele waren es?“
    „ Dreizehn Vampire. Elf Männer und zwei Frauen. Alle recht jung. Wir glauben, dass es Studenten waren. Leider konnten wir keine wirklich wichtigen Informationen aus ihnen herausquetschen, sie waren einfach zu aggressiv, um sich lange mit ihnen auseinander setzen zu können.“
    „ Verdammt“, fluchte ich. „Denkst du es hat was mit dem Spiel zu tun?“
    Peter hatte mich gehört, er stand bereits wieder im Türrahmen und sah mich abwartend an.
    „ Ich glaube nicht, aber irgendetwas scheint im Busch zu sein. Möglicherweise liegst du mit deiner Theorie nicht so falsch. Es wäre gut, wenn einer von euch oder ihr beide nach Oxford kommt, wenn das Match ansteht. Wir haben die Ältesten darüber informiert und sie werden wohl noch jemanden anderen schicken, der uns unterstützt.“
    „ Natürlich werden wir kommen“, ich überlegte kurz. „Zumindest einer von uns, ich will Cambridge auch nicht ganz ohne Schutz zurück lassen. Zurzeit ist es hier allerdings relativ entspannt, obwohl ich denke, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm.“
    „ Vermutlich…“
    „ Gut, wir bleiben in Kontakt, Jonathan.“
    „ Alles klar, bis dann.“ Er legte auf und ich klappte das Handy wieder zu. Ich war zwar überrascht, dass es eine so große Menge war, aber ich hatte mir schon gedacht, dass es demnächst losgehen würde.
    „ Habe ich das richtig verstanden? Thomas und Jonathan haben eine größere Gruppe ausgelöscht“, fragte Peter schließlich.
    Ich nickte seufzend.
    „ Wie du es voraus gesehen hast“, stellte er fest. „Dieses Mal werden wir darauf gefasst sein, Nicholas. Die Zeichen waren beim letzten Mal nicht so eindeutig.“
    „ Wir müssen uns trotzdem darauf vorbereiten.“
    Wir hatten schon einmal so ein Desaster erlebt. Ich erinnerte mich nur ungern an dieses Debakel zurück. Zu viele Menschen hatten damals ihr Leben hergeben müssen, weil wir nicht zulassen konnten, dass sie sich verwandelten. Es war nur ein belangloses Fußballspiel gewesen, mit relativ unbedeutenden Mannschaften aus einer der unteren Ligen. Und trotzdem hatte ein Ältester versucht an die Macht zu kommen. Er wollte sich eine eigene Armee aufbauen, um alleine seine dunklen Pläne zu verwirklichen. Seine Brut konnten wir vernichten, aber er war uns entwischt. Aber nicht dieses Mal. Ich ging davon aus, dass er wieder zurück war. Sportereignisse mit jungen, willigen und meistens labilen Sterblichen waren häufig ein gefundenes Fressen, vor allem für einen Abtrünnigen, der nach Herrschaft strebte. Wir würden jedoch dieses Mal darauf vorbereitet sein. Ganz gleich, wer die Fäden in der Hand hielt.

8. Happy Halloween

    Zwei Wochen waren inzwischen vergangen. Nach diesem alarmierenden Rudelangriff in Oxford waren Peter und ich noch wachsamer geworden. Wir waren tagsüber wieder häufiger auf Patrouille unterwegs gewesen, sofern es das Wetter zugelassen hatte. In Vampiraugen waren es noch immer zu warme und vor allem zu sonnige Herbsttage gewesen. Wir mussten dadurch leider oft auf meinen Wagen zurückgreifen, was Peter allerdings nicht sonderlich störte. Er hatte mehr für Autos übrig als ich selbst.
    Lesley war von mir mehr oder weniger eingeweiht worden und sie hatte Verständnis dafür gehabt, dass ich sie meistens erst spät besuchen konnte. Natürlich hatte ich anfangs vorgehabt, sie jede freie Minute zu sehen, aber irgendwann musste ich dann doch auf meine innere Stimme hören, die bereits vollkommen heiser geworden war. Wenn ich mich selbst in Gefahr brachte, indem ich Kontakt mit einem Menschen pflegte, war das schon leichtsinnig genug. Doch ich durfte nicht riskieren, meine gesamte Art zu bedrohen. Bei dem Gedanken daran musste ich zwangsläufig stöhnen. Ich konnte schon gar nicht mehr zählen, wie viele Regeln ich inzwischen gebrochen hatte.
    Peter gab plötzlich einen glucksenden Laut von sich und riss mich dadurch aus meinen Überlegungen. Er hockte neben mir und starrte in den sternenlosen Nachthimmel hinauf. Ein schwarzer Mantel, der sich über uns ausgebreitet

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