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Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
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Speeren und Keulen und wildem Gebrüll, dann hinderte ihn das, offenes Wasser zu erreichen. Am ersten langen Tag dieses Kampfes also waren beide Seiten etwa gleich stark: Die Männer setzten dem Bär hart zu und hielten ihn vom offenen Wasser fern, und er konnte ihnen weglaufen und eine kurze Strecke durch eines der Löcher auf die andere Seite schwimmen. Durch ihre Beharrlichkeit und das Vorausahnen der Schritte, die der Bär als nächstes tun würde, blieben die Männer jedoch dicht an dem Tier dran, verfolgten es so lange, dass es außer Atem geriet, und so ging die Jagd weiter.
    Als der Tag sich dem Ende zuzuneigen begann - die Herbsttage waren kurz in diesen Breiten -, da wussten die Männer, dass es bald zu einem Kampf kommen musste, wenn sie nicht den Bären während der langen Nacht aus den Augen verlieren wollten. Zwei Eskimos, Sopilak und ein anderer, wurden noch wagemutiger und liefen direkt auf den Bären zu, mal der eine vorstoßend, mal der andere, verwirrten das Tier und richteten mit Sopilaks Speer sein linkes Hinterbein böse zu, und als sie sahen, dass es verwundet war, stürzten sich zwei andere von hinten auf das Tier, konnten dem tödlichen Hieb der Vordertatze gerade noch ausweichen, als es sich umdrehte, und stachen ein zweites Mal zu, in dasselbe Bein.
    Der Bär war jetzt ernsthaft verwundet, spürte dies und räumte das Feld, bis er mit dem Rücken gegen einen großen Eisblock stieß und so von dieser Seite geschützt war. Die Männer konnten jetzt nur noch aus Positionen angreifen, die für das Tier einsehbar waren, sofort beim ersten Herannahen hätte es sie ausgemacht, und in dieser Stellung sah es furchterregend aus, ein gewaltiger, weißer Koloss, ein Bein rot von Blut, aber noch Herr über Tatzen, die einem Mann mit einem Schlag die Eingeweide herausreißen konnten.
    Jetzt, als der Kampf noch nicht entschieden war und derjenige der Eskimos, der als nächster angriff, wusste, dass ihm das Tier wahrscheinlich den Bauch aufschlitzen würde, war keiner von Sopilaks Jägern von sich aus bereit vorzustürmen, und der Anführer wusste, dass ihm diese Aufgabe zufiel. Es gelang ihm, seinen Speer in das rechte Hinterbein zu stoßen; als Sopilak jedoch versuchte zu entkommen, stürzte er direkt unter den Bären, und ein mächtiger Schwinger mit der rechten Tatze streckte ihn aufs Eis, der Rache des Bären ausgeliefert.
    In diesem Moment der äußersten Bedrängnis sprangen zwei mutige Eskimos pfeilschnell hervor, den Bären bewegungsunfähig zu machen, aber sie brachten ihre Schläge nicht schnell genug an, so dass der Bär noch Zeit hatte, sich auf seinen gestürzten Gegner zu werfen. Er hätte ihn zerschmettert und zerfetzt, wenn Kapitän Pym und Harpunier Kane nicht augenblicklich ihre Gewehre abgefeuert hätten und das weiße Monster ins Taumeln geraten wäre. Zwei Kugeln im Leib, hielt das Tier abrupt inne und schnappte nach Luft, worauf Atkins auch noch sein Gewehr abfeuerte. Der Bär verlor die Balance und sackte kraftlos über dem hingestreckten Körper Sopilaks zusammen.
    Das prächtige Tier verendete, dieses Geschöpf der gefrorenen Meere, dieser erhabene Riese, dessen Fell oft weißer als der Schnee schimmerte, auf dem es dahinzog, und als die sieben Eskimos festgestellt hatten, dass es auch tatsächlich tot war, taten sie etwas so Fremdartiges, dass die Amerikaner nur staunen konnten: Sie fingen an zu tanzen, feierlich, Tränen liefen ihnen über das Gesicht, und derjenige, der den verwundeten Sopilak stützte, dass auch er an dem Tanz teilnehmen konnte, stimmte ein Lied an, das fünftausend Jahre zurückreichte. Die Dunkelheit brach herein, und die Männer von Desolation Point weinten und tanzten zu Ehren der großen weißen Kreatur, die sie getötet hatten. Der Obergefreite Atkins, als er das Ritual beobachtete, verstand sofort die Bedeutung, ließ, uralten Mächten gehorchend, die seine Vorfahren in Europa verehrt hatten, das Gewehr zu Boden fallen, das mit dazu beigetragen hatte, den Bären zu töten, betrat den Kreis der Tanzenden, in dem Sopilak, ihm die Hand reichend, ihn willkommen hieß, nahm den Rhythmus auf und stimmte in den Gesang ein, denn auch Atkins ehrte den weißen Bären, das Geschöpf des Nordens, das im Leben so majestätisch und im Tod so tapfer gewesen war.
     
    Sopilak hatte noch eine fünfzehn Jahre alte Schwester, die auf den Namen Kiinak hörte und die in den Tagen nach der erfolgreichen Jagd ihrer Mutter und den anderen Frauen von Desolation half, das

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