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Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
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Stimme klang verzweifelt und kindlich, als bettelte ich darum, schaukeln zu dürfen. Eve war in den letzten Wochen sichtlich schwächer geworden, ihr war wieder übel, und allein der Weg vom Schlafzimmer ins Bad reichte aus, um sie zu erschöpfen. Dennoch bestand sie nach wie vor darauf, alles selbst zu machen.
    Sie hielt mit dem Rollstuhl vor einem Schaufenster an und rang offensichtlich nach Atem, tat aber so, als interessiere sie sich für eine Gruppe mit Flitter besetzter Barbie-Puppen, die in eher nicht jugendfreien Posen aufgereiht waren. Gillian streichelte Eves Schulter. »Möchtest du eine Tablette? Ich glaube, du solltest ihr lieber eine Tablette geben.«
    Ich griff in meine Tasche, aber Eve winkte ab. »Ich hasse bloß diesen Rollstuhl«, sagte sie. »Dieses Gefährt macht mich hilflos wie eine Eiserne Lunge oder dieser Apparat für Kehlkopflose, bei dem die Stimme wie ein rostiger Computer klingt. Dieses Ding ist einfach zu beschissen auf Hochglanz poliert.«
    »Mom!«, sagte Gillian.
    Eve sah Gillian an und zuckte die Achseln. »Hör zu, machen wir uns nichts vor, Gillian. Ich finde, die nützlichsten Wörter in der englischen Sprache sind verflucht, Scheiße und Arschloch. Am besten bring ich sie dir jetzt gleich bei, weil sie für den Rest deines Lebens von außerordentlichem Nutzen sein werden, wie du feststellen wirst.«

    Gillian sah Eve mit aufgerissenen Augen an und lächelte dann verstohlen.
    Ich tippte auf ein Rad. »Wir könnten den Rollstuhl ja ein bisschen aufmotzen, wenn du möchtest. Das wäre doch lustig, Gillian? Wir könnten Bänder durch die Speichen ziehen.«
    »Das wäre … verdammt scheißlustig«, sagte Gillian errötend. Eine alte Frau mit einem blumengeschmückten Strohhut blieb stehen und starrte Gillian missbilligend an, und Gillian begann zu lachen.
    Eve zog eine Grimasse. »Scheiße. Das wäre ungefähr so aufmunternd, wie wenn du einen künstlichen Darmausgang hättest und den Beutel mit Tupfen bemalen würdest.« Immer noch nach Luft ringend, umklammerte sie die Armlehnen. »Also los, schieb mich. Wir gehen zurück.« Sie sah zuerst Gillan, dann mich an. »Arschloch«, fügte sie hinzu.
    Ich grinste, kehrte mit dem Rollstuhl um, und wir gingen durch die Straßen nach Hause. Die Leute vom Festland waren schon da, hauptsächlich Tagesausflügler, die zum Einkaufen kamen und in der kalten Maiflut herumwateten. Ein kleines Mädchen mit rundem Bauch starrte uns ungeniert an und strich sich mit einer nassen Haarsträhne über die Lippen. Zuerst dachte ich, sie staunte über unsere Ähnlichkeit, aber dann streckte ihr Gillian die Zunge heraus, und ich bemerkte, was Gillian schon wusste, dass sie tatsächlich Eve anstarrte. In dem Moment fiel mir auf, dass die Leute bewusst unseren Blicken auswichen und so taten, als suchten sie etwas in ihren Taschen oder studierten die Risse im Gehsteig. Ich funkelte sie an und hoffte, sie spürten meinen bohrenden Blick im Rücken. Wir drei gegen den Rest der Welt.
    Als wir uns dem Sumpf nicht weit von unserem Haus näherten,
streckte Eve den Arm aus. »Halt an. Das ist gut.« Sie ließ sich aus dem Rollstuhl auf die Knie gleiten.
    »Mom? Mommy!« Gillian packte Eve an der Bluse und versuchte, sie zu halten, damit sie nicht vornüberkippte, und ich beeilte mich, ihr wieder in den Stuhl zu helfen. Aber Eve lachte und stieß uns weg. In beiden Händen hielt sie einen Schlammklumpen.
    »Das tust du nicht«, sagte ich.
    »Wetten doch?« Sie schmierte die Hände über die Räder.
    »Das tust du nicht!«
    Eve steckte die Hände in den Morast und schmierte Schlamm über die Fußstützen. Ich sah eine Weile zu, dann beugte ich mich hinunter und warf eine Handvoll gegen die Rückenlehne. Gillian starrte uns an, als wären wir komplett übergeschnappt, aber dann hielt ihr Eve einen Schlammklumpen hin. Gillian sah ihn einen Moment an, griff dann danach, schleuderte ihn halbherzig fort, und er landete einen halben Meter entfernt auf dem Boden.
    »Hat dir in den zwölf Jahren, die du bei uns bist, etwa keiner beigebracht, wie man richtig wirft?«, fragte Eve.
    Gillian stieß ein hechelndes Lachen aus, nahm eine weitere Handvoll Schlamm und warf ihn gegen den Sitz.
    Eve klatschte ihr auf den Rücken und jubelte laut auf. Und wir alle griffen nach mehr, unsere Hände steckten im Schlamm, unsere Finger glitschten gegeneinander, Schlamm klebte an unseren Ellbogen, und unser Lachen fühlte sich an wie Wut, wie Weinen.
    »Warte!«, sagte ich und zog ein Büschel

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