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Acacia 02 - Die fernen Lande

Acacia 02 - Die fernen Lande

Titel: Acacia 02 - Die fernen Lande Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Anthony Durham
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allerdings nicht sagen, dass das Gespräch mit ihnen sonderlich erfolgreich verlaufen ist. Unsere Ankunft hat sie ziemlich aufgewühlt. Ich überlasse es Euch, ihnen alles genau zu erklären. Jedenfalls haben wir für morgen ein Treffen zwischen Euch und den Anführern ihrer Clans arrangiert. Wir sollten von Anfang an die Numrek dabeihaben. Wir haben sie den Auldek gegenüber erwähnt, aber sie haben nicht begriffen, was wir gesagt haben. Geht es den Numrek gut?«
    »Den Unmenschen.« Sire Neen stieß wegwerfend die Luft aus. »Wer kann das schon sagen? Ich meine, ja, ja, ich bin sicher, dass es ihnen gut geht. Sie haben während der ganzen Reise gefesselt in ihren Kajüten gelegen. Sie sind am Leben und werden wahrscheinlich hoch erfreut sein, wieder trockenes Land betreten zu können.« Er überlegte, ob er sich hinsetzen sollte, doch sein Körper kribbelte vor so viel Energie, dass er unmöglich hätte stillsitzen können. Stattdessen begann er auf und ab zu gehen, erstaunt über die Situation, in der er sich befand. Es war alles zu vollkommen. Seine Erwartungen waren viel zu bescheiden gewesen; wenn dies hier vorbei war, würde er in seinen späteren Lebensjahren Hauptältester sein. Der Gilde würde alles gehören, was über die Grauen Hänge befördert wurde, egal in welche Richtung. Er selbst würde eine Gottheit sein, während er sich noch in der Blüte seines Lebens befand.
    Bei diesem Gedanken setzte er sich tatsächlich. »Dann werde ich also morgen ein neues Handelsabkommen mit den Auldek abschließen. Sind sie wie die Numrek?«
    Noval zog die Schultern hoch und ließ sie wieder sinken. »Ja und nein. Ich kann Euch wirklich nicht viel über sie sagen. Sie sind den Numrek ziemlich ähnlich, und doch auch wieder ganz anders als sie. Seht einfach selbst.«
    Er ist ein bisschen leichtfertig, wenn es um die Einzelheiten geht, dachte Sire Neen. So ist die Jugend. »Sind sie reich?«
    Noval lächelte. »Reich genug. Reich und merkwürdig, was zusammengenommen ein gutes Zeichen für uns ist.«
    »Was wissen wir noch darüber, was aus den Quotensklaven wird?«
    »Darüber, was sie mit ihnen tun? Nichts. Ich habe Menschen aus der Bekannten Welt inmitten der Lothan Aklun gesehen. Wir haben die paar befragt, die wir gefangen genommen haben. Absonderliche Kreaturen; sie haben gekämpft wie gefangene Wildkatzen, obwohl sie Leibdiener waren, keine Krieger. Sie schienen ihren Herren gegenüber merkwürdig loyal zu sein. Eine ganze Menge von ihnen sind zusammen mit den Lothan Aklun zugrunde gegangen, nur aus blinder Treue. Und diejenigen, die ich bei den Auldek gesehen habe …« Er fing an, etwas bildlich darzustellen; seine Finger tanzten vor seinem Gesicht, dann jedoch brach er den Versuch ab. »Wirklich, Onkel, Ihr solltet sie selbst sehen. Ich will Euch das Vergnügen nicht verderben.«
    Sire Neen fand dies alles zu vage. Und genau das wollte er auch gerade sagen, aber ein Tumult an der Tür kündigte Neuankömmlinge an. Mehrere Ishtat-Gardisten drängten sich in den Raum; sie konzentrierten sich alle auf eine Gestalt in ihrer Mitte: Prinz Dariel. Aber Prinz Dariel war nicht mehr der, der er noch ein paar Augenblicke zuvor oben an Deck gewesen war. Die kleine Zeitspanne, die seitdem verstrichen war, hatte ihn verändert. Seine Lippen waren geschwollen und aufgeplatzt. Seine Nase war geschwollen und blutete, so dass sein ganzes Gesicht blutverschmiert war. In seinen Augen standen Tränen, die von Schock, Schmerzen und heftigen Gefühlen kündeten. Und von Wut. Ja, da war auch jede Menge Wut. Er verrenkte Kopf und Körper, wehrte sich gegen die Ishtat. Aber sie hielten ihn fest. Die Hände waren ihm auf dem Rücken zusammengebunden worden. Eine Wache packte ihn am Haar und hielt ihn fest. Am entwürdigendsten war ein Knebel, der in den königlichen Mund geschoben worden war und von Riemen an Ort und Stelle gehalten wurde, die gegen seine Wangen drückten und sich um seinen Hinterkopf wanden. Er konnte atmen, aber nicht sprechen.
    Sire Neen hatte das Vergnügen vergessen, das es ihm bereitete, die Zunge über seine abgerundeten Zähne gleiten zu lassen. Dariel erinnerte ihn daran, und er gab dem Wunsch nach. »Oh, das sieht aber höchst unbequem aus, Prinz«, bemerkte er und verzog mit geheucheltem Mitgefühl das Gesicht. »Es sieht so aus, als hättet Ihr Euch zur Wehr gesetzt. Lobenswert, nehme ich an, aber sinnlos.« Er gestikulierte mit den Fingern. Die Wachen schleppten den Prinzen näher heran. »Sieh her, Noval,

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