BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
geworden war, dass der magische Korridor sie alle in derselben Zeit ausgespien hatte, obwohl sie verschiedene Tore durchschritten hatten, das alles bestärkte Sardon in seinem Verdacht, die Fallenstellerin zu kennen.
Damals war sie uns noch gewogen,
dachte er klamm.
Unsere –
Das Wort
Mutter
formulierte sein Geist schon nicht mehr aus.
Denn in diesem Augenblick fühlte er etwas, das seine Instinkte und ihn selbst in einen Alarmzustand versetzte.
Und dann, als hätte auch ihn ein fremder Wille übertölpelt, als zöge auch ihn ein unwiderstehlicher Magnet an, justierte er seinen Körper neu aus und schlug die Richtung ein, aus der es ihn
rief
.
Und bald schon wusste er, worauf er zusteuerte.
Lilienkelch, Opferschlange und Agrippa,
dachte er aufgewühlt.
Von hier brachte euch Anum damals, am Vorabend der Flut, mit.
Er strauchelte und wollte sich, einem inneren Impuls folgend, herumwerfen, um diesem Ort und seinen nun quälend gewordenen Erinnerungen zu entfliehen.
Doch er hielt aus.
Ich muss. Ich habe keine Wahl. Ich brauche das Pfand zurück, das meine Seele knebelt!
Langsam ging er in die Knie. Beugte sich über das magische Siegel, unter dem der Raum versteckt lag (immer noch), in dem Anum einst Zwiesprache mit dem Geist der Mutter gehalten hatte. Und wo die Lilith mit der Macht ihrer Träume drei Artefakte hatte entstehen lassen, die ihre Kinder mit an Bord der Dunklen Arche genommen hatten...
Sardon streckte die Hände aus, um das Siegel zu berühren –
- und zu brechen.
Die gemarterten Schreie, die dann seinem Mund entflohen, verhallten ungehört in der Weite des Himmels, wo der hellste Stern gerade sichtbar wurde.
Vergeblich versuchte er, die Hände wieder zurückzuziehen. Es war unmöglich. Der vermeintliche Stein, auf den Sardon sie gepresst hatte, hielt sie unlösbar fest.
Anfangs.
Dass das uralte Siegel entartet war, erkannte der Vampir zu spät. Zeitlupenhaft langsam versank er darin wie in einem Sumpf. Wurde davon gefressen...
Nein!
Setz dich zur Wehr! Leiste Widerstand!
Du warst hier zu Hause!
Nichts auf Welt kann daran etwas ändern! Besinne dich der Macht, die in dir steckt!
...
Sardon war in einer immateriellen und dennoch zähen Masse versunken, die alles, was außerhalb lag, absorbierte. Alles Licht, alle Atemluft, Geräusche...
Er versuchte zu verstehen, was aus dem schlichten magischen Pfropf geworden war, der den Zugang in die Tiefe seit jeher verdeckt hatte. Schon vor Jahrtausenden war keines Menschen Auge fähig gewesen, dieses Siegel überhaupt wahrzunehmen. Der Boden hier unterschied sich nicht erkennbar von der Umgebung. Dass es einen Einstieg in die Unterwelt gab, wo die Gesetze von Raum und Zeit aufgehoben waren – niemand, der es nicht wusste, hätte es auch nur erahnen können!
Ich wusste es,
dachte Sardon,
und was hat es mir eingebracht?
Er versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren.
Das Siegel zehrte wie eine gigantische Zecke an ihm. Eine Zecke, die sich nicht mit seinem Blut begnügte, sondern den ganzen Körper wollte!
Sardon mobilisierte seine Hüterfähigkeiten. Seine Magie, die einst von gleicher Art gewesen war wie die Magie des Siegels, nur mächtiger, viel, viel mächtiger...
Einst!
Er zuckte innerlich zurück, als er entdeckte,
was
sich an dem Siegel verändert hatte. Als er das besondere Fluidum spürte, das auch... Gabriel auszeichnete!
Gabriel?
Sardon merkte, wie seine Gedanken zerfaserten. Wie der Schock der Erkenntnis ihn lähmte und dem Untergang einen riesigen Sprung näherbrachte!
Gabriel hatte nicht zufällig ihn ausgesandt, um die Archonten zu sammeln! Der Teufel überließ nichts dem Zufall!
In einer Lage, wie sie misslicher kaum sein konnte, dämmerte Sardon, dass er Gabriel noch ärger auf den Leim gegangen war, als er bislang glaubte.
Falls es die Archonten noch gab, dann waren sie hier – hier unter dem Siegel, das Gabriel gewiß schon selbst zu brechen
versucht
, es aber nicht vermocht hatte!
Statt dessen hatte die Manipulation des Satans es entarten und nun auch zur Gefahr für solche werden lassen, denen es eigentlich nichts hätte anhaben dürfen...!
Gabriel, du Teufel!
Wie oft würde dieser Fluch noch durch sein Hirn kriechen?
Nie wieder? Weil sein Hirn mit allem, was dazu gehörte, hier verenden würde?
Aber dann hast du nichts gewonnen, mein Feind!
dachte Sardon so emotional, als bedeutete dies noch wirklichen Triumph für ihn.
Noch einmal lehnte er sich gegen den drohenden Untergang auf, stemmte er sich
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