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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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den Zugang zu etwas freigegeben hat, das Elisabeth Stifter den »Korridor der Zeit« nannte.
    Wir steigen aus den Sätteln unserer Kamele. Die Brüder und Schwestern, die nach uns kamen, brachten Ersatz für die Tiere mit, die Natan und Loth zu Tode geschunden haben.
    Immer zwei von uns steigen nebeneinander die Stufen hinab.
    Das Tor ist offen, wie erwartet. Niemand schloss es in den Wochen, die vergangen sind, seit Elisabeth es öffnete.
    Ich gehe neben Loth, wir führen die anderen an, und so sehen wir als erste den Wächter, der unermüdlich auf
seiner
Seite ausharrt und uns nahen sieht.
    »Willkommen«, schallt es uns entgegen.
    Wir halten nicht inne. Wir haben uns vorher entschieden.
    Neben mir übertritt Loth die Schwelle. Hinter uns folgen Zoe und Natan, Maryam und Hesek, Gideon und -
    Mir wird ganz eigentümlich zumute. Der Einfluss des Mediums, in das wir eingetaucht sind, wird spürbar. Einen Moment, dessen wahre Dauer ich nicht einmal ahne, habe ich das Gefühl, von Wasser umschlossen zu sein und auf den tiefen Grund eines Meeres hinabzusinken. Etwas zieht und zerrt an meinem Innersten, nicht an meinem Körper, sondern an dem, was ihn bewohnt...
    »Spürt ihr das auch?«, fragt Gideon. Seine Stimme scheint von weither zu kommen.
    Ich will antworten, doch in diesem Moment gleitet der Schemen auf mich zu, der schon Natan und Loth überreden wollte, den Korridor zu betreten. Nun sind mehr gekommen, als er erwarten durfte.
    Ich bleibe stehen, mache keinen Versuch, dem Wächter auszuweichen oder zu entkommen. Die anderen rücken näher auf mich zu, um Beistand zu leisten. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Der Wächter ist stark, vielleicht stärker als wir alle zusammen. Wir wissen nichts über ihn – und er nicht über uns, aber vielleicht...
    Da! Was ist das?
    Ich spüre eine Berührung am Bauch. Sie durchdringt meine Kleidung, als wäre sie nicht vorhanden, und dann streicht sie über meine Haut, die mehr Widerstand leistet.
    Etwas vergessen Geglaubtes überfällt mich. Diese zarte Berührung ist – ich suche nach dem passenden Wort – so erotisierend, dass mich schaudert.
    Erotisierend.
    Die Fähigkeit, Lust zu empfinden, ist mir im Grab abhanden gekommen.
    Verliere ich jetzt den Verstand?
    Jetzt – was ist das? Wohin treibe ich, während ich das denke? Wie viele Jahre sind ein Schritt? Ein einziger Schritt?
    Der Schemen löst sich von mir und wendet sich Natan zu. Ich höre, wie er zu ihm spricht. Sehe, wie er auch ihn... berührt.
    Das Band zwischen den Archonten existiert auch in dieser Sphäre. So weiß ich, dass auch Natan, ebenso erstaunt wie ich, eine unmöglich gehaltene Erregung in sich spürt.
    »Ich kann euch nichts anhaben – wie sonderbar«, sagt der Wächter, ehe er Natan verlässt und sich Zoe zuwendet. Einem jeden von uns, als hoffe er, dass sich einer von uns angreifbar
ist
.
    Als er nicht fündig wird, wendet er sich von uns ab.
    »Wo ist es hin?«, fragt Loth, noch ganz erschüttert von dem, was die Berührung des Schemen auch in ihm hervorgelockt hat.
    Jeder weiß von jedem, was geschah. Wir verlieren kein Wort darüber.
    »Ich weiß nicht«, sagt Natan. »Aber das ist auch bedeutungslos. Lasst uns gehen. Lasst uns tun, was wir besprochen haben. Wir suchen nach der nächsten Tür, die es hier gibt, dem nächsten Ausgang. Dort wird einer von uns Abschied nehmen und sein Glück versuchen. Der Rest geht weiter, bis wir an eine weitere Tür gelangen, durch die wiederum einer von uns tritt. Zwölf Chancen stehen uns offen. Einem von uns muss und wird es so gelingen, eine Zeit zu erreichen, in der er unseren Vater vor dem Erzengel und den Illuminaten warnen kann!«
    Wir marschieren los. Der Korridor ist so breit, dass wir nebeneinander gehen könnten. Nichts und niemand hält uns auf oder verstellt uns den Weg. Und finster gähnt das erste Tor zu unserer Rechten.
    »Wer geht?«, fragt Loth.
    Ich spüre, wie wichtig dieser Moment ist. Deshalb trete ich vor und sage: »Ich werde gehen.«
    Ich spüre ihre Erleichterung – und sie meine Anspannung.
    Grußlos trete ich in das Dunkel. Alles ist gesagt.
    Ich glaube, sie nie mehr wiederzusehen, meine Brüder und Schwestern. Ich bin überzeugt, von nun an allein durch eine Welt streifen zu müssen, die ich erst neu für mich entdecken muss, um den finden zu können, nach dem wir alle – an unterschiedlichen Punkten der Zeit – suchen wollen.
    Doch alles kommt anders.
    Niemand von uns konnte
das
voraussehen...
     
     
    Wo bin ich hier?

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