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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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wer
du
bist!«
    Kompromissloser Wille verwandelte sein Gegenüber in eine gehorsame Marionette.
    »Dr. Joseph Sisko«, leierte der Mann, der jetzt aufrecht auf der Liege saß.
    »Ein Arzt?«, Sardon schüttelte den Kopf. Nicht, weil er Siskos Aufrichtigkeit in Zweifel zog, sondern weil er sich fragte, was diese Antwort bedeutete. Er streckte die Hand aus und berührte den Hageren. Sein Finger zeichnete eine Linie über die Wange des Mannes. Die Haut platzte auf. Blut von aufreizender Farbe und Konsistenz quoll hervor.
    In Sardons Schädel zündete eine kleine kalte Explosion. Das Lebenselixier, das in den Adern dieses Mannes wie im Körper eines jeden atmenden Menschen kreiste, ließ ihn den eigentlichen Grund seines Kommens vergessen. Sofort gruben sich seine Klauen ins Schlüsselbein des Arztes und zerrten ihn hoch. Vampirzähne wucherten über sinnlich-verdorbene Lippen, und dann – jenseits des klaren Verstandes – biss der Gesandte des Teufels zu.
    Nicht einmal das durch den Raum spritzende Blut des Hypnotisierten vermochte Sardon zu stoppen oder auch nur zu ernüchtern. Versunken in einem Rausch, gegen den er nur halbherzig ankämpfte, ließ er das warme, prickelnde Blut durch seine Kehle rinnen.
    Die Schritte im Hintergrund überhörte er in der Ekstase. Erst der
Schrei
ließ ihn wieder halbwegs zur Besinnung finden.
    »Oh, neeeiiiinnn...!«
    Der Siechende entglitt tödlich verletzt Sardons Fingern, die sich reflexartig spreizten und ihn freigaben.
    Als Gabriels Bote herumwirbelte, erblickte er die merkwürdigste Frau, die jemals seinen Weg gekreuzt hatte. Ihre Figur war bei weitem nicht perfekt, aber akzeptabel, und ihre blauschwarzen Haare waren schön, wunderschön. Die Augen leuchteten in einem satten Azur, und die Bräune ihrer faltenlos glatten Haut verlieh der unbekannten Schönen zusätzliche Rasse.
    Absonderlich war eigentlich nur eines an ihr: ihre Kleidung – oder das, was sie wie Kleidung
trug
. Auf den ersten Blick erinnerte es an ein bis zu den Knien hinab verlängertes, mittelalterliches Kettenhemd. Erst bei genauerem Hinsehen wurde Sardon klar, dass es sich nicht aus Eisengliedern zusammenfügte, sondern aus überaus kunstvoll miteinander verbundenen Knochen. Auch die Schädel kleinerer Tiere waren filigran eingearbeitet.
    »Wie konntest du ihn mir wegnehmen, du...?«, Ihr anklagender Blick nagelte Sardon förmlich an der Stelle fest.
    Und dann, einen Atemzug später, veränderte sich seine Umgebung radikal!
    Die Kulisse – denn mehr schien es nie gewesen zu sein – verblasste. Wo eben noch hübsch gemusterte Tapeten geklebt hatten, ersetzte nun verwittertes Gestein, in dessen Fugen Spinnen und Käfer wohnten, die verflogene Sauberkeit. Auch sämtliches Inventar verschwand. Die Feste Ophit offenbarte, was sie wirklich war: dem schleichenden Zerfall und Untergang preisgegeben...
     
     
    Der hagere Mann lag immer noch dort, wo Sardon ihn hatte fallen gelassen. Inzwischen musste sein Herz aufgehört haben zu schlagen.
    »Verdammter Blutsauger!«, schnarrte die fremde Frau mit einer Stimme, hart und schneidend wie ein Diamant. »Ich weiß nicht,
wie
du hierher gefunden hast und warum. Aber dafür wirst du mir -«
    »Übernimm dich nicht.« Sardon machte einen Schritt auf sie zu.
    Da griff etwas nach ihm. Ein dunkler Funke, der von der Unbekannten auf ihn übersprang und jeden Muskel in seinen Beinen paralysierte.
    Sardon kam zu Fall. Unglaube verzerrte seine Züge.
    »Das war erst der Anfang«, spottete sie. »Wer bist du?«
    Sein erster Impuls war:
Töte sie! Röste sie im Drachenatem deiner Magie!
    Doch dann obsiegte die Vernunft.
    »Ich wurde geschickt«, sagte er mühsam beherrscht. »Mit einer Botschaft.«
    Die Frau machte aus ihrer Verachtung keinen Hehl. »Wer sollte einen wie dich für Botendienste nehmen?«
    »Du kennst mich doch gar nicht.«
    »Ich kenne deine Natur – du hast sie gerade vorgeführt. Das reicht, um dich abzuschätzen.«
    Sardon setzte sich auf und blickte hinüber zu dem Toten. »Hatte er solche Bedeutung für dich?«
    »Ich verdanke ihm viel – auch dass der Aufenthalt in all den Jahren erträglich war.«
    »Das musst du mir genauer erklären. Wer bist du? Und wer war
er

    Ein Gelächter, kalt wie eine Novembernacht in dem Nebelland, das Sardon gerade verlassen hatte, schlug ihm entgegen. »Nicht du stellst hier die Fragen! Also: Wer hat dich geschickt?«
    »Gabriel«, sagte Sardon, während er versuchte, wieder Macht über seine tauben Beine zu erlangen.

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