BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
Banks' willfährige Marionetten und Knechte, Glorys Kopf so unnachgiebig fest, dass sie das Gesicht gar nicht hätte abwenden können. Sie hätte die Augen schließen müssen, um sich den Blick auf das Kommende zu ersparen. Aber das konnte sie nicht – noch nicht jedenfalls.
Es sind keine Menschen,
dachte sie fortwährend und hoffte, dass Devan ihre Gedanken nicht in ihren Augen lesen konnte.
Menschen würden so etwas nicht tun! Diese Schweine! Diese verdammten Schweine...
Milton Banks hatte an jenem Ende des Tisches Aufstellung genommen, wo sich Devan Daridovs Kopf befand. Nun griff er in seine Jackentasche und holte ein Messer hervor, das große Ähnlichkeit mit dem Skalpell eines Chirurgen hatte.
»Es gibt viele Todesarten, Mr. Daridov«, sagte Banks. »Über meine Wahl werden Sie nicht enttäuscht sein.« Er führte die schlanke Klinge auf das Gesicht des Gefesselten zu und fragte: »Angst? Empfinden Sie Reue, meine Freundschaft nicht gesucht zu haben?«
Devan Daridov verdrehte die Augen und versuchte den Blick auf die Klinge zu vermeiden, statt dessen zu Glory zu sehen. Seine Lippen bebten. Schweiß saß ihm in glitzernden Perlen auf Stirn und Wangen, sammelte sich zu dünnen Rinnsalen, die wie Tränenbäche über sein Gesicht rannen.
Glory hatte das Gefühl, das Skalpell senke sich in ihr eigenes Herz, noch bevor es Devan überhaupt berührte. Angst und Verzweiflung ließen alle Dämme in ihr brechen.
»Ich liebe dich!«, schrie sie Devan zu.
Er lächelte starr, und in dieses Lächeln senkte Milton Banks völlig ungerührt seine Klinge.
Banks schürzte die Lippen. Dann wandte er sich von dem Toten ab und ging auf Glory Anson zu.
»Er weilt jetzt in einer besseren Welt. Wir sollten ihn rasch vergessen und uns den Herausforderungen des Diesseits stellen. Das Jenseits empfängt uns noch früh genug. Und, wer weiß, vielleicht sehen wir
beide
Mr. Daridov dort wieder. Das könnte eine interessante Begegnung werden...«
Seine Worte wehten an Glory Anson vorüber, streiften ihr Bewusstsein nur, ohne sich darin zu verfangen.
Den stechenden Geruch ihres eigenen Erbrochenen nahm sie ebenso wenig wahr. Sie empfand nur noch Schmerz, den Wut und Hass unaufhörlich schürten.
Und jeder Blick, den sie Devans Leichnam schenkte, war Öl in dieses Feuer, das in ihr brannte und fraß, alles verzehrte, was nicht Abscheu war wider seinen Mörder.
»Nun, Miss Anson, wie geht es Ihnen?«, fragte Milton Banks beiläufig, obwohl ihr Innerstes gleichsam nach außen gekehrt war und in jedem Zucken ihrer Miene zu lesen stand.
»Ich hasse Sie, Banks!«, zischte sie flammenden Blickes. »Töten Sie mich –«
»Wo werd' ich hin!«
»– sonst töte ich Sie!«
»Was ich zu bezweifeln wage.« Banks tätschelte väterlich Glorys Wange. »Aber so gefallen Sie mir – denn genau so brauche ich Sie, Miss Anson. Voller Hass und Wut, bereit zu töten. Wunderbar, ganz ausgezeichnet.«
Er gab Carl Palmoy, der Glory gemeinsam mit Anthony Portobello nach wie vor festhielt, einen knappen Wink.
Glory Anson nahm die Bewegung Palmoys nur aus den Augenwinkeln wahr – und dann nichts mehr.
Für eine Sekunde überwog neuer Schmerz in ihrem Kopf jenen in ihrer Brust.
Und er genügte, um jedes Empfinden auszulöschen.
Milton Banks atmete die Nacht.
Klar und rein war sie, erhaben, und er fühlte sich, wie die Nacht war.
Durch Bazon Thornes eigenmächtiges Handeln war der Plan gefährdet gewesen. Er aber, Milton Banks, hatte die Dinge wieder ins rechte Lot gerückt. Die Dinge konnten ihren Lauf nehmen –
- wie der junge Herr es wünschte!
Milton Banks würde ihn nicht enttäuschen, schließlich verdankte er ihm sein zweites Leben. Dafür musste er ihm einen Gefallen erweisen – und der hieß, seinen Ruf abzuwarten, um den Flüchtlingsstrom aus Highgate Hall endlich ans Ziel zu führen.
Ganz ähnlich, wie Moses es weiland mit dem Volk Gottes getan hatte. Nur würde Milton Banks sein dreihundertfünfzigköpfiges Volk nicht ins gelobte Land führen –
- sondern in die Verdammnis.
Er zuckte die Schultern bei diesem Gedanken. Es kümmerte ihn nicht. Was war deren Leben gegen das seine?
»Armselig«, befand er zufrieden.
Vielleicht, überlegte Milton Banks, konnte er sein Leben noch reicher machen. Vielleicht sollte er die Nähe dieses Jünglings suchen... Wer wusste schon, zu welchen Dingen und Taten er noch fähig war – und wozu er andere befähigen konnte!
Dies war die Nacht des Wiedersehens mit
ihm
. Milton
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