Acacia 02 - Die fernen Lande
Akarans mit Gewalt stürzen. Die Mein haben es getan, ja, aber die Mein sind verschwunden. Und die Mein haben ihre Pläne viele, viele Jahre lang geschmiedet, ehe sie gehandelt haben. Ihr habt gewiss nicht die Geduld, übermäßig lange zu warten. Nein, Corinn hat die Bekannte Welt fester im Griff als ihre Familie all die Jahre vor ihr. Sie füttert die Adligen aller Nationen mit Rubinen, während sie gleichzeitig Diamanten in ihren Ländern schürft. Sie unterhält einen Hof, der nicht nur aus den Besten aller Nationen besteht, sondern auch aus den besonders geliebten Söhnen und Töchtern aller Könige der Welt. Eure eigene Schwester gehört zu ihren Hofdamen. Ist es nicht so? Sie hält sie als Geiseln, die ersten Opfer, die im Falle eines Angriffs leiden müssten. Wenn kein solcher Angriff erfolgt, ist alles bestens. Der Hof bedeutet Vergnügen. Die Adligen sammeln ihre Rubine. Die Könige und Königinnen, Grae, sind die Einzigen in der Bekannten Welt, die nicht leiden wie der Rest.
Und aus diesem Grund wird dies kein Aufstand sein, bei dem sich gewaltige Armeen hinter Bannern scharen. Sondern ein gleichzeitiges Handeln des gemeinen Volkes. Die einfachen Leute werden sich erheben. Sie werden ihre Werkzeuge niederlegen und verlangen, dass die Welt erneuert wird. Darauf wird dieser Aufstand sich gründen. Es wird Blut fließen, ja. Es wird Unruhen geben. Wir werden uns bewähren müssen. Aber wir werden siegen, weil wir im Recht sind, weil unsere Sache gerecht ist und weil die Welt dieser Sache gegenüber nicht ewig blind bleiben kann. Wir hassen die Akarans nicht einmal. Aliver ist derjenige, der zu mir gesprochen und mir meinen Auftrag eingegeben hat. Es ist möglich, dass Corinn Teil der neuen Ordnung sein wird, wenn die Veränderung stattgefunden hat – wenn sie sie akzeptiert. All dies mag für einen König schwer vorstellbar sein.«
Graes Lippen waren schmal, als er fragte: »Zweifelt ihr so sehr an mir?«
»Nein. Wenn wir das täten, wärt Ihr nicht hier. Viele haben sich für Euch verbürgt. Hatz hat Aushenia jahrelang beobachtet. Er glaubt, dass Ihr anders seid als die meisten Eurer Klasse. Wir stellen Euch jetzt nur deshalb Fragen, weil ihr unser Ziel verstehen müsst. Es besteht nicht darin, die Verderbtheit hinwegzufegen und sie durch neue Verderbtheit zu ersetzen.«
»Was für ein System prophezeit ihr dann? Wer wird herrschen, wenn die Akarans verschwunden sind?«
»Das Volk selbst.«
»Das Volk selbst?« Grae musterte die anderen Gesichter; offensichtlich fragte er sich, ob sonst noch irgendjemand dies so erheiternd fand wie er. »Ihr habt doch bestimmt einen genaueren Plan als das.«
Barad war klar, dass das eine einleuchtende Vermutung war. Die Frage war ihm schon viele Male gestellt worden, und er hatte ziemlich oft darüber meditiert. Und war jedes Mal zu der gleichen grundsätzlichen Überzeugung gelangt: Was nach dem Aufstand geschah, ging ihn nichts an. Die Menschen würden sich selbst damit auseinandersetzen müssen, gemeinsam, auf viele verschiedene Arten in all den vielen Nationen. Er würde einer von ihnen sein, doch er hatte nicht den Wunsch, ihnen seine Herrschaft aufzudrängen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie mit ihrer Freiheit umgehen sollten. Sein Auftrag – der ihm vom Schöpfer und von Alivers Stimme erteilt worden war – bestand darin, die Fesseln zu sprengen, den Verstand zu klären und ihnen den Glauben an eine bessere Zukunft einzuflößen. Das war so weit alles. Er wusste, dass es gefährlich war, so zu denken, denn manche Menschen, wie dieser König hier, würden gewiss selbst nach den Zügeln der Macht greifen, aber so musste es eben sein.
Er antwortete so, wie er es immer tat. »Die Menschen werden mit ihrer Freiheit machen, was sie wollen. Dieses Recht haben sie sich vielfach verdient.«
»Und wenn jemand anderes versucht, Corinns Thron für sich zu beanspruchen?«
»Die Menschen werden dafür sorgen, dass diese Veränderung stattfindet. Sie sind müde, sie sind es müde, einen Despoten gegen den anderen einzutauschen. Ich bedauere den Mann – oder die Frau –, der versucht, sie abermals zu versklaven.«
Grae dachte einige Zeit lang über diese Worte nach. Er fingerte am Stiel des Kelchs herum. »Ich wurde als Prinz von Aushenia geboren. Es ist mir zugefallen, der König meines Volkes zu werden. Mir wäre es ebenso recht, wenn es nicht so wäre und ich meinen Bruder und meinen Vater noch hätte. Aber diese Krone ist mein Schicksal. Es ist jedoch nicht
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