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Amerika!: Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten (German Edition)

Amerika!: Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten (German Edition)

Titel: Amerika!: Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Geert Mak
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Ureinwohner, die sich von der Jagd, Fischerei und etwas Landwirtschaft ernährten. Die Kolonialmächte des 17. und 18. Jahrhunderts nahmen den Westrand Nordamerikas nur als Wildnis wahr, in der sie für sich keine Zukunft sahen. Die Region war für Europäer einfach zu schwer erreichbar.
    Eigenartigerweise brachte im 18. Jahrhundert einzig der Zarenhof in Sankt Petersburg nennenswertes Interesse für den Westrand des nordamerikanischen Kontinents auf. Während Westeuropäer über den Atlantik fuhren und auf dem »neuen« Kontinent nach Westen vordrangen, organisierten einige fortschrittliche russische Adlige Expeditionen in den Osten, in die entferntesten Regionen Sibiriens und weiter zur völlig unbekannten amerikanischen Nordwestküste.
    In den Jahren 1729 und 1741 wurden Forschungsreisen unternommen, bei denen unter anderem die nördlichen Küsten des Russischen Reiches und die Seewege nach Nordamerika und Japan erkundet werden sollten, beide unter Führung des dänischstämmigen Marineoffiziers Vitus Bering, nach dem die Beringstraße benannt ist, und seines Stellvertreters Alexei Tschirikow. Bei der sogenannten Zweiten Kamtschatka-Expedition entdeckten sie im Juli 1741 Alaska. Ihnen folgten Gruppen von Pelzjägern; 1784 wurde in Alaska die erste russische Siedlung gegründet. Auch hier breiteten sich die Europäer auf Kosten der Ureinwohner aus: Vom Volk der Aleuten war nach wenigen Jahren nur noch jeder Zehnte am Leben, die Übrigen waren Hunger, Krankheiten und Waffengewalt zum Opfer gefallen.
    Die Russen haben ihre amerikanischen Abenteuer lange geheim gehalten. Erst 1760 erfuhr der spanische Gesandte in Sankt Petersburg von Berings Expeditionen und verständigte umgehend seine Regierung. In Madrid verursachte die Nachricht große Aufregung: Obwohl kein Spanier jemals den Westen des nordamerikanischen Kontinents nördlich von Baja California betreten hatte, betrachtete der spanische König die gesamte Westküste als seinen Besitz. Zur gleichen Zeit wurde berichtet, dass britische Pelzhändler sich von Osten her immer weiter in Richtung Pazifik wagten. Es bestand die Gefahr, dass sowohl die Russen als auch die Briten bald vor den nordwestlichen Toren Mexikos auftauchen würden, damals noch Vizekönigreich Neuspanien genannt. Das wollten die Spanier um jeden Preis verhindern.
    Zu diesem Zweck sollte eine Expedition nach Alta California unternommen werden, also in das Gebiet des heutigen amerikanischen Bundesstaates Kalifornien. Da sich kaum genug Spanier auf ein derart gefährliches Unternehmen einlassen wollten, kam man auf die Idee, Franziskaner und Dominikaner in das unerforschte Land zu schicken. Sie sollten überall Missionsstationen gründen und die Indianer zum christlichen Glauben bekehren. So hoffte man das Gebiet ohne allzu große Mühe und mit relativ wenigen Menschen für die spanische Krone erhalten zu können. Hauptmann Gaspar de Portolà i Rovira sollte die Expedition führen; er hatte außerdem den Auftrag, die besten natürlichen Häfen zu finden und zu sichern.
    Anfang 1769 begaben sich zwei Gruppen zu Land und zwei zur See auf den Weg nach Norden. Im Juli wurde die erste Missionsstation gegründet, San Diego de Alcalá; eine Gruppe zog weiter nach Norden, um unter anderem die schon von einem spanischen Seefahrer beschriebene Bucht von Monterey zu suchen, die man aber wegen des herrschenden Nebels zunächst nicht erkannte. 1770 wurden auch dort eine Missionsstation und Befestigungsanlagen errichtet. Im Herbst 1769 hatte Portolàs Gruppe auf dem weiteren Weg nach Norden einen ausgezeichneten natürlichen Hafen in einer großen, fast ganz von Hügeln umschlossenen Bucht entdeckt; sieben Jahre später wurde dort eine Missionsstation mit dem Namen San Francisco de Asís gegründet. Schon vor 1769 waren mehrmals spanische Schiffe an dieser Bucht vorbeigefahren, aber die Seeleute hatten die relativ schmale Einfahrt, die Golden Gate, wegen des häufigen Nebels immer übersehen.
    Die Anfänge der spanischen Kolonisierung waren bescheiden: Noch um 1774 bestand die gesamte europäische Bevölkerung Kaliforniens aus nicht mehr als hundertachtzig Menschen. Doch im Lauf der Jahre wurden immer mehr Missionsstationen gegründet, alle dreißig Meilen eine, das entsprach einem Tagesritt zu Pferd. Viele von ihnen sind erhalten. Im Herzen von San Francisco steht noch heute die schlichte, weiß gestrichene Kapelle der Mission San Francisco de Asís, auch Mission Dolores genannt; zwischen den Bürotürmen des

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