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Back to Blood

Back to Blood

Titel: Back to Blood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Wolfe
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Fahrrinne meldeten … irgendein Idiot mit einem Zigarettenboot, der durch waghalsige Manöver andere Boote in seinem Kielwasser fast zum Kentern brachte … ein paar Besoffene, die draußen in der Bucht Flaschen und Müll ins Wasser warfen … das war die Ausbeute der Nacht, nichts war so ernst, dass es Nestor von seinen großen Sorgen hätte ablenken können … und als sie wieder in die Marina zurückkehrten, hatte Nestor damit begonnen seine Nöte aufzurechnen, aufzurechnen, aufzurechnen …
    … und das Bild des vor ihm liegenden Parkplatzes der Marina entsprach exakt dem Ergebnis — Trostlosigkeit. Jetzt um Mitternacht war mindestens ein Drittel des Parkplatzes leer. Die Laternen erhellten so gut wie gar nichts. Sie produzierten das schwächste mechanische Dämmerlicht, das man sich vorstellen konnte. Die Palmen, die den Parkplatz säumten, waren kaum zu erkennnen. Lediglich ein paar flaue schwarze Umrisse. Von den Autos waren weniger deren Umrisse als vielmehr einige schwache dämmrige Spiegelungen auszumachen … auf einer Windschutzscheibe hier, einem Chromteil da … einem Seitenspiegel dort … einer Felge da drüben … schwache schwache Spiegelungen von schwachem schwachem Licht … Bei Nestors gegenwärtiger Gemütsverfassung war das schlimmer als gar kein Licht … das war Licht in seiner vergammelten Form …
    Er ging auf seinen Camaro zu … warum? … wo wollte er hin, wo sollte er die Nacht verbringen?
    Er konnte den Camaro nur deshalb erkennen, weil er genau wusste, wo er stand. Er ging aus reiner Gewohnheit auf ihn zu. Und was dann? Er musste irgendwohin, wo er sich ausstrecken und zehn Stunden lang richtig durchschlafen konnte. Er konnte sich nicht erinnern, jemals in seinem Leben so müde und leer gewesen zu sein … ausgebrannt, ausgetrocknet, erledigt … aber wo sollte er hin, um diesen heilenden Schlaf zu bekommen? Den ganzen Abend hatte er Freunde angerufen und nach einem Platz zum Schlafen gefragt, sogar Leute, die er schon seit der Zeit auf der Hialeah High nicht mehr gesehen hatte, aber immer Fehlanzeige. Die Antworten waren alle wie die von Jesús Gonzalo, seinem besten Kumpel aus der Ringermannschaft. »Ähhh, tja, eigentlich schon, aber wie lange denn, nur heute Nacht, oder? — weil nämlich mein Cousin Ramón — der ist aus New Jersey — der ist wahrscheinlich morgen in der Stadt, und ich hab ihm gesagt —«
    Seine Freunde! Stimmt schon, in den letzten drei Jahren waren seine Freunde fast immer andere Cops gewesen, weil nur andere Cops verstehen konnten, was einem im Kopf herumging, was man zu tun hatte, worüber man sich Sorgen machte. Außerdem hatte man einen Elitestatus. Man musste Gefahren trotzen, die seine alten Freunde sich nicht vorstellen konnten. Sie konnten sich nicht vorstellen, was es erforderte, den Cop Blick aufzusetzen und auf der Straße Menschen herumzukommandieren … Egal, die Nachricht über das, was er getan hatte, war offensichtlich in die gesamte kubanische Gemeinde eingesickert wie Gas. Also gut. Er würde einen der jüngeren Cops aus seiner Schicht fragen. In der Umkleide hatte er die letzte halbe Stunde die Gelegenheit dazu gehabt … hatte die ganze Nacht jede Menge Gelegenheiten gehabt … aber er hatte es nicht über sich gebracht! Auch sie hatten das Gas eingeatmet! Seine eigene Familie hatte ihn aus seinem Elternhaus geworfen … diese Demütigung! Ein Motel? Für einen Jungen aus Hialeah war diese Lösung nicht mal vorstellbar. So viel Geld, nur um über Nacht im Dunkeln ein Kissen unter dem Kopf zu haben? Cristy? Sie war auf seiner Seite. Aber könnte er sich dann zurückhalten? Okay, was haben wir … da war immer noch der Camaro. In seinem Wagen konnte er immer pennen. Er versuchte es sich vorzustellen … Wie zum Teufel sollte er sich in einem Camaro in der Horizontalen ausstrecken? Da musste man ein Kind oder ein Schlangenmensch sein … die zweite schlaflose Nacht in Folge … das wäre alles, was dabei herauskäme.
    Ich lebe jetzt … nirgendwo … Ich gehöre nirgendwo hin . Wieder schoss ihm die Frage durch den Kopf: Existiere ich? Die ersten Male, als ihm die Frage durch den Kopf geschossen war, hatte ein Hauch Selbstmitleid mitgeschwungen. Bei den nächsten Malen war es ein Hauch morbider Humor gewesen. Und jetzt … ein Hauch Panik. Ich gehe wie immer nach Schichtende zu meinem Wagen … und ich habe keine Ahnung, wohin ich fahren soll! Er blieb abrupt stehen. Sag mir jetzt ehrlich … Existiere ich?
    »Officer Camacho! Hey! Hier

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