Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
Vom Netzwerk:
Monaten noch des Öfteren zu hören bekam: »Ich frage mich, ob unsere Einwohnerzahl überhaupt ausreicht.«
    »Natürlich nicht!« sagte Venn streng. »Was meinen Sie, LeRoy?«
    LeRoy hatte bei den Venns noch einen Berg Schulden abzutragen, für seine Flugzeuge und das Haus, und war auch sonst von ihnen abhängig, denn den größten Teil der Geschäfte, die sein Ein-Mann-Unternehmen am Leben erhielten, wickelte er mit ihnen ab, und so hielt auch er es für angebracht, eher ausweichend zu antworten, aber in seinem Fall war es etwas anderes, denn er vertrat einen strategischen Standpunkt, und den mit Überzeugung: »Den größten Wert, den Alaska für die Vereinigten Staaten darstellt, vielleicht den einzigen Wert, ist der als ein Militärschild in der Arktis. Mit unseren begrenzten Ressourcen allein könnten wir das Territorium niemals gegen Asien verteidigen. Und der russische Kommunismus ist überall auf dem Vormarsch. Sie könnten auch hier jederzeit einfallen.«
    »Da haben Sie allerdings einen Nerv getroffen«, entgegnete Venn enthusiastisch. Dann wandte er sich seiner Frau zu: »Sag ihnen doch mal, was sie bislang noch gar nicht beachtet haben, Lydia«, worauf sie sich mit Nachdruck in die Unterhaltung einmischte: »Mein Vater hat es früher schon immer gesagt. Und ich glaube es heute auch. Alaska wird niemals über die Menschen oder die Macht oder auch das Geld verfügen, um als freier Staat zu funktionieren. Es wird immer auf die Hilfe der anderen Bundesstaaten im Nordwesten angewiesen sein.«
    »Und das heißt, was es immer schon geheißen hat«, unterbrach ihr Mann. »Seattle! Wir können das Geld von den anderen Staaten bereitstellen. Und wenn es da ist, haben wir bislang immer gewusst , wofür es ausgegeben werden soll.«
    »Meine Familie zum Beispiel«, versuchte Lydia ihre Zuhörer zu überzeugen. »Wir haben immer nur das Beste für Alaska gewollt. Wir kümmern uns um die Menschen hier oben, als gehörten sie zu unserer eigenen Familie. Wir haben ihnen Bildung gebracht, und wir setzten uns im Kongress für ihre Rechte ein. Und die Ureinwohner behandeln wir besser als sie sich selbst.«
    Geschlagene zwei Stunden entwickelten die beiden Venns noch einmal die Doktrin, gegen die zu verstoßen in Seattle geradezu ein Sakrileg gewesen wäre: dass Souveränität für Alaska nur schädlich sein würde für die Bevölkerung, für das Land insgesamt, für die Ureinwohner, für die Industrie, für die Zukunft der Region ganz allgemein und - auch wenn Tom Venn es öffentlich nie zugab, nicht einmal zu Hause - sehr schädlich auch für Seattle. LeRoy und Sandy, durch Zufall und ohne eindeutige Meinung in diese Debatte verwickelt, verließen das Haus der Venns nach diesem Abend mit der festen Überzeugung, dass die Souveränität Alaskas unbedingt vermieden werden musste .
    Das zweite Paar der Familie Flatch vertrat in dieser Schlacht die Gegenseite. Flossie Coop hatte nur noch ungenaue und unangenehme Erinnerungen an Minnesota, obwohl sie bereits zehn Jahre alt war, als ihre Familie fortzog. »Es war immer bitter kalt«, sagte sie zu Nate, der noch nie in den »Lower Forty Eight« gewesen war. »Schlimmer als in Matanuska. Und wir hatten nie genug zu essen. Und Vater musste wildern, damit wir ab und zu etwas Fleisch auf dem Teller hatten. Ich bereue nicht, von da weg zu sein, ganz und gar nicht.«
    »Was willst du damit sagen?«
    »Na ja, ich war anfällig für Alaska, wie man so sagt, ich musste es einfach lieben. Für mich bedeutete es Freiheit, riesige Gemüsesorten, einen Gletscher im eigenen Tal und einen zahmen Elch. Es war aufregend und spannend, eine neue Welt war im Entstehen, und wir hatten wunderbare Menschen als Nachbarn, Matt Murphy und Missy Peckham, und wir hatten das Gefühl, wir machen Geschichte.« Sie hielt inne, Tränen liefen ihr über die Wangen, und sie beugte sich vor, um ihren Mann zu küssen. »All das hast du im Krieg verteidigt.«
    Plötzlich, voll Verbitterung, erhob sie sich und ging unruhig auf und ab: »Und dann mein alter Herr, der bei dem Bau der Straße mitgeholfen hat. Und LeRoy, der mit seinen Maschinen überallhin fliegt, bei jedem Wetter. Und dann nehmen sich die Leute die Frechheit und fragen mich, ob wir reif genug sind für Souveränität! Wir waren schon reif, als ich von Bord der › St. Mihiel ‹ ging, und jetzt erst recht!«
    Nate Coop brauchte nicht erst die überraschenden Worte und Gesten seiner Frau, er wusste aus eigener Erfahrung, wovon sie sprach. Auf sich

Weitere Kostenlose Bücher