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Aurum und Argentum (2) - Die magischen Avatare (German Edition)

Aurum und Argentum (2) - Die magischen Avatare (German Edition)

Titel: Aurum und Argentum (2) - Die magischen Avatare (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Saskia V. Burmeister
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schoss es dem Smaragddrachen durch den Kopf, als er versuchte seinem Bruder auf die Beine zu helfen. „Was hast du dir dabei nur gedacht? In so einer Wüste wird es nachts immer tierisch kalt!“
    „Aber ich habe doch mein Fell“, ächzte Leon und konnte nur mit Mühe gerade stehen, „du hast nur Schuppen.“
    „Besondere Schuppen“, widersprach Drac’o und zückte den Stärkungstrank, der allerdings nicht so schnell und gründlich half wie sonst. „Wir Drachen sind keine normalen wechselwarmen Echsen, die vor Kälte erstarren. Wir sind gleichwarm, genau wie du und unsere Schuppen schützen uns vor Feuer, aber auch vor Unterkühlung, im Gegensatz zu deiner Zweibeinerhaut.“
    „Mir geht es bestens“, knirschte Leon, „und ich verstehe nur die Hälfte von dem, was du sagst.“
    Leicht resigniert ließ Drac’o den Kopf hängen. „Das soll heißen, dass mir die Kälte nichts anhaben kann, dir schon.“
    „Ein richtiger Kentaur steckt das weg.“ Seine glühende Stirn äußerte sich in einer anderen Sprache. Als wäre eine Unterkühlung nicht schlimm genug, kam auch noch eine Erkältung dazu. Geschäftig wühlte Drac’o in seiner Taschenapotheke und förderte Beutel mit azurblauen Rosmarinzweigen, zitronengelben Blättern, pinkfarbenen Rosenblättern, purpurnen Orchideenblüten, violetten Brunnenkressen und giftgrünem Ginkgo daraus hervor.
    „Da muss doch noch mehr sein!“, er ließ Leon noch einmal vom Stärkungstonikum trinken, doch zeigte es kaum noch eine Wirkung, sein Durst war gestern einfach zu groß gewesen.
    Endlich hatte der Drache gefunden, was er suchte, ein orangefarbenes Gänseblümchen. Es sollte Unterkühlungen kurieren, Fiebersenkend wirken und Erkältungen abschwächen, so war es zumindest auf dem entsprechenden Säckchen zu lesen. Daneben stand jedoch, dass es nur besonders gut wirkte in Kombination mit einer ausgewogenen Mahlzeit und viel Flüssigkeit. Auch als aufgebrühter Tee sollte es Wunder wirken. „Ein Versuch macht klug“, grollte Drac’o und Leon aß ihm zuliebe das furchtbar bittere Medikament. „Je bitterer die Medizin, desto besser wirkt sie.“ In diesem Fall bewahrheitete sich diese Weisheit allerdings nicht, im Gegenteil, nun wurde Leon auch noch ganz schwummerig. Auf die Frage, ob er laufen könne, nickte er trotzdem, streifte sein Hemd wieder über, Drac’o nahm ihn an der Hand und marschierte der Nase nach los.
    „Ich kann unsere Truppe schon riechen!“, schwindelte er nicht sehr gekonnt, Leon nahm es ihm trotzdem ab und setzte tapfer einen Huf vor den anderen. Jeder Schritt fiel ihm schwerer als der davor. Immer wieder überkam ihn ein heftiges Zittern, sodass sie oft pausieren mussten. Drac’o nutzte die Zeit um sich in die Luft zu erheben und Ausschau zu halten, doch er sah stets nur Dünen aus Sand, die bis zum Horizont reichten.
    „Bestimmt suchen sie auch und kommen uns entgegen“, hauchte er als sie schon eine halbe Ewigkeit unterwegs zu seien schienen, obwohl die Sonne noch nicht einmal den Zenit erreicht hatte. Seine eigene Kehle war auch schon ganz trocken. „Es ist nicht mehr weit“, glaubte er, während die Abstände zwischen ihren Pausen immer kürzer wurden. Mit glasigem Ausdruck in den Augen nickte sein Bruder. In der Ferne erhob sich ein Brummen und Donnern, zuerst glaubte Drac’o, der Sandsturm käme zurück, doch die Geräusche näherten sich nicht.
    „Spielt hier draußen eine Kapelle?“, wunderte sich Leon, wohlmöglich war es ein Engelchor, der ihn zu sich rief. Erschüttert starrte der Jungdrache ihn an:
    „Das ist alles meine Schuld!“ Verzweifelt blickte er zu den hohen roten Dünen, die einfach kein Ende nehmen wollten.
    „Ich vermisse meinen behaglichen Stall und die Abende, an denen du aus Märchen und Geschichten vorgelesen hast.“ Nun steckten sie selbst mitten im Abenteuer ihres Lebens. War es nur so weit gekommen, weil sich ein kleiner Drache stets gewünscht hatte, die weite Welt zu bereisen? Hatte Morgana sie nur auserwählt, um einem dummen Jungen seine Träume zu erfüllen?
    „Ich wollte doch nie jemanden gefährden“, Drac’o stiegen die Tränen in die Augen, „wenn jemand krank sein sollte, dann ich.“
    Leon war schon zu schwach um zu widersprechen, sein Blick entrückte sich, als in der flimmernden Luft eine Hütte erschien. „Wir sind wieder zu Hause!“ Für Drac’o völlig unvorbereitet machte er einen Satz nach vorn, bog um eine Düne, folgte dem sich entfernenden Stall, stolperte und stürzte. Ein

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