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Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
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Fall, dass meine Eltern dich danach fragen, damit du weißt, was du sagen musst.«
    Ich schüttelte den Kopf.
    »Es hat angefangen, kurz nachdem ihr bei uns zu arbeiten begonnen habt. Anfangs waren es nur kleine Beträge, und wir dachten, es seien Fehler in der Buchführung, aber in letzter Zeit wurde es immer mehr. Über hundert Dollar allein vergangene Woche.«
    Er beobachtete mich, wartete auf meine Antwort, und als ich schwieg, sagte er: »Ich weiß, dass du es nicht warst. Du würdest so etwas nicht tun.«
    »Eve genauso wenig.« Das war eine Lüge, das war mir vollkommen klar. Weil ich es doch gewusst hatte, oder? Weil ein Teil von mir es gewusst haben musste.
    »Es tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, wie ich es dir sagen sollte. Daddy hat mich neulich darauf angesprochen, und ich hatte Angst, er würde zu dir gehen. Ich wollte bloß sicherstellen, dass ich vorher mit dir rede.«
    »Es muss irgendein Fehler sein.«
    Justin sah mir mit einem Ausdruck in die Augen, den ich nicht deuten konnte. Es ging noch um etwas anderes, um etwas, das er mir verschwieg.
    Ich wandte mich ab. »Ich weiß nicht«, sagte ich. »Es könnte
eingebrochen worden sein, oder jemand hat nicht bezahlt, was er hätte zahlen sollen.«
    »Kerry …«
    »Du weißt es nicht!« Ohne zurückzublicken, sprang ich von dem Felsblock und lief die steile Treppe hinauf.
    Doch als ich außer Atem oben angekommen war und zurückblickte, sah ich, dass er nicht einmal versucht hatte, mir zu folgen. Aber genau das will man doch, wenn man wegläuft. Ich war sicher, Justin wusste das. Aber wenn ja, war es ihm offensichtlich egal.
     
    Die Füße gegen die Wand gestemmt und den Kopf über die Bettkante gehängt, lag ich da und wartete. Als die Haustür ins Schloss fiel, richtete ich mich auf und zündete mir schnell eine Zigarette an. Ich stützte mich auf den Ellbogen auf und versuchte, eine gleichgültige Miene aufzusetzen.
    Als Eve hereinkam, zog sie die Augenbrauen hoch. »Was machst du da, warum bist du noch wach?«
    Ich zuckte die Achseln. »Ich denke bloß nach.« Ich zog an der Zigarette. Der Rauch brannte mir in der Kehle, ich bemühte mich, nicht zu würgen, und hatte das Gefühl, mich gleich übergeben zu müssen.
    »Gott, Kerry, seit wann rauchst du denn?«
    Ich zuckte die Achseln und tat so, als würde ich einen weiteren Zug nehmen. Wie Leute davon süchtig werden konnten, war mir ein Rätsel.
    Eve machte mit dem Kopf ein Zeichen auf die Aschespuren im Bett. »Ich denke, du brauchst einen Aschenbecher.«
    »Richtig.« Ich griff nach dem Handspiegel und schnippte die Asche darauf ab. »Möchtest du auch eine?«

    »Rauchen ist schlecht für die Lunge.« Eve griff in ihre Tasche und zog ein Bündel Geldscheine heraus. »Bevor ich’s vergesse, leg das für die Miete nächsten Monat zurück. Ich hatte zufällig’ne Glückssträhne.«
    Das Geld der Caines? Ich betastete die Scheine, einen Fünfziger und sechs Zwanziger. Monatelang hatten wir Almosen in braunen Umschlägen bekommen, die anonym auf unserer Schwelle abgelegt wurden. Und damit hatte ich mir den Geldsegen erklären können, weil ich mir vorstellte, wie unsere Nachbarn Eve Scheine in die Hand drückten. »Nur eine Kleinigkeit«, hätten sie gesagt, eine Summe, die allerdings jeden Monat größer wurde. Aber wie viele Inselbewohner konnten so viel Geld erübrigen? Keinen einzigen unserer Bekannten hätte es gekümmert, ob wir pleite waren.
    Eve zog ihre Bluse aus und griff in den Rollschrank. Ich ließ meinen Blick über ihren Körper gleiten und bewunderte ihre Schulterlinie, die anmutige Biegung ihres Halses. Sie trug einen scharlachroten Bügel-BH, den ich nicht kannte und der ihre Brüste wie Kugeln hochpresste, als hätte sie sich den Busen operieren lassen.
    Ich seufzte. »Gott, ich glaub, ich hab zu viel getrunken.«
    Sie starrte mich an. »Die brave kleine Kerry hat getrunken?«
    »Sehr witzig.« Ich deutete auf den Abfallkorb, dessen Inhalt ich aus der Tonne der Caines gestohlen hatte. Wenn es nach der Anzahl von Flaschen darin gegangen wäre, hätte ich inzwischen tot sein müssen. »Justin und ich, aber ich glaube, ich hatte mehr als er. Solange wir getrunken haben, hat’s Spaß gemacht, aber jetzt bringt mich mein Kopfweh um.«
    »Nimm ein Aspirin«, sagte Eve und sah mich mit seltsamem Ausdruck an. »Das hilft, und eine Menge Wasser dazu. Himmel, Kerry, was ist denn in dich gefahren?«

    »Nichts.« Ich legte mich auf dem Bett zurück, überkreuzte die Beine und sah zur

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