Back to Blood
Straße! … hatte ihm einen Platz zum Übernachten angeboten … und sogar den ganzen Morgen gewartet, bis er ausgeschlafen hatte … und fuhr ihn jetzt zu seinem Wagen zurück. Seine Angst davor, was dieser große blasse periodista americano über ihn schreiben würde, begann sich zu legen. Yo no creo en el Miami Herald! … aber John Smith hatte recht damit, dass die, die die Macht hatten, seine Geschichte … seine Karriere … sein Leben! ganz nach Belieben verdrehen würden, solange er keine Stimme hatte, die für ihn sprach … und wenn es die Seiten des Yo No Creo En El Herald sein mussten.
»John«, sagte er — und hielt dann inne, weil er von sich selbst überrascht war. Er hatte ihn noch nie mit seinem Vornamen angesprochen, eigentlich mit gar keinem Namen. »Ich möchte Ihnen für alles danken. Gestern Abend nach der Schicht — ich meine, da war ich so am Arsch — ich war … ich war so beschissen drauf wie noch nie in meinem Leben. Sie haben einen gut bei mir, mehr als einen. Wenn ich irgendwas für Sie tun kann, sagen Sie’s einfach.«
John Smith sagte nichts. Zuerst schaute er ihn nicht mal an. Er schaute weiter geradeaus auf die Straße, als er ihm schließlich antwortete. »Da gibt es tatsächlich was. Aber ich dachte, das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Sie haben ja jetzt erst mal genug Stoff zum Nachdenken.«
»Nein, nein, raus damit. Wenn ich etwas für Sie tun kann, gerne.«
Nach einer weiteren langen Pause drehte John Smith den Kopf zu Nestor. »Nun ja … ich brauche Zugang zu Polizeiakten« — er schaute wieder auf die Straße, dann wieder zu Nestor — »es geht um Informationen über einen bestimmten Mann, der in Sunny Isles lebt.«
»Wer ist der Mann? Wie heißt er?«, fragte Nestor.
»Hmm …«, sagte John Smith. »Außer mit meinen Redakteuren habe ich darüber noch mit niemandem gesprochen. Aber wenn ich mich nicht irre, steckt da eine große Geschichte drin. Der Name ist Sergej Koroljow. Klingelt da was?«
»Hmmmm … nein.«
»Erinnern Sie sich nicht an diesen russischen Oligarchen — so haben sie ihn immer genannt, den russischen Oligarchen — diesen Russen, der dem Miami Museum of Art einen Haufen wertvoller Gemälde überlassen hat? Ist noch gar nicht so lange her … Bilder von Chagall und Kandinsky und ähhh von diesem russischen ›Suprematisten‹, wie er sich selbst bezeichnet hat … der Name fällt mir gerade nicht ein, jedenfalls ein berühmter moderner Künstler. Egal, jedenfalls hat das Museum diese Gemälde auf knapp siebzig Millionen Dollar geschätzt — Malewitsch! So hieß der Bursche! — der sich selbst einen Suprematisten genannt hat … Kasimir Malewitsch. Pures Gold, das Museum hat gleich seinen Namen geändert, es heißt jetzt Koroljow Museum of Art.«
Nestor schaute John Smith lange und ratlos an. Er hatte dem americano seit der Sekunde nicht mehr folgen können, als er von diesem Schakal oder wie der hieß … und Kandinsky und Malewitsch … und dann auch noch vom Koroljow Museum of Art angefangen hatte.
»Der Punkt ist der«, sagte John Smith. »Ich habe einen sehr zuverlässigen Hinweis bekommen, dass das alles Fälschungen sind, das ganze Siebzig-Millionen-Dollar-Paket.«
»Ohne Scheiß?«
»Ja, meine Quelle ist zuverlässig. Das ist nicht der Typ, der einem Klatschgeschichten auftischt.«
»Hat das Museum Geld für die Bilder bezahlt?«
»Nein, das ist ja das Komische. Das war eine Schenkung, hundert Prozent. Für unseren Oligarchen sind dabei nur ein Dinner und jede Menge Lobhudeleien abgefallen.« Seine Vorstellungskraft ließ nach. »Mierda« , sagte Nestor. »Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt ein Verbrechen ist, wenn er kein Geld bekommen hat. Da muss ich mich erst erkundigen.«
»Das weiß ich auch nicht«, sagte John Smith. »Wie auch immer, das ist eine Wahnsinnsgeschichte. Ich meine, alle waren da, Bürgermeister, Gouverneur, Maurice Fleischmann, jedes hohe Tier von Miami, und alle versuchen sich gegenseitig zu überbieten mit ihrem Lob für einen Hochstapler. Das erinnert mich an das Theaterstück von Gogol, Der Revisor . Haben Sie das jemals — egal, ist jedenfalls ein klasse Stück.«
::::::Nein, das hab ich nicht jemals — mein blasser americano …:::::: Aber sein Groll verpuffte schnell. Er war ein seltenes Exemplar, dieser John Smith. Nie zuvor hatte Nestor instinktiv gespürt, dass jemand so anders war als er. Der Bursche hatte keine einzige Latinofaser im Leib. Auch als Cop konnte er ihn sich
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