BACCARA EXKLUSIV Band 52
unten an der Straße, die am Fluss entlangführte, und Lane konnte nur hoffen, dass Peggy Ashbury, Dianas neunzehnjährige Tochter, mit der Menschenmenge zurechtkam. Im Laden hatte sie sich sehr gut bewährt, und Lane war froh, dass sie sie angestellt hatte.
Aber jetzt wurde es Zeit, dass sie nach Hause kam.
„Hallo!“
Lane blieb stehen und fuhr herum. „Tyler! Ich habe dich gar nicht im Theater gesehen.“
„Ich war hinter der Bühne und habe die Kulissen geschoben.“
Ein Millionär als Kulissenschieber. Unwillkürlich musste sie lächeln. Tyler war so ganz anders als die Männer, mit denen sie früher ausgegangen war. Geld und eine gehobene gesellschaftliche Stellung schienen keinen Eindruck auf ihn zu machen, was wirklich selten war, wie sie zugestehen musste. Er war überall, wo man Hilfe brauchte, und scheute sich nicht, selbst mit anzupacken.
Er grinste sie an und wischte sich die Hände ab. „Ich weiß, das hört sich jetzt richtig nach Tanzstunde an, aber darf ich dich nach Hause bringen?“
Sie lachte leise und schob die Hände tief in die Manteltaschen. „Warum nicht?“
Sie gingen schweigend nebeneinander her. Dann sagte er: „Ich habe dich neulich am Ufer joggen sehen.“
„Ich muss doch was für meine Figur tun.“
„Wer hätte gedacht, dass unter all den Sachen …“
„Wie meinst du das?“
„Als ich dich sah, hattest du nur Leggings und ein Sweatshirt an, Lane.“ Er stieß einen leisen anerkennenden Pfiff aus.
„Es war doch viel zu dunkel, um etwas sehen zu können.“ Genau aus diesem Grund lief sie immer abends.
Sie hatte recht, aber es machte ihm Spaß, sie zu verunsichern. „Ich bin ein Mann und habe für hübsche Frauen eine Antenne. Außerdem habe ich ein Fernglas.“
Lane lachte laut los. Was für ein warmes, natürliches Lachen, dachte Tyler. Und dann ihr exquisites Parfüm. Es passte so gar nicht zu ihrer eher altjüngferlichen Aufmachung, dem festen kleinen Knoten und der runden Brille, die ihr immer auf die Nase rutschte. Die Frau, die er am Ufer hatte joggen sehen, wirkte modern und sportlich.
„Du bist ganz anders, als du zu sein vorgibst“, sagte er plötzlich.
Ihr blieb fast das Herz stehen. „Wieso?“, brachte sie mit Mühe heraus.
Er kam näher. „Kuss eins und zwei zum Beispiel.“
„Du zählst die Küsse?“
„Allerdings. Und ich hoffe, es werden noch ein paar mehr.“
„Du bist unglaublich.“
Er griff nach ihrer Hand, und sie entzog sie ihm nicht.
„Unglaublich attraktiv? Davon ist zumindest meine Mutter überzeugt.“
„Du bist unglaublich stur und hartnäckig. Und ein Träumer.“
„Solange du mich nicht für arrogant, hässlich und nervig hältst, bin ich ganz zufrieden.“ Tyler drückte ihr die Hand, ließ sie aber nicht los. „Träume zu haben ist nicht das Schlechteste. Träumst du nie?“
„Doch.“ Von einem ganz normalen Leben. „ Aber ich habe alles, was ich mir wünsche.“ Warum fiel sie dann hin und wieder in ein schwarzes Loch? Dass sie ihr wahres Selbst verbergen musste, war manchmal schwer zu ertragen.
„Und die Mauer, die du um dich errichtet hast? Ist das auch etwas, was du dir wünschst?“
Sie warf ihm einen prüfenden Blick von der Seite her zu und versuchte, ihm die Hand zu entziehen. Aber er hielt sie eisern fest und blieb mitten auf dem Bürgersteig stehen.
„Wer hat dir wehgetan, Lane?“
Sie wich seinem Blick aus. „Das ist nicht wichtig.“
Er hob ihr Kinn an und zwang sie, ihn anzusehen. „Doch, für mich schon.“
Sie kannte Tyler gut genug, um zu wissen, dass er nicht so schnell aufgeben würde. „Da du mich jetzt sicher den ganzen Nachhauseweg lang damit quälen wirst, kann ich es auch gleich sagen. Der Mann, mit dem ich befreundet war und dem ich vertraute, hat mich betrogen.“ Er hat mich ausgenutzt und hat gesagt, er liebt mich. Und als ich herausgefunden hatte, dass der Fotograf Richard Damon in Wirklichkeit der Jour nalist Dan Jacobs war, hat er alles, was ich ihm anvertraut hatte über unsere Liebe, über meine Familie, meine Freunde und meine Träume zu einer Zeitungsstory verarbeitet, sodass es die ganze Welt lesen konnte.
„In welcher Weise?“
„Die Einzelheiten sind unwichtig. Ich habe ihn geliebt und ihm vertraut, und er hat meine Gefühle in der schlimmsten Weise missbraucht.“ Und handelte sie Tyler gegenüber nicht ähnlich, indem sie ihn belog und Ausflüchte gebrauchte? Aber sie hatte gute Gründe dafür, denn wenn ihre Identität aufgedeckt würde, würde er in
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