Alles paletti
vorbei wäre und er nach New York zurückkehrte. Er versteht plötzlich, dass er keine Kraft für diese Arbeit hat. Er möchte vor allem nicht auf die ukrainischen Mafiosi stoßen, den König und die Prinzen des Nordens, deren Bilder sich in der Mappe auf dem Beifahrersitz befinden.
Er pfeift den »Titanic«-Song von Celine Dion, während er in den Parkplatz des Kasinos einbiegt. Er liest das Schild, »Willkommen im Kasino Gidag Bag«, mit dem großen Bild eines weißen Adlers.
Er dreht eine Runde auf dem Parkplatz. Kein blauer Lastwagen.
Drinnen herrscht kein sonderlich reger Betrieb. Ein paar Leute an den Slotmaschinen. Die Black-Jack- und Roulettetische sind bis auf einen oder zwei verwaist. Eine indianische Stewardess fragt ihn, ob er etwas trinken möchte. Er zieht seine Marke heraus und sagt: »Monty Cohen, FBI, könnte ich mit dem Geschäftsführer sprechen?«
Während er wartet, betrachtet er eine der Slotmaschinen aus der Nähe, auf der in großen Lettern die Aufschrift prangt: »Mega-Bucks is wild«. Die Zahl im oberen Display steigt stetig. In diesem Moment steht sie auf über sechsundzwanzig Millionen Dollar. Monty ist beeindruckt. Damit käme ich zurecht, denkt er sich. Er steckt eine Hand in die Tasche seines Jacketts und fischt einen Dollar heraus, wobei er sich fragt, ob er eigentlich während der Dienstzeit spielen darf. Die Summe auf der Anzeige wächst minütlich. Er wirft den Dollar ein und zieht am Griff.
Der leichte Widerstand des Griffs, das Rattern der Räder, das er in Gang setzt, und dann fangen die drei Räder an, vor Montys Augen zu wirbeln. Das rechte Rad bleibt stehen. Blaue Sieben. Beim mittleren gibt es ein einzelnes Rechteck, auf dem BAR steht. Das linke ist auch die blaue Sieben. Monty hört ein Klicken und danach das Prasseln fallender Münzen. Er hat gewonnen! Er klaubt die Münzen aus der Schale - acht Dollar. Nicht schlecht.
»Mister Cohen«, hört er eine Stimme zu seiner Rechten und dreht den Kopf. Ein großer Kerl mit Schnurrbart und glattem Haar. Mittelscheitel. Die Hand lächelnd ausgestreckt. »Ich freue mich, dass Sie sich bereits bei uns akklimatisiert haben. Sehr angenehm, ich bin Lou Sharp, der Servicedirektor im Kasino Weißer Adler der Sugar-Bush-Lac-Gruppe des Superior Chipewyan Lake.«
»Monty Cohen, Federal Investigations.« Er hasst es, seine Marke herzuzeigen wie in schlechten Filmen, doch er ist laut Gesetz dazu verpflichtet. Er betrachtet Lou Sharp. Sein Hals weist blaue Verfärbungen auf. Das Haar ist etwas zerzaust.
»Womit kann ich dienen?«
»Ich suche den Fahrer eines blauen Lastwagens mit der Aufschrift Sababa Moving and Storag’e, der einer israelischen Speditionsfirma aus New York gehört. Wir haben Hinweise erhalten, dass er vor einigen Stunden auf dem Parkplatz des Kasinos gesichtet worden ist.«
Ein dunkler Schatten gleitet über Lou Sharps Augen. »Ein blauer Lastwagen? Ähhh… nein, ich glaube nicht. Tut mir leid, Herr Cohen, aber …«
»Warum fragen Sie nicht die Angestellten, die am Parkplatz arbeiten, ob sie ihn gesehen haben?«
»Nein, nein, nicht nötig, ich habe schon alle gefragt …«, stößt Lou Sharp hervor.
»Sie haben schon alle gefragt? Gefragt, ob ein blauer Lastwagen draußen stand? Darf ich fragen, wozu?«
Der Blick aus Lou Sharps Augen ist hilflos. Er ist ein miserabler Schauspieler. Monty bemerkt: »Herr Sharp, Sie sehen verängstigt aus, ist alles in Ordnung?«
»Ja, ja, sicher.« Lou Sharps Augen irren nervös umher. Er streichelt seinen Hals an der Stelle der blauen Abdrücke. Monty wartet. Lou Sharp blickt zu Boden und sagt dann: »Kommen Sie mit.«
Lou Sharp betritt sein Büro im ersten Stock und hält sich nicht einmal damit auf, sich zu setzen. Monty solle die Tür schließen, sagt er hastig. »Hören Sie, ich weiß nicht, wie ich zu dieser Geschichte gekommen bin. Alles, was ich machen wollte, war, wie jeden Abend im Kasino zu arbeiten, ein paar Runden in der Halle zu drehen, die Papiere durchzugehen …«
»Was ist passiert, Herr Sharp?«, drängt Monty.
»Werdet ihr mich beschützen? Das heißt, wenn es Probleme und so was gibt? Vielleicht können Sie anrufen, um mir …«
»Herr Sharp«, unterbricht ihn Monty sanft, »äh … Lou, zuerst beruhigen Sie sich. Erzählen Sie mir, was passiert ist. Wenn Sie uns helfen, helfen auch wir Ihnen. Das verspreche ich.«
Eine der guten Eigenschaften Montys ist die Glaubwürdigkeit, die er immer ausstrahlt. Im Gegensatz zu anderen Ermittlern in seinem
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