Auf ewig und einen Tag - Roman
Decke.
»Die brave kleine Kerry ist eine Säuferin geworden. Wer hätte das gedacht?« Sie zuckte die Achseln. »Vielleicht nehme ich doch eine Zigarette.«
»Bedien dich.« Ich schob Eves Geld unter die Decke, damit ich es nicht sehen musste, dann starrte ich auf die rote Glut meiner Zigarette, die sich durch das schwarz gewordene Papier fraß. Es war eigentlich hübsch, wenn man nicht an die krebserregende Wirkung dachte. Ich räusperte mich. »Also, wo bist du gewesen?«
Eve grinste und setzte sich neben mich aufs Bett. »Ich war bei diesem Typen.«
Ich zog an meiner Zigarette und behielt den Rauch im Mund, bis mir die Augen tränten, dann stieß ich ihn aus. »Wirklich?«, fragte ich.
»Ich glaube, es könnte was daraus werden, Ker, wirklich. Gott, er ist umwerfend. Wie ein Filmstar, so umwerfend.«
Ich umarmte sie schnell und überlegte, wen sie wohl meinen könnte. »Ist er von hier?«
»Er ist vollkommen anders als Brad. Das war nur eine Affäre, aber das jetzt …« Sie schüttelte den Kopf. »Ich glaube, er hat sich bereits verliebt. Weißt du, es ist so: Wenn ich ihn kriegen kann, dann kann ich eigentlich jeden kriegen. Aber wenn ich bei ihm bin, denke ich ständig, wer weiß, vielleicht will ich gar keinen anderen mehr.«
»Also, wie wär’s: zwanzig Fragen? Ist es jemand, den ich kenne?«
»Ich glaube schon. Ja, du kennst ihn.« Sie sah mich an. »Ich kann’s dir noch nicht sagen, ja? Das wäre ihm nicht recht.«
»Ist es dir peinlich oder was?«
Mit einem seltsamen Gesichtsausdruck stieß sie aus dem Mundwinkel einen langen Rauchkringel aus. »Hör zu, ich sag es dir schon noch, aber jetzt ist es einfach noch zu früh.«
»Tier, Pflanze oder Mineral?«
Eve drückte ihre Zigarette auf dem Spiegel aus und stand auf. »Weißt du was, Ker, du kümmerst dich um deine Angelegenheiten und ich mich um meine.«
»Also, entschuldige bitte«, antwortete ich und drückte meine Zigarette ebenfalls aus. »Es ist dir peinlich, nicht?«
»Leb dein eigenes Leben, Kerry. Wenn du ein eigenes Leben hättest, bräuchtest du dich nicht ständig an mich zu hängen.«
Ich wurde puterrot. »Ich weiß, dass du den Caines Geld geklaut hast.«
Eve erstarrte. »Was?«
»Justin hat mir gesagt, dass in der Werkstatt Geld fehlt. Mein Gott, Eve, wie konntest du nur? Nach allem, was sie für uns getan haben?«
»Du bist ja völlig irre. Wie kommst du darauf, mich zu beschuldigen?«
»Offensichtlich nicht so irre wie du.«
Eve verdrehte die Augen. »Werd endlich erwachsen.«
»Nein, werd du erwachsen. Die Caines werden dich rauswerfen deswegen, und wie zum Teufel sollen wir dann die Miete bezahlen? Dann kannst du nämlich nichts mehr in der Werkstatt klauen, stimmt’s? Ziemliches Eigentor, oder?«
»Was genau hat Justin gesagt?«
»Er lässt dich einlochen.«
»Kerry …«
»Hör zu, er ist sich noch nicht mal sicher, dass du es warst. Er
weiß bloß, dass Geld fehlt und seine Eltern einen Verdacht haben, aber ich glaube, dass sie sich Scheuklappen aufsetzen, weil der Gedanke, wir könnten sie bestehlen, so schrecklich ist, dass sie sich das gar nicht vorstellen möchten.«
Eve war rot geworden. Sie blieb einen Moment stehen, das Gesicht in Richtung Gang gewandt. »Also vertrauen sie mir mehr als meine eigene Schwester«, sagte sie schließlich.
»Das kommt daher, weil ich dich besser kenne.«
»Geh zum Teufel.« Ihre Stimme klang unsicher. Sie schluckte so laut, dass ich es hören konnte.
Ich hatte gleichzeitig den Drang, sie in die Arme zu nehmen und ihr eine runterzuhauen. Sie drehte sich um und ging hinaus, und ich lächelte breit, um den brennenden Schmerz in meinem Innern nicht spüren zu müssen. Es funktionierte. Als Eve zurückkam, fühlte ich überhaupt nichts mehr, nicht einmal Ärger. Sie hätte genauso gut eine Fremde sein können, die in meinem Zimmer schlief, jemand, mit dem ich mich abgefunden hatte, bis sie irgendwo anders unterkam.
Damals fing es wirklich an, in jener Nacht, als ich erfuhr, wer ihr geheimnisvoller Liebhaber war. Alles andere war nur Vorgeplänkel, aber das war der erste kleine Big Bang. Es gibt solche Momente, denke ich, wenn das Leben eine Wendung macht und es kein Zurück mehr gibt.
Eve war gleich nach dem Abendessen gegangen, die vierte Nacht in dieser Woche, die sie weg war, und nachdem ich eine Stunde auf dieselbe chemische Formel gestarrt hatte und mir die Buchstaben vorsagte, als wären sie Worte, beschloss ich, die hallende Leere des Hauses hinter mir zu
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