Alaska
erklärte, er hätte eins der Aufräumkommandos in der Holtz Bay angeführt, sagte Ben warmherzig: »Sie brauchen sich nichts mehr zu beweisen!«
Ben hatte recht mit seiner Einschätzung, denn in den ersten gefahrvollen Momenten, nachdem die drei an Land gesprungen und sofort landeinwärts gerannt waren, in den alles entscheidenden Sekunden, als versteckte Maschinengewehre sie hätten in Stücke reißen können, war Gray, der die Führung übernommen hatte, plötzlich ein Mann, der keine Angst kannte, der immer weiterging und sie mitriss , bis sie weit vom Ufer entfernt waren. Als sie wie durch ein Wunder sicher und unbeschadet den Strand hinter sich gelassen hatten, geschah etwas Schreckliches. Gray, vor Freude darüber, dass er diesen Mut bewiesen hatte, wandte sich um und fragte seinen Ratgeber: »Und was jetzt, Ben?« Aber der alte Fuchszüchter, der in dem Boot so ruhig und gelassen gewirkt hatte, stand jetzt zitternd vor ihm. Es war kein nervöses Zucken, sondern eher, als würde ein wütender Sturm ihn beuteln, und Gray und Nate erkannten, dass ihr Kamerad seelisch völlig erschöpft war und als Mitglied ihr er Einheit nicht mehr eingesetzt werden konnte.
Für einen kurzen Augenblick war der junge Offizier unsicher, denn es war klar, dass sich ihre Gruppe jetzt, nach dem Ausfall der dritten Person, in einer riskanten Situation befand, doch Nate legte Ben hinter einen Felsen und .flüsterte ihm beruhigend zu: »Schon gut. Warte hier. Wir kommen wieder.« Dann, zu Gray gewandt: »Wir trennen uns und halten auf das große Ding da hinten zu, egal, was es ist.«
Ohne das Gefühl zu haben, seine Stellung als Anführer wäre auf den anderen übergegangen, sagte Gray: »Gute Idee« und war schon wie ein Kaninchen verschwunden.
Als sich die beiden an der verabredeten Stelle trafen, einem ausrangierten Generator, wie sich zeigte, brachte keiner den Mut auf auszusprechen, was in seinem Kopf vorging, aber nachdem sie die nähere Umgebung abgesucht hatten, platzte Nate heraus: »Ich glaube, es ist keiner mehr da!«
»Das glaube ich auch«, sagte Gray nur sehr leise, aber dann klangen ihm die Vorträge aus seiner Ausbildung wieder im Ohr: »Männer«, hatte ein rauher Veteran der ersten Kämpfe in Guadalcanal gewarnt, als er das Graya-Trainingslager in Texas besuchte, »der japanische Soldat ist der gerissenste Hund, den man sich vorstellen kann. Er führt euch mit tausend Tricks an der Nase herum. Versteckte Sprengladungen, Scharfschützen, die in Bäumen hängen, verlassene Gebäude, um einen glauben zu machen, sie sind weg. Und geht man in die Falle ... bist du tot, toter geht’s nicht.«
Drohend und verhängnisvoll, schien das Gebäude, aus dem nicht ein Laut drang, ein typisches Beispiel für solche Perfidie der Japaner zu sein, und Gray wurde ganz weich in den Knien: »Ob das eine Falle ist?« flüsterte er Nate zu. Doch der antwortete ruhig: »Wird sich zeigen«, worauf Gray wieder das Kommando übernahm.
»Gib mir Deckung.« Und mit einer Kühnheit, wie man sie nur selten sah, lief er auf die Gebäudeansammlung zu, in der früher einmal ein Speiseraum und eine Waschküche untergebracht gewesen sein mussten , und als er vor ihr stand, sprang er ein paarmal hoch, winkte mit den Armen und rief: »Es steht leer!«
Noch bevor Nate ihn einholen konnte, lief Gray hin und her, veranstaltete unvorsichtigerweise einen fürchterlichen Lärm, als er von einem verlassenen Gebäude ins nächste rannte und jedes leer vorfand. Dann fiel ihm wieder ein, dass er ja das Kommando führte, aber war so aufgeregt, dass er kaum seinen Befehl geben konnte. »Schauen wir noch mal da drüben nach, und wenn das auch leer ist, geben wir das Signal.«
Die beiden Männer krochen auf dem Boden in den Raum, der dem Feind wohl als Kommandohauptquartier gedient haben musste , und als sie auch den in der höhlenartigen Finsternis leer vorfanden, ergriff Gray seinen Kameraden am Arm und fragte: »Sollen wir Bescheid geben?« Und Nate antwortete: »Schick die Meldung los«, worauf Gray sein Funkgerät einschaltete und rief: »Alle verschwunden! Keiner mehr hier!«
»Wiederholen!« ertönte die strenge Stimme des Flottillenkommandeurs.
»Keine feindlichen Soldaten hier. Ich wiederhole. Keine feindlichen Soldaten.«
»Überprüfen. Meldung in zehn Minuten. Dann zurück an Bord.«
Es waren seltsame zehn Minuten, die die beiden erlebten: In der finsteren Nacht der Aleuten, peitschenden sibirischen Winden ausgesetzt, versuchten die beiden
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