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Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
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Süßgras heraus. Als ich die Halme durch die Speichen flocht, landete ein Klumpen Schlamm auf meiner Stirn. Ich starrte Eve an.

    Sie kniff die Augen zusammen und schleuderte mir eine weitere Handvoll auf die Nase.
    Die Augen tränten mir wegen des Kälteschocks. Ich wischte den Schlamm aus den Augen, sah sie an und schmierte ihr dann langsam die Finger über die Wangen. Mit wütendem Blick stieß sie mich weg und schleuderte mit beiden Händen Schlamm auf mich. Gillian hielt den Atem an. »Hör auf«, sagte sie. »Hör auf, okay? Tante Kerry, hör auf!«
    Der Schlamm klebte an meiner Stirn, an meinen Wimpern hingen braune Tränen. In meinem Mund war Sand, mein Bauch tat weh, wirklich weh, aber ich griff nach mehr, dann erstarrte ich.
    Eve atmete schwer, die Hände flach auf den Boden gelegt. »Lass gut sein«, sagte sie. »Lass gut sein.«
    Ich schüttelte den Kopf.
    »Es tut mir leid, ja?« Sie beobachtete mich.
    Ich schüttelte erneut den Kopf und starrte auf die vertrockneten Grasränder hinab. Und sah es.
    Berts und Georgias Haus. Wie alt waren wir? Noch nicht alt, ganz und gar nicht. Noch klein genug, um Sandkuchen zu backen. Noch klein genug, um eine Mutter zu haben.
    Sie saß auf den Verandastufen, eine ungelesene Vogue auf den Knien. Wir brachten ihr Sandkuchen in einer Puddingform, sie steckte den Finger hinein und tat so, als würde sie kauen, und ihre Augen strahlten so sehr, dass sie kaum mehr wie Mommys Augen aussahen.
    »Mein Lieblingskuchen!«, sagte sie lachend, als sie auf den überwucherten Rasen hinausschlenderte. An einer Pfütze fiel sie auf die Knie und füllte die Hände mit Schlick. »Ein bisschen Schoko-Mousse, Eve?«, fragte sie und sprang auf, um Eve den Schlamm ins Haar zu schmieren.

    Eve quiekte und versteckte sich hinter mir, und Mommy erhob sich, holte nach hinten aus und traf mich an der Brust. Ich warf, sie warfen, überall war Schlamm, er klebte an unseren Körpern und spritzte auf Mommys abgeschnittene Jeans. Ich lief zu ihr hin, sie wirbelte mich im Kreis herum und drückte mich an die Brust. Und dann stellte sie mich ab. Sie starrte in die Ferne, auf Berts und Georgias Haus. Ich drehte mich um.
    »Du«, sagte Georgia.
    Eve kam zögernd an meine Seite.
    »Er hat es mir gerade gesagt«, zischte Georgia.
    Mom ging auf sie zu, wich dann wieder zurück und stieß ein seltsam schnaubendes Lachen aus.
    »Du Mörderin.« Georgias Hände zitterten. »Ich wusste, dass du nichts taugst. Das hab ich gleich gesehen. Du taugst nichts.«
    Ich blickte Eve an. Mit bleichen Lippen beobachtete sie unsere Mutter. Und unsere Mutter, die Augen vor Abscheu zusammengekniffen, lächelte Georgia an, füllte sich dann die Hände mit Schlamm und warf.
    Ich stützte mich jetzt auf die Griffe des Rollstuhls, und Bilder schossen mir durch den Kopf, klar und zweidimensional wie eine Reihe von Stillleben. Die wilde Raserei im Blick meiner Mutter, eine Hand, die meinem Vater ins Gesicht schlug, und dann die blutverschmierten Laken, die wässrig rötliche Brühe, die über Arbeitsflächen verschmiert war und dann den Küchenabfluss hinuntergurgelte. Ich schob den Rollstuhl zu Eve hinüber. »Wir gehen heim«, sagte ich.
    »Hör zu, ich hab doch gesagt, dass es mir leidtut«, erklärte Eve.
    Ich schüttelte den Kopf. »Ist schon gut.«
    »Ich wollte dir nicht wehtun.«

    »Ich sagte doch, dass es gut ist.« Ich sah Gillian an, die vor uns zurückwich, als wären wir ansteckend, dann wandte ich mich wieder zu Eve um. »Kann ich dich was fragen? Was weißt du noch von Mom? Ich meine, irgendwas Bestimmtes, was sie falsch gemacht haben könnte?«
    Eve kämmte sich Schlamm aus den Haaren und warf ihn auf den Boden. »Wie kommst du denn plötzlich darauf?«
    »Mir kam gerade dieses Bild von ihr und Georgia. Und mir fiel ein, dass Georgia sie gehasst hat, und ich würde gern wissen, warum.«
    »Bei den paar Dingen, die wir über die beiden wissen? Ich würde sagen, das ist wohl kaum verwunderlich.« Sie lächelte knapp und zuckte die Achseln. »Ich erinnere mich in erster Linie daran, dass sie fortgegangen ist. Das ist es, was zählt.«
    »Aber warum ist sie fortgegangen?«
    »Spielt das eine Rolle? Hör zu, Kerry, du weißt doch, wie mein Leben ausgesehen hat, oder? Ich hatte Eltern, die mich verlassen haben, und Großeltern, die ich verlassen habe, ich habe dich verloren, und jetzt verliere ich alles andere auch. Sie ist bloß die Erste in einer langen Reihe des Scheiterns.« Sie setzte sich wieder in den

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