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Anna Karenina

Anna Karenina

Titel: Anna Karenina Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Lew Tolstoi
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die
    besten Ehegatten; Gott wird sie beide richten, uns steht das nicht zu. Und war es etwa nicht dieselbe Sache bei
    Birjusowski mit Frau Awenjewa ... und auch bei Nikandrow und Frau Mamonowa, und bei Wasiljew und Lisa Neptunowa?
    Und da hat doch niemand darüber geredet; und das Ende war schließlich, daß sie überall wieder empfangen wurden. Und
    dann, c'est un intérieur si joli, si comme il faut. Tout à fait à l'anglaise. On se réunit le matin au breakfast et
    puis on se sépare. 1 Jeder tut bis zum Abendessen,
    was er will. Abendessen um sieben Uhr. Stiwa hat sehr recht daran getan, daß er dich hergeschickt hat. Er muß zu
    ihnen halten. Du weißt doch, daß Wronski durch seine Mutter und seinen Bruder alles erreichen kann. Und dann tun
    sie auch sehr viel Gutes. Hat er dir von seinem Krankenhause erzählt? Ça sera admirable 2 ... es kommt alles aus Paris.«
    Das Gespräch der beiden Damen wurde durch Anna unterbrochen, die die Herren alle zusammen im Billardzimmer
    gefunden hatte und nun mit ihnen auf die Terrasse zurückkehrte. Bis zum Essen war noch viel Zeit, das Wetter war
    prachtvoll, und daher wurden mehrere Mittel verschiedener Art in Vorschlag gebracht, um die noch übrigen zwei
    Stunden auszufüllen. Mittel, die Zeit hinzubringen, gab es in Wosdwischenskoje in großer Menge, und sie waren alle
    von anderer Art als die in Pokrowskoje üblichen.
    »Une partie de lawn-tennis? 3 « schlug Weslowski
    mit seinem hübschen Lächeln vor. »Ich spiele wieder mit Ihnen, Anna Arkadjewna.«
    »Nein, dazu ist es zu heiß. Wir wollen lieber einen kleinen Spaziergang im Garten machen und dann Kahn fahren;
    wir müssen doch Darja Alexandrowna unsere Ufer zeigen«, schlug Wronski vor.
    »Ich bin mit allem einverstanden«, erklärte Swijaschski.
    »Ich denke, es wird Dolly am angenehmsten sein, einen kleinen Spaziergang zu machen, nicht wahr? Und dann können
    wir ja Kahn fahren«, meinte Anna.
    Hierfür entschied man sich. Weslowski und Tuschkewitsch gingen nach dem Badehäuschen und versprachen, dort den
    Kahn in Bereitschaft zu setzen und auf die übrigen zu warten.
    Sie gingen in zwei Paaren auf einem Gartenwege: Anna mit Swijaschski und Dolly mit Wronski. Dolly war etwas
    verlegen und befangen infolge der ihr völlig neuen Umwelt, in die sie hineingeraten war. Vom Standpunkt
    allgemeinerer Betrachtung aus entschuldigte sie Annas Handlungsweise nicht nur, sondern billigte sie sogar. Wie das
    Frauen von tadelloser Sittlichkeit, durch die Einförmigkeit des sittlichen Lebens ermüdet, überhaupt nicht selten
    tun, hatte sie aus der Entfernung nicht nur nachsichtig über die verbrecherische Liebe geurteilt, sondern sogar
    einen gewissen Neid empfunden. Außerdem war sie ihrer Schwägerin Anna von ganzem Herzen zugetan. Aber als sie sie
    nun im wirklichen Leben inmitten dieser ihr fremden Menschen erblickte, die sich eines ihr neuen gesellschaftlichen
    Tones bedienten, da wurde ihr denn doch unbehaglich zumute. Besonders unangenehm war es ihr, zu sehen, wie die
    Prinzessin Warwara zum Dank für die wirtschaftlichen Vorteile, die sie genoß, den beiden alles verzieh.
    Und wenn Dolly auch im allgemeinen, theoretisch, Annas Handlungsweise billigte, so war es ihr doch unangenehm,
    den Mann zu sehen, um dessentwillen sie so gehandelt hatte. Außerdem hatte Wronski ihr niemals gefallen. Sie hielt
    ihn für sehr stolz und sah doch an ihm nichts, worauf er hätte stolz sein dürfen, mit Ausnahme seines Reichtums.
    Aber gegen ihren Willen machte er Eindruck auf sie, hier bei sich zu Hause, mehr als früher, und sie vermochte in
    seiner Gesellschaft nicht unbefangen zu sein. Sie hatte vor ihm eine ähnliche Empfindung wie vor der Kammerjungfer
    wegen der Nachtjacke. Wie sie sich bei der Kammerjungfer wegen der geflickten Nachtjacke zwar nicht eigentlich
    geschämt, aber doch unbehaglich gefühlt hatte, so bei Wronski wegen ihres eigenen Ich.
    Dolly suchte in ihrer Verlegenheit nach einem Gesprächsstoff. Sie glaubte zwar, daß ihm bei seinem Stolz ein Lob
    seines Hauses und Gartens unangenehm sein werde; aber da sie keinen anderen Gegenstand fand, so sagte sie doch zu
    ihm, sein Haus habe ihr sehr gefallen.
    »Ja, es ist ein sehr schönes Gebäude, und in gutem altem Stil«, antwortete er.
    »Besonders hat mir der Hof vor dem Tor gefallen. War der von jeher so?«
    »O nein«, erwiderte er, und sein Gesicht leuchtete auf vor Freude. »Wenn Sie diesen Hof in diesem Frühjahr
    gesehen hätten!«
    Und er begann, zuerst mit

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