Auschwitz - Taeter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde: Ein Personenlexikon
über ihre Ankunft am 5.9.1944 aus Westerbork: »Der äußere Ablauf der Selektion war so, daß wir an Mengele vorbeimarschieren mußten und M. durch Handbewegung entschied, ob der oder die Betreffende nach rechts oder links zu gehen hatte. Was das bedeutete, war uns damals nicht klar. Es wurde auch bekanntgegeben, daß diejenigen, die sich zu schlapp fühlten, mit Fahrzeugen, es wurde von Omnibussen gesprochen, weggefahren würden. Ich selbst wurde in die Richtung nach rechts selektiert, und von erfahrenen Häftlingen wurde ich ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ich ja nicht nach links gehen sollte.« Q.: MV, Bd. 16.
Krist, Franz
SS -Sturmmann
* 3.8.1919. Kommandanturbefehl Nr. 24/43: »Besuch des Bruders v. 13.–14.6.43«. Verbleib unbekannt.
Krist, Wilhelm
SS -Hauptscharführer
* 28.8.1908 Pudlau, heute Pudlov/Tschechien. Sohn eines Drahtarbeiters. Kaufmännische Lehre. April 1941 bis Dezember 1942 Spieß der Wachtruppe in Ravensbrück. Danach Spieß der 4. Kompanie des SS-Totenkopf-Sturmbanns KL Auschwitz (etwa 120 Mann). Krist: »Die Aufgabe der Wachkompanie war das Stellen der großen Postenkette bei Tag und das Besetzen der Wachtürme am Hauptlager.« Auch an der Rampe eingesetzt. Herbst 1944 Kriegsverdienstkreuz II. Klasse . Nach 1945 Angestellter in Stuttgart. Krist: »[Es] war damals bei der SS allgemein bekannt, daß in Birkenau in den Krematorien Häftlinge vergast und verbrannt wurden. Man konnte von Auschwitz aus die Schornsteine der Krematorien in Birkenau und auch den schwarzen Rauch sehen. Außerdem konnte man bei entsprechendem Wind den Geruch wahrnehmen.« Q.: AV, Bl. 6896ff.
Kristan, Bernhard
Politische Abteilung ( PA ), Lager-Gestapo
* 12.4.1921 Gerdauen in Ostpreußen. SS-Unterscharführer. Zeitweise Leiter des Standesamts der PA. Kommandanturbefehl Nr. 24/41: (zusätzlich) verantwortlich für die SS-Bücherei. Standortbefehl v. 14.7.1944: »Jeder SS-Angehörige erhält nur 1 Buch.« Häftlingsdolmetscherin Kagan über Erschießungen im Alten Krematorium (AV, Bl. 3151): »Bei seiner Rückkehr wirkte er immer freudig erregt.« † Vermißt seit 13.3.1945 bei Königsberg. – Pery Broad über die Erschießung von jeweils zehn Häftlingen im Alten Krematorium : »Die zehn Gefangenen betreten nackt den Raum. Die Wände sind mit Blut besudelt. Im Hintergrund liegen die bereits Erschossenen. Ein breiter Blutstrom zieht sich zu dem Abfluß in der Mitte der Halle. Ihre Füße färben sich rot vom Blut, in dem sie stehen. Manch einer erkennt mit einem Aufschrei unter den teilweise röchelnd Daliegenden einen nahen Verwandten, vielleicht den Vater.«
Kröger, Emil
SS -Rottenführer
* 31.7.1904 Hastenbeck. Ab Oktober 1944 in Auschwitz, Wachmannschaft Monowitz. 1948 in Krakau zu 6 Jahren Haft verurteilt (LaV).
Krömer, Adolf
Leiter der SS -Apotheke
* 19.5.1890 Roben b. Leobschütz. SS-Sturmbannführer (1943). Ab 20.11.1941 in Auschwitz. Das LG Frankfurt im Urteil gegen Burger: »Die Apotheke stellte die für die Gaslieferungen eingehenden Rechnungen als sachlich richtig fest, was zur Voraussetzung hat, daß sie die Lieferungen vorher kontrollierte.« Beteiligt an Selektionen auf der Rampe. Standortbefehl vom 15.9.1943: Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern (das KVK für KZ-Angehörige läßt Beteiligung an Tötungen vermuten). Jan Sikorski, Häftlingsapotheker, Nr. 18612 (AV, Bl. 5539): »Krömer war schon ein älterer Herr. Er war katholisch. Ich kann mich daran erinnern, daß er gesagt hat, die Juden hätten kein Recht zu leben.« † 17.2.1944 Lazarett in Auschwitz.
Kroh, Ernst
SS -Unterscharführer ( 1942 )
* 7.8.1910 Fischern b. Karlsbad. 1942/43 Blockführer Block 11, genannt Todesblock. Erschoß Häftlinge an der Schwarzen Wand . † Vom AG Groß-Gerau 1953 für tot erklärt. Broad über die Erschießungen: »Ein ausgesucht starker Gefangener des Reinigungspersonals bringt im Laufschritt die ersten beiden Opfer. Er hält sie an den Oberarmen fest und drückt sie mit dem Gesicht gegen die Wand. Obwohl diese wandelnden Skelette, von denen manch einer monatelang in den stinkenden Kellerzellen sein Dasein fristete, wie man es keinem Tier zumuten würde, kaum noch auf den Beinen stehen können, rufen viele von ihnen in dieser letzten Sekunde ›Es lebe Polen‹ oder ›Es lebe die Freiheit!‹ Der Henkersknecht beeilt sich dann jedesmal mit dem Genickschuß.«
Kroth, Otto
SS -Rottenführer
* 18.12.1912 Mittelseemen. SS-Totenkopf-Sturmbann.
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