BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
»Ich komme in Gabriels Auftrag.«
»Ich kenne keinen -«
»Er ist der Teufel – der leibhaftige Teufel.«
Die drei Schritte entfernt stehende Frau schien zu erbeben. Jede Kaltschnäuzigkeit wich von ihr. Statt abermals in Hohngelächter auszubrechen, fragte sie mit zittriger Stimme: »Wie lautet deine Botschaft?«
Sardon spürte die Veränderung der Lage. Schwache Stromschläge schienen durch die Länge seiner Schenkel zu zucken, als Gefühl in sie zurückkehrte.
»Meine Botschaft ist nicht für
dich
bestimmt.«
»Was macht dich da so sicher?«
»Ich erhielt eine unmissverständliche Beschreibung Seiner Jünger.«
»Seiner...« Ihre Stimme versagte. Schneller als Sardons Augen folgen konnten, war sie bei ihm und half ihm, aufzustehen.
Ihre plötzliche und unmittelbare Nähe verschlug ihm schier den Atem. Die winzigen Knochen ihres Kleides rieben aneinander, und das entstehende Geräusch verursachte Sardon eine Gänsehaut, die allein schon völlig absurd war.
»Wie lautet die Botschaft?«
»Ich suche zwölf Albinos, haarlose Geschöpfe mit rotglühenden Augen und pigmentlos weißer Haut, die sich als Archonten bezeichnen. Für sie ist die Nachricht be-«
»Du hast sie gefunden!«, fiel ihm sein Gegenüber ins Wort. »Bei allen dunklen Mächten, dass ich diesen Moment noch erleben darf...!«
»Wenn du wirklich weißt, wo ich diese Wesen finde, führe mich sofort zu ihnen!" verlangte Sardon. »Vielleicht werde ich dann Gnade vor Recht walten lassen und dein armseliges Leben schonen.«
»Das ist nicht nötig.«
»Nicht nötig?«
»Ich bin eine von denen, die du suchst«, erklärte die Frau. Und nach dieser Offenbarung legte sich ein schmerzlicher, fast melancholischer Zug um ihren Mund.
Sardon schüttelte den Kopf. Er glaubte ihr nicht, denn ihr Äußeres widersprach Gabriels Beschreibung in so gut wie jedem Punkt.
»Leider bin ich auch die Letzte von ihnen«, fuhr sie fort. »Die Letzte von zwölf...«
»Die Letzte?!«
Sardons Kehle war rau und ausgedörrt, als hätte nicht gutes Blut kurz zuvor noch die Stimmbänder geölt. Er sah sich und seinen Auftrag scheitern, und für einen nicht enden wollenden Moment überkam ihn Hoffnungslosigkeit, überhaupt jemals wieder aus der Pflicht und Verpflichtung dem Teufel gegenüber entlassen zu werden.
Noch schärfer fasste er die Frau, die kein Albino war, ins Auge. Ihre Haut war nicht weiß wie Schnee und die Augen nicht von der Farbe blutroter Rosen...
»Wie ist dein Name?«
»Jada.«
Tatsächlich war dies einer der zwölf Namen, die Gabriel genannt hatte. Aber das reichte ihm noch nicht.
»Hast du außer diesem Namen noch andere Beweise für deine Identität?«
»Den einzigen Zeugen, mit dem ich hätte aufwarten können, hast du umgebracht.«
»Dr. Sisko? Was hätte er bezeugen können?«
»Dass ich, bevor er sich meiner annahm, exakt dem Bild entsprach, nach dem du suchst. Ich
war
haarlos, bleichhäutig und rotäugig wie alle meine Brüder und Schwestern – bis er einen Menschen aus mir machte.«
»Machte?«
»Als Schönheitschirurg war er ein Pfuscher – bis zu dem Tag, da ich ihn besuchte und ihm ein Angebot unterbreitete. Du ahnst, welches?«
Sardon nickte. »Und er ist freiwillig mit dir in diese Einöde gezogen?«
»Hier hatte er alles, was er sich wünschte – vor allem ein Objekt, an dem er sich nach Herzenslust austoben konnte...«
»Du meinst –?«
Über Nacht wurde er zum Genie. Er transplantierte Echthaar, bräunte meine Haut mit dosierten UV-Strahlen und passte mir künstliche Linsen an, die meine natürliche Augenfarbe verdeckten. Sie ist immer noch rot. Aber selbst ich ertrug ihre Glut beim Blick in einen Spiegel kaum.«
»Du bist eitel?«, Sardons Stimme schwankte. Noch immer wusste er nicht, ob er dieser Frau glauben konnte.
Sekundenlang blickte sie zu Boden. Als sie ihn wieder ansah, sagte sie: »Vermutlich weißt du, was es heißt, Jahrhunderte zu durchwandern. Aber weißt du auch, wie es ist, begafft zu werden wie eine Aussätzige?«
Sardon ging nicht auf die Frage ein. »Diese... Kulisse, die ich vorhin durchschritt. Du behauptest, der von dir verschleppte Arzt hätte dich
hier
operiert? Aber es war nur Illusion! Keines der Dinge war echt!«
»Wie kommst du darauf?«
»Sie hätten nicht funktioniert. Nichts davon ist geblieben.«
»Offenbar hat Er dir nichts über unsere Macht erzählt. Alles verschwand, als Dr. Sisko starb. Wäre er noch am Leben, würde auch all das noch existent sein, was er sich
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