BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
sind sie alle denselben Weg gegangen – und warum verstecken sie sich auf diesem Hof?«
»Die letzte Frage ist leicht zu beantworten«, erwiderte Devan Daridov. »Sie warten, bis die Nacht anbricht, ehe sie weitergehen. Und die Antwort auf Ihre anderen Fragen liegt irgendwo –«, er grinste schief, »– da drüben.« Er streckte den Finger in Richtung der kleinen Farm.
»Dann sollten wir sie uns holen«, meinte Anson und lief los.
Niedrige Buschreihen und Bodenmulden schützten sie vor Entdeckung. Lediglich auf den letzten fünfzig Yards des Weges gab es keinen Sichtschutz mehr. Getrennt voneinander legten Anson und Daridov die Distanz zurück, wobei einer dem anderen Waffendeckung gab. Schließlich kauerten sie hinter einer Scheunenecke.
»Was jetzt?«, fragte Glory.
»Dasselbe Spielchen wie auf Highgate Hall«, schlug ihr Partner vor. »Wir nehmen uns ein Gebäude nach dem anderen vor und durchsuchen es.«
Glory Anson erstarrte neben ihm. Fast tonlos flüsterte sie: »Ich glaube, die Mühe können wir uns ersparen.«
»Wie kommen Sie darauf?«
»Fragen wir doch
ihn
, wo all die Leute stecken.«
Glory wies mit dem Kinn auf einen Mann, der nur wenige Yards von ihnen entfernt im Begriff stand, etwas Furchtbares zu tun – und dessen stierer Gesichtsausdruck unmissverständlich verriet, dass ihn nichts auf dieser Welt mehr schrecken konnte...
... weil er ohnedies im Begriff stand, sie zu verlassen.
Tief in sich nahm Morgan McDermott vage Verwunderung wahr – darüber, dass niemand ihn aufhielt und dass er niemanden sah.
Schließlich befanden sich über dreihundert Menschen auf seinem Hof! Wie konnte es da angehen, dass er völlig unbehelligt blieb?
Er zuckte die Schultern.
»Umso besser«, sagte er sich.
Er öffnete die Tür des kleinen Heuschobers und zog sie hinter sich gewissenhaft zu. Dann ging er in den hinteren Teil des Baus, ohne sonderliche Eile, und dabei sah er sich um, als schaue er nach dem Rechten, ob alles Gerät auch an seinem angestammten Platz lag und stand.
Vereinzelt drang rotgoldenes Licht durch Ritzen in der östlichen Schoberwand. Staubkörner tanzten in den schmalen Bahnen wie winzige glühende Insekten.
McDermott stieg eine knarzende Leiter hinauf, die zum oberen Heuboden führte. Hier stapelten und reihten sich Strohballen dicht an dicht. Nur ein schmaler Weg war freigeblieben. Er endete vor einer Luke in der Wand.
Morgan McDermott stieß die niedrige Tür auf. Aus der Wand über der Luke ragte ein breiter Balken; an seinem Ende war eine Seilrolle befestigt, über die ein fingerstarker Strick lief.
Damit hatten sie die Heuballen heraufgezogen, um sie hier oben zu lagern.
Heute würde Morgan McDermott etwas anderes damit tun...
Er bekam ein Ende des Seils zu fassen und schlang einen starken Knoten hinein, so dass es nicht von der Rolle rutschen konnte. Ins andere Ende knüpfte Morgan McDermott eine Schlinge. Und die wiederum streifte er sich über den Kopf.
Sein Gesicht wirkte dabei völlig unbewegt, seine Hände arbeiteten wie mechanisch. Einen Moment lang stand er noch still in der Luke. Dass unter ihm jemand rief, hörte er nicht...
Als habe er einen leichten Stoß in den Rücken erhalten, kippte Morgan McDermott vornüber.
Er fühlte sich so leicht, als könne er fliegen.
Davonfliegen... Ja, das wollte er.
Allem
davonfliegen.
Und er flog.
Stürzte in die Tiefe...
»Nein, nicht!«, rief Glory Anson, als sich der Mann aus der Luke stürzte.
Für einen winzigen Moment schien er aller Unmöglichkeit zum Trotz regelrecht in der Luft zu liegen, still und starr. Dann obsiegte die Schwerkraft –
- und Schüsse krachten! Donnernd laut, unmittelbar neben Glorys Ohr!
Und Devan Daridov vollbrachte ein kleines Wunder.
Das Seil, an dem der Mann sich erhängen wollte, indem er sich vom Heuboden stürzte, wurde von den Kugeln zerrissen!
Glory Anson glaubte sogar zu sehen, wie der Strick zerfaserte und endlich riss.
Im freien Fall stürzte der Mann dem Boden entgegen, fünf, sechs Meter tief. Hart schlug er auf, hörbar trieb ihm der Aufprall die Luft aus den Lungen. Und Glory meinte, noch mehr zu hören – das unangenehme Geräusch brechender Knochen...
Daridov war schon auf dem Weg zu dem Mann. Sie folgte ihm, noch fast taub von den Schüssen.
Gemeinsam zogen sie den Verletzten um die Ecke des Heuschobers, wo sie zumindest etwas Sichtschutz fanden. Wo auch immer sich die Flüchtlinge verbargen, die Schüsse würden sie aus ihrem Versteck
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