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Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
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Wirtschaftsinteressen in Washington und brauchten deshalb der Verwaltung Alaskas in den ganzen Jahren auch nicht einen Penny an Steuern zu zahlen. In den Sommermonaten importieren sie Arbeiter in unser Land, zahlen aber keine Steuern auf deren Löhne. Das heißt, doch! Sie zahlen fünf Dollar pro Kopf, fünf Dollar als eine Art Schulsteuer, aber wohl kaum so viel, wie sie eigentlich sollten, dafür, dass sie uns eines der wertvollsten Reichtümer - die Lachse - rauben. Was mich in Rage bringt und was Sie auch empören sollte, ist die Tatsache, dass sie mit ihren Fischreusen und Schaufelbaggern unsere Lachsbestände vernichten. Im Bundesstaat Washington und in Kanada sind diese grausamen Fangmethoden nicht erlaubt, und so vermehrt sich ihr Lachs auch Jahr um Jahr. Aber hier geht er zugrunde. Warum? Weil die Behörden schon immer unter der Kontrolle Seattles gestanden haben, nicht unter unserer Kontrolle. Weil wir kein Bundesstaat sind, weil wir keine Senatoren oder Kongressabgeordneten haben, die unsere Interessen wahrnehmen, die für uns kämpfen!«
    Diese Rede, es war ihre erste, dauerte eine Viertelstunde und hinterließ einen starken Eindruck, weil sie die zusammengetragenen Zahlen und Tatsachen, die gegen die augenblickliche Situation sprachen, mit großer Überzeugung vorgetragen hatte. Später, als engagierte Experten ihr noch mehr Detailinformationen lieferten, dauerte ihre Standardrede über die Lachsindustrie schon fast eine halbe Stunde, »eine Rede, die den Leuten ordentlich einheizt«, wie sich ein bewundernder Anhänger dieser Tribunin ausdrückte. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität - dieser zierlichen, kämpferisch lebhaften Frau mit ausgeprägter Redegabe - warnte sie sogar einer der Experten: »Missy, Ihre Rede besteht fast nur noch aus Zahlen und Fakten. Wenn Sie durch die Staaten reisen, dann müssen Sie die menschliche Seite stärker betonen!«
    Da sie nie auf einem Lachsboot oder in einem Fischereibetrieb gearbeitet hatte, war sie manchen ihrer Zuhörer gegenüber im Nachteil, aber durch Zufall erhielt sie Hilfe von einer Seite, von der sie sie nicht erwartet hätte. Eines Abends, als sie in Anchorage sprach, wo sich langsam eine starke Unterstützung für die Souveränität formierte, fiel ihr im Publikum eine gutgekleidete Frau auf, etwa Ende Vierzig, die sich immer vorbeugte, um auch ja keine der von Missy vorgebrachten Argumente zu versäumen. Ihr Anblick verwirrte Missy etwas, denn sie konnte nicht erkennen, welcher Volksgruppe ihre Zuhörerin wohl zuzurechnen war: Sie war auf keinen Fall europäischer Herkunft, aber gehörte bestimmt auch nicht zu den Eskimos oder Athapasken. Wahrscheinlich ist sie Aleutin, dachte sie, mit diesen Augen.
    Am Ende der Versammlung verließ die Fremde den Raum nicht zusammen mit dem Publikum, sondern blieb etwas abseits stehen, während sich ein paar Männer und Frauen nach vorne drängten und Missy zu ihrer bewegten Rede gratulierten. Als sich die Halle fast geleert hatte, trat sie vor, lächelte warmherzig und streckte ihre Hand aus: »Wir haben uns mal in Juneau kennengelernt, Mrs. Peckham. Damals hieß ich noch Tammy Ting, heute Tammy Venn.«
    »Sie sind Ah Tings kleine Tochter? Sam Bigears’ Enkelin?«
    »Ja. Ah Ting und Sam haben immer eine sehr hohe Meinung von Ihnen gehabt, Mrs. Peckham.«
    »Miss.« Und plötzlich, als hätte sie jemand beim Naschen erwischt, schlug sie die Hände vor den Mund und grinste. »Habe ich irgendetwas Schreckliches gesagt heute Abend ? Ich meine über die Venns?«
    »Nichts, was ich nicht auch sagen würde«, erwiderte Tammy, und dann sagte sie etwas, das die Freundschaft der beiden Frauen besiegelte: »Ich bin eine vehemente Befürworterin der Souveränität, Miss Peckham.«
    Missy starrte sie ungläubig an, diese reizenden, chinesisch-tlingitischen Züge, die ihrem Gesicht etwas Provozierendes verliehen, und mit einem mal beugte sie sich zu ihr und gab ihr einen Kuss . »Ich glaube, wir sollten uns einmal unterhalten«, sagte Missy, und dann machten sich beide auf den Weg zu Tammys Hotel, wo sie ein langes Gespräch führten: über den Lachs, die Konservenfabriken, über Ah Ting und Sam Bigears. »Was mich immer gestört hat«, sagte Tammy, »ist der Name meines Vaters, auf Englisch heißt er eigentlich Ah Ting, aber er hat sich Mr. Ting genannt und ich auch. Ich habe ihn einmal gefragt, warum, und er erklärte mir: › Mr. Ah dieses, Mr. Ah jenes. Hört sich an, als würde der andere gleich niesen. Mr. Ting ist kurz

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