Acacia 02 - Die fernen Lande
Dariel ein paar wagemutige Dinge getan, jetzt jedoch bewegten sie sich mit einer Geschwindigkeit, die eher auf dem offenen Meer angebracht war, und würden entweder gegen eine Felswand oder über eine Wasserwand rasen – er konnte es nicht sagen. Der Ausguck rief etwas, der Kapitän auch, und dann begann eine Glocke zu läuten. Sire Neen sagte etwas, doch Dariel konnte ihn nicht verstehen.
Er starrte immer noch, als ein Mitglied der Mannschaft ihn an der Schulter packte und rasch zur Deckmitte zog, wo er sich zu Sire Neen, Rialus und anderen gesellte, die auf den Bänken rings um den Fuß eines Masts saßen. Der Seemann drückte ihn ohne weitere Umstände auf eine Bank und schlang ihm mit ein paar geschickten Bewegungen ein Tau um die Taille. Am Mast festgebunden, schaute Dariel sich um und sah, dass die anderen auf dieselbe Weise gesichert waren. Viele Matrosen hasteten immer noch auf dem Schiff umher, doch als das Läuten der Glocke schneller wurde, suchten sich alle etwas, woran sie sich festhalten konnten.
Die Glocke verstummte. Ein paar Augenblicke lang waren der Wind und das Rauschen der Wogen die einzigen Geräusche – dann schob sich der Bug des gewaltigen Schiffs über die Strömungsmauer und krachte ins ruhige Wasser hinab. Das gesamte Vorschiff tauchte unter, das Heck ragte steil in die Höhe, und die Ambra begann, sich gleichzeitig zu neigen und zu schlingern. Dariel wurde hin und her gerissen, und sein Kopf schlug hart gegen den hölzernen Mast hinter ihm. Wenn er nicht angebunden gewesen wäre, wäre er gewiss genauso in die Luft geschleudert worden wie einige Seeleute, die sich verzweifelt an ein paar Taue klammerten. Der Schiffsrumpf ächzte und bebte. Irgendwo tief in seinem Bauch ertönte ein reißendes Geräusch, und Dariel fürchtete, das ganze Schiff würde in Stücke gerissen. Und dann fürchtete er, dass es zwar heil bleiben, dieses Manöver aber kieloben beenden könnte.
Das Schiff wand sich auf eine Weise nach Steuerbord, dass Dariels Eingeweide gegen sein Zwerchfell drückten und ihm die Luft aus der Lunge trieben. Der brodelnde Geist der wütenden Wassermassen wallte über die Reling. Die Seeleute dort verschwanden einige Zeit unter Wasser. Das Schiff balancierte auf der Seite, die Mastspitzen waren tief ins Wasser gesunken, die Segel blähten sich mit der Strömung. Es schien einen unmöglich langen Augenblick zu dauern – einen Augenblick, in dem der Atem angehalten und angehalten und angehalten wurde –, ehe die Ambra sich schließlich entschied und sich ganz allmählich wieder aufzurichten begann.
Die Seeleute, die unter Wasser gewesen waren, keuchten, als sie wieder auftauchten. Dariel war, als hätte er genauso wenig Luft bekommen wie sie, als hungere er genauso sehr nach einem Atemzug. Aus den Eingeweiden des Schiffs ertönte ein anderer Lärm: wütende Schreie der angeketteten Numrek. Er hatte sie während der ganzen Fahrt nicht zu Gesicht bekommen, jetzt aber waren sie nicht zu überhören. Dariel musste die Augen mit der Hand beschirmen, um sich zurechtzufinden und festzustellen, dass sie sich auf der Leeseite der Insel befanden. Sie glitten immer noch vorwärts, weg von der Strömung, und hinein in das Labyrinth aus gebirgigen Inseln vor ihnen. Er versuchte gar nicht erst, sein Erstaunen zu verbergen.
Als Antwort erklärte Sire Neen: »Wir haben herausgefunden, dass kraftvolles Eindringen die beste Methode ist, um hier hereinzukommen.« Seine Stimme hatte den gleichen ruhigen Tonfall wie am Ratstisch, und sein Lächeln war in diesem Augenblick so fehl am Platz, dass Dariel bei diesem Anblick unverzüglich Kopfschmerzen bekam – oder zumindest machte es ihn auf die pochenden Schmerzen in seinem Schädel aufmerksam. »Es gibt nichts Schlimmeres, versteht Ihr, als zwischen zwei Strömungen gefangen zu sein. Dann hat man überhaupt keine Kontrolle mehr. Wir werden den Numrek erklären müssen, dass es noch viel rauer hätte werden können. Ich weiß, das ist nichts für Zaghafte, aber wir von der Gilde sind nicht zaghaft.«
Die nächste Stunde verbrachte Dariel neben Rialus an der Reling, während die Ambra sich ihren Weg zwischen den Inseln hindurch suchte. Sie bewegten sich langsam und vorsichtig vorwärts, aber es war immer noch seltsam, ein so großes Schiff durch die engen Kanäle navigieren zu sehen. Anscheinend fielen die Gipfel unter Wasser genauso steil ab, wie sie sich aus ihm erhoben, so dass die Wasserwege frei von Riffen waren. Gelegentlich glitten sie so
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