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Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
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Zurückeroberung Attus durch Amerika, die am 11. Mai 1943 ihren Anfang nahm, war eine der wichtigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, denn obwohl nur relativ wenig Truppen in sie verwickelt waren, entschied sie die Frage, ob Japans Hoffnung, in Alaska Fuß zu fassen, um von dort aus die Vereinigten Staaten und Kanada anzugreifen, jemals in Erfüllung gehen sollte. Die japanischen Verteidiger der Insel bildeten eine kampfstarke Truppe von 2 . 600 Elitesoldaten, entschlossen, diese Ausgangsbasis auf amerikanischem Territorium nicht aufzugeben. Angeführt von Offizieren, die sich durch Kühnheit und Scharfsinn auszeichneten, hatten sie eine Reihe von befestigten Verteidigungsstellungen angelegt. Und es gab noch andere Unterschlüpfe, wie zufällig in die Erde gegrabene Höhlen, in die japanische Soldaten untertauchten, wohlwissend, dass sie diese bei einem amerikanischen Angriff nur durch ein Wunder jemals wieder lebend verlassen würden. Tiefe derartige Höhlen, ausgelegt für je zwei Personen, flankierten die vermutlichen Anmarschlinien der Amerikaner. Es war eine teuflische, klug ausgetüftelte Stellungskette, die den Tod jedes Angreifers garantierte, aber auch den sicheren Tod der Verteidiger. Dermaßen heldenmütige Japaner in die Flucht zu schlagen würde ein Höllenkommando werden.
    Um ihr Ziel zu erreichen, sollten 1 6 . 000 amerikanische Soldaten, dazu die paar Scouts sowie unbegrenzte Luftunterstützung, erbarmungslos und unaufhörlich Druck ausüben, was mit hohen Verlusten auf beiden Seiten, der des Angreifers und der des Verteidigers, verbunden sein würde. Am Vorabend dieser Schlacht, ausgetragen am Ende der Welt, stand der Charakter des gesamten pazifischen Krieges auf Messers Schneide: Japan, der brutale Angreifer, sollte in die Rolle des hartnäckigen Verteidigers schlüpfen, während Amerika, der aus seiner Ruhe gerissene schläfrige Riese, verspätet, aber immerhin nicht zu spät, seine Kräfte sammelte und zu einer ganzen Serie vernichtender Schläge ausholte. Als die Sonne an jenem Abend düster glühend am Horizont unterging, konnte niemand vorhersagen , wie sich die Schlacht am Attu entwickeln würde, denn die Männer, die sich gegenüberstanden, waren von derselben Tapferkeit, derselben Entschlossenheit, und beide Seiten fühlten sich ihren widersprechenden Lebensweisen gleich stark verpflichtet.
    Bei Tagesanbruch tauchte schemenhaft eine fürchterliche Kriegsflotte aus dem Nebel auf, steuerte auf den nordöstlichen Zipfel von Attu zu, und von ihrem Landungsboot aus verfolgten Nate und Ben, wie das riesige Schlachtschiff »Pennsylvania« seine Geschütze bereitmachte und anfing, die Küstenlinie unter Feuer zu nehmen, auf der schon bald die Truppen landen würden. Einhundertfünfzig Granaten wurden verschossen - aber sie töteten nicht einen Japaner, denn diese hatten ihre Unterstände so befestigt, dass nur ein direkter Einschlag sie zerstören konnte.
    Der größte Teil der amerikanischen Kriegsflotte schlich sich durch die nebelverhangene Massacre Bay an die Insel heran, wo die Schiffe, ohne auf ernsthaften Widerstand zu stoßen, die Männer entlassen konnten. Kaum an Land, mussten die Angreifer, wie Nate vorhergesagt hatte und wie er jetzt von seinem Schiff aus sehen konnte, steil bergauf Richtung Holtz Bay laufen, an deren Hang die Japaner ihre Stellungen ausgehoben hatten. Was zunächst wie eine Landung ohne große Schwierigkeiten ausgesehen hatte, wurde zu einer verbitterten Attacke in Regen und Matsch. Hunderte amerikanischer Soldaten wurden durch die Kugeln der Heckenschützen getötet oder zu Krüppeln geschossen. Sie fielen, ohne den Feind auch nur gesehen zu haben.
    Neunzehn schreckliche Tage lang, meist ohne Feuerpausen und oft ohne Essen, bedrängten die Amerikaner weiter hart die feindlichen Stellungen. Während der Daueroffensive schützten sich Nate Coop und Ben Krickel gegenseitig, schlüpften in Fuchsbauten oder liefen gemeinsam los, um Handgranaten in die Höhlenöffnungen zu schleudern, aus denen kurz vorher noch Geschützfeuer zu hören gewesen war. »Es ist immer dasselbe«, sagte Ben nach solch einer Attacke schwer keuchend, »man wirft seine Granate und hört drei Explosionen. Die beiden Männer in der Höhle sehen die Granate auf sich zukommen, wissen, dass das ihr Ende ist, und zünden ihre eigenen Granaten ... sie wollen ganze Arbeit machen.«
    Bei einem dieser höllischen Übergriffe säuberte Nates Truppe einen ganzen Berghang voll mit diesen Höhlen, eine nach

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