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Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
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allein gestellt, hatte er den Feind auf der Insel Lapak ausspioniert und zusammen mit seinen Kameraden auch noch Adak, Amchitka, Attu und Kiska. Er sprach selten über seine Abenteuer und nie über den Tod Captain Ruggles’, eines der feinsten Menschen, die er je gekannt hatte. Aber er hatte das Gefühl, dass er aus diesen Erfahrungen und aus den Jahren als Arbeiter in den Minen im tiefsten Alaska ein Wissen geschöpft hatte, was Alaska wirklich bedeutete und welche Kräfte es in sich barg. Er war für Souveränität. Männer wie er und sein Schwiegervater, der beim Bau des Alcan Highway mit angepackt hatte, und sein Schwager mit seinen Flugzeugen, sie alle hatten sich die Eigenstaatlichkeit für ihr Land verdient, und nicht nur das. Er beteiligte sich kaum an den öffentlichen Diskussionen, die jetzt überall im gesamten Territorium Alaska geführt wurden, aber wenn er nach seiner Meinung gefragt wurde, dann ließ er den Frager nicht im unklaren: »Ich bin dafür. Wir haben genug Verstand, um unsere Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen.«
    Als der Krieg zu Ende war und Friede auch in Matanuska einkehrte, brachte er im Leben der Eltern Flatch keine große Veränderung. Sie bewohnten noch immer ihr altes Blockhaus, und während der Zeit, als sie es sich mit LeRoy und seiner jungen Frau hatten teilen müssen, fühlten sie sich auch nicht allzu belästigt durch die Enge, denn meistens hielten sie sich draußen in der freien Natur auf. Da Mr. Flatch seine Tätigkeit als Führer von Jagdgesellschaften reicher Amerikaner aus Oregon oder Kalifornien nicht wiederaufnehmen konnte, war er dankbar, als Nate den Vorschlag machte, er könne diese Aufgabe für ihn übernehmen. Flossie dagegen legte scharfen Protest ein: »Ich will nichts mit Menschen zu tun haben, die Jagd auf Tiere machen.« Aber Nate sagte: »Du brauchst die Tiere nur zu füttern«, und ermunterte sie, ein Gehege auf ihrem Grundstück anzulegen für verwaiste und durch fahrlässige Schüsse verletzte Tiere.
     
    Die Person in Matanuska, die den Kampf um die Souveränität am konsequentesten focht, war Missy Peckham, die rüstige Fünfundsiebzigjährige, die im Ort geblieben war, weil mittlerweile viele ihrer Freunde dort lebten. Da niemand anders in der Gegend besser als sie dafür geeignet schien, hatte der Territorialgouverneur sie zur örtlichen Repräsentantin eines »Komitees für Souveränität« ernannt, dessen Aufgabe darin bestand, einmal die Unterstützung vor Ort selbst zu organisieren, aber auch Alaskas Position bei Versammlungen in den »Lower Forty Eight« zu vertreten. Für sehr viele bedeutet solch eine Nominierung nur ein Ehrenposten, der mit wenig Arbeit und schon gar nicht mit Engagement verbunden war, für Missy dagegen war es ein leidenschaftliches Anliegen, das die restlichen Jahre ihres Lebens ausfüllte. Sie hatte in der Schule des Lebens gelernt, und sie wusste , dass Souveränität keine Frage der Bevölkerungszahl, des Steueraufkommens oder strenger Gesetze war, sondern eine Angelegenheit des Herzens bleiben musste . Und ihr Herz hatte Feuer gefangen, denn sie hatte aus nächster Nähe erlebt, mit welchem Eifer sich die Matanuska- Siedler eine neue Welt errichtet hatten und mit welcher Energie Junge und Alte ihre Straße durch die Wildnis gebaut hatten. Sie wusste aus eigener Erfahrung, dass die Menschen in Alaska reif für die Souveränität waren und dass sie allein schon durch ihren Mut den Beweis ihrer Fähigkeit zur Selbstregierung erbracht hatten.
    Sie nahm also ihren Auftrag verdammt ernst und eignete sich über einen besonderen Aspekt der Problematik so viel Wissen an, dass sie zu einer Art Autorität auf diesem Gebiet wurde: der Lachsindustrie. Sie selbst hatte zwar nie in einer Lachskonservenfabrik gearbeitet, aber dadurch, dass sie lange in Juneau gelebt hatte, war sie mit sehr vielen derartigen Betrieben wie der Totem Cannery im Taku Inlet in Berührung gekommen, und aus ihren Erfahrungen sowohl mit den Besitzern in Seattle als auch den Arbeitern verfügte sie über solide Grundkenntnisse über diesen wichtigen Industriezweig. Wenn sie ihr Material zusammenstellte, konnte sie in ihren Redebeiträgen ein lebhaftes Bild der für Alaska untragbaren Situation zeichnen - wie etwa bei ihrer ersten Massenveranstaltung in Anchorage:
    »So sind die Fakten: Die Besitzer der Konservenfabriken waren immer nur reiche Männer aus Seattle, kaum einer aus Alaska. Sie stecken unter einer Decke mit den mächtigen

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