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Azulamar: Der Erbe von Atlantis (German Edition)

Azulamar: Der Erbe von Atlantis (German Edition)

Titel: Azulamar: Der Erbe von Atlantis (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah-Janina Hannemann
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für unsere Väter, die ihr Leben schon vor so langer Zeit verloren. Ich bitte dich. Nein, ich flehe dich an …« Sie trat um mich herum, stellte sich vor mich und nahm meine Wangen in ihre weichen, warmen Hände.
    Das Blau ihrer Augen drang zu mir herauf; es war unerbittlich und unnachgiebig. Erschüttert musste ich feststellen, dass sich in ihren Wimpern Tränen verfangen hatten. Natürlich versuchte Paradise, sie wegzublinzeln, doch es war zu spät.
    Ob es nun eine Taktik gewesen war, um mich dazu zu bringen, für Azulamar zu kämpfen, weiß ich nicht, wenn ja, dann wirkte sie jedenfalls.
    Ich drückte meine Cousine, die in meinem Herzen viel mehr als eine Schwester war, an mich und streichelte über ihr langes Haar.
    Ich kam mir auf ein Mal schrecklich selbstsüchtig vor. War ich das, nur weil ich Ashlyn retten wollte? Nur weil ich krampfhaft versuchte, die Frau zu befreien, die ich mehr liebte als mein Leben?
    Oh, es war so eine Ironie! Ich hatte sie verabscheut, weil sie als Familienmitglied der Aames auch noch so schön, so intelligent, so beharrlich gewesen war. Die selbstverständliche Arroganz, die sie in jeden ihrer Schritte legte, hatte mich fast wahnsinnig gemacht. Immer, wenn ich mich im gleichen Raum wie sie aufhielt, wollte ich sie ansehen, nur ein einziges Mal durch ihr Haar fahren – und wäre trotzdem am liebsten davongerannt, so wenig konnte ich sie leiden.
    Dann kam der Unfall. Oder nein, eher der Anschlag von Ludovic Meyers. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das Auto stürzen sah. Mir war es, als könnte ich ihren Schrei hören. Danach gab es kein Zurück mehr, auch wenn ich das nicht einsehen wollte.
    Ich hatte mich in sie verliebt.
    »Versprich mir, dass du nicht aufgibst.«
    »Ich verspreche es«, antwortete ich.
    Paradise blickte auf.
    »Was hast du gesagt?«
    »Ich sagte ›Ich verspreche es‹.«
    »Was versprichst du?«
    Ich runzelte die Stirn. »Du hast doch gerade gesagt, ich solle dir versprechen, dass ich nicht aufgebe«, erwiderte ich verwirrt.
    »Nein«, sagte Paradise. »Ich habe gar nichts gesagt.«
    Zerstreut entließ ich sie aus der Umarmung und wandte mich wieder dem Meer zu, von wo nun Dracion und Elomir kamen.
    Ich sah sie gar nicht richtig.
    »Versprich mir, dass du nicht aufgibst.«
    Ein plötzliches Lächeln huschte über meine müden Züge, als die nächste, große Welle heranrollte.
    Ich verspreche es, Ashlyn.

    Die Stunden verstrichen quälend langsam. Ich kauerte in einer Ecke des Zimmers, das Kinn auf die Knie gelegt, die Arme um die angewinkelten Beine geschlungen. Meine Wange schmerzte, mein Kopf schmerzte, alles schmerzte.
    Die Kälte um mich herum war unerträglich.
    Ich hatte geglaubt, als Wasserflüsterin würde ich diese Kälte überhaupt nicht spüren können, aber jetzt, wo ich ungefähr vierundzwanzig Stunden unter Wasser war, bestätigte sich diese Annahme nicht.
    Es wurde dunkel um mich herum, doch ich sah nicht auf. Ich wollte nicht zur Oberfläche aufblicken und das letzte Tageslicht schwinden sehen. Es genügte schon, dass der kühle, nüchterne, sternenartige Glanz der Gebäude zu mir drang.
    Meine Gedanken waren nur noch Worte, die sich immer wieder wiederholten. Ich sprach sie leise für mich selbst, im gleichen Rhythmus, als wollte ich eine Beschwörungsformel anwenden.
    River, ich brauche dich. River, ich liebe dich. River, ich bitte dich, hilf mir. River, ich brauche dich.
    Je öfter ich seinen Namen für mich nannte, je öfter ich mir sein Bild vor Augen holte, desto mehr bekam ich das Gefühl, er wäre wirklich ganz in der Nähe. Diese Hoffnung durfte ich einfach nicht verlieren! Er musste kommen, er
musste
! Meine Arme waren schwer wie Blei, die Müdigkeit raubte mir jegliche Kräfte.
    Nur für diese Gedanken hatte ich noch genügend Energie.
    Langsam registrierte ich, dass meine Fingerknöchel zitterten. Rasch verkrampfte ich sie, um das Beben zu unterdrücken.
    Gleichzeitig tauchte ein anderes Gefühl in mir auf. Ich ließ es stärker werden, bis es mich beinahe ganz ausfüllte – dann verstand ich. Es war nicht mein eigenes Gefühl, keine Emotion, die aus mir selbst stammte, sondern eines von Alastair. Ich spürte tiefe Selbstzufriedenheit und auch den Willen zur Zerstörung. Diese Kombination flößte mir Angst ein.
    War es, weil ich Alastairs Lachen hören konnte, als stünde er neben mir?
    War es, weil seine Drohungen mir gegenüber immer noch in meinen Ohren klangen? Was immer es auch war, Alastair war gut gelaunt. Und er

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