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Back to Blood

Back to Blood

Titel: Back to Blood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Wolfe
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dürfen in einem magischen Markt, der aus nichts als heißer Luft besteht. Was um Himmels willen ist denn diese sogenannte Kunst, für die sie auf der Miami Basel ein Vermögen aufrufen? Moderne Kunst ist Imagination ohne Hand werk. Dann wendet sie sich bescheiden, ja schüchtern an ihren Tischnachbarn und fragt, »Wer, sagten Sie, hat das noch mal gesagt?« Mit Schaudern nimmt sie wahr, dass die gesamte Tischgesellschaft verstummt ist. Sie hat weder Maurice’ Namen noch den des Künstlers genannt, dessen Arbeiten er gekauft hat … noch den von Marilynn Carr, seiner künstlerischen Beraterin, aber Maurice und Norman sind nicht dumm.
    Sie wirft ihnen einen kurzen Blick zu. Beide schauen perplex, als hätte man ihnen ohne Grund auf die Nase geschlagen. Und doch kann sie nicht … aufhören … nicht in Anwesenheit von Sergej und ihrem neuen Freund, Mr. Strauss. Ihr fällt nur eine Lösung ein … das Thema zu wechseln … weg von den künstlerischen Beratern, hin zum Eröffnungstag der Miami Basel, zu der irrsinnigen Balgerei der Reichen, von denen sich jeder als Erster auf die Exponate stürzen wollte, die zu mögen man ihnen geraten hatte. Im Verlauf dieser kleinen klatschsüchtigen Abhandlung flicht sie immer wieder beschwichtigende Kommentare ein, zum Beispiel, »Natürlich ist nicht jeder Kunstsammler so« oder »Manche künstlerische Berater sind natürlich absolut ehrenhaft — das ist mir schon klar«, aber es ist zu spät. Fleischmann weiß, dass es in dieser pikanten Geschichte um ihn geht. Und Norman weiß es auch. Er wird fuchsteufelswild werden. Norman glaubt, sich im Kielwasser von Maurice’ Erfolg gesellschaftliches Ansehen verschaffen zu können — und was macht seine eigene Angestellte, eine Krankenschwester? … sie sabotiert ihn nach Kräften.
    Sergej strahlt. Er ist hundertprozentig ihrer Meinung, in jedem Punkt. Das war sensationell! Sie war sensationell!
    Obwohl sie seinen Namen kein einziges Mal erwähnt hat, muss sie wegen dem, was sie gerade über Maurice gesagt hat, den Rest des Dinners schmorend in Schuld und Scham ertragen. Schwester Clotas Mädchen begehen nie solchen Verrat. Sie fühlt sich so schuldig, dass sie die gierige Aufmerksamkeit gar nicht genießen kann, die ihr nun von jedem an ihrem Ende des Tisches zuteilwird. Eine Frage nach der anderen! Was für eine interessante junge Frau! Und … Allein der Gedanke, was wir dachten, als wir sie zum ersten Mal gesehen haben!
    Die Aufmerksamkeit macht alles nur noch schlimmer. Schuld! Schuld! Schuld! Schuld! Wie hatte sie das Maurice nur antun können? Norman wird außer sich sein … zu recht!
    Sobald das Dinner beendet ist, steht sie auf, geht lächelnd auf Sergej zu und streckt die Hand aus, als wollte sie sich bei ihm bedanken … was für ein Anblick: das Abbild des höflichen, angemessen dankbaren Gastes.
    Und Sergej war das Abbild des liebenswürdigen Gastgebers. Er umschloss die dargebotene Hand mit beiden Händen … und sagte mit vollendet schicklichem Lächeln und vollendet höflichem Gesichtsausdruck, ganz so, als hielte er sich streng ans Protokoll:
    »Wie kann ich Sie erreichen?«

14
    Mädchen mit grünen Schwänzen
    Der angebliche Tummelplatz für Igor Drukowitschs angebliche Sexspielchen war das Honey Pot, das letzte Gebäude in einer heruntergekommenen Ladenzeile in einer unscheinbaren Seitenstraße der Collins Avenue in Sunny Isles, wo Miami Beach ins Festland übergeht. Es sah aus, als wäre es ursprünglich ein Lagerhaus gewesen … groß, trist, gesichtslos, nur ein Stockwerk hoch. Aber davor stand ein blendend grelles, von hinten angestrahltes Plastikschild … ein gewaltiges Ding … mindestens sieben Meter breit … mit leuchtend blutorangenen, von roten und gelben Neonröhren eingefassten Buchstaben: THE HONEY POT . Diese reißerische Inszenierung war auf einen frei stehenden Eisenmast montiert, der etwa vier Stockwerke hoch war. Bei Dunkelheit konnte niemand über die Collins Avenue fahren, ohne es anzugaffen:
    THE HONEY POT
    Das Schild war riesig riesig riesig leuchtend leuchtend leuchtend grell grell grell, aber es befand sich auch mehr als zehn Meter über dem Boden. Zu dem etwa ein Dutzend Männern, die darunter vor dem Eingang des Klubs standen, drang nur wenig mehr als das trübe elektrische Schimmern, das wie überall im Nachtleben von Greater Miami die Straßen beherrschte. Und zwar als ein Hauch von ekligem Orangeadegelb, der von oben die weißen Gesichter einfärbte …
    Nestor musste an ungesund

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