BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
Gabriel hin.
»Was –?«, setzte sie an, aber er unterbrach sie.
»Frag nicht«, sagte er, »tu es!«, Er wies auf Milton Banks.
Der wich zurück, einen Schritt, dann noch einen.
»Herr, was soll das?«, fragte er beunruhigt. Sein Blick flimmerte und wieselte zwischen Gabriel und Glory hin und her. »Ihr habt mir versprochen, dass ich –«
Gabriel nickte. »Dass du wieder ganz der Alte und frei sein würdest.« Er zuckte die Schultern. »Und? Habe ich mein Wort etwa nicht gehalten?«
»Doch, schon, aber –«
»Na also. Die Dauer dieser Freiheit war nicht Teil unseres Paktes.« Der Leibhaftige lächelte maliziös.
»Verdammt! Das ist Betrug!«
»Nein, sicher nicht«, erwiderte Gabriel. »Denn des Betrugs bin ich gar nicht fähig.«
Milton Banks griff in seine Tasche. Als seine Faust wieder zum Vorschein kam, ragte die schmale Klinge eines Skalpells daraus hervor.
»
Das
wäre Betrug an meiner neuen Partnerin«, sagte Gabriel und warf im wörtlichen Sinne einen Blick auf die Waffe in Banks' Hand.
Die Klinge verfärbte sich schwarz, verformte sich, schmolz. Wie Schlacke floss sie über Banks' Finger – glühendheiß! Er wollte das Skalpell loslassen, aber es hatte sich schon in seine Haut gebrannt, unlösbar.
Ein Schuss krachte!
Carl Palmoy hatte abgedrückt, um Banks' beizustehen.
Gabriel streckte in fast beiläufiger Geste die Hand aus und fing die Kugel ab, die Glory gegolten hatte. Zugleich explodierte die Flinte in Palmoys Fäusten.
Aufschreiend ging er zu Boden, wo er sich stöhnend im Staub wand, die blutenden Hände zwischen die Schenkel geklemmt.
Glory Anson sah nicht hin. Ihre Aufmerksamkeit galt allein Milton Banks, der wimmernd vor Schmerz zurückwich. Keine Sekunde wollte sie sich entgehen lassen, noch das geringste Quäntchen seiner Angst auskosten.
Eine rasche Bewegung brachte seinen Kopf in ihren Griff.
Das Geräusch der brechenden Wirbel versetzte Glory Anson einen Stich in die Brust. Sie genoss das Gefühl mit geschlossenen Augen, hielt den Toten noch sekundenlang im Griff. Doch auch nachdem sie ihn losgelassen und in den Staub gestoßen hatte...
... brannte das Feuer in ihr mit kaum verminderter Stärke weiter. Im Gegenteil, jetzt, da sie das Mittel, es zu löschen, ohne den erhofften Erfolg genutzt hatte, erlangte der Schmerz in ihr eine ganz neue, noch grausamere Qualität. Denn Glory wusste, dass es jetzt nichts mehr gab, mit dem sie ihn bekämpfen konnte. Sie würde mit ihm leben müssen bis ans Ende, und fast sehnte sie dieses Ende herbei.
Eine Hand berührte sie an der Schulter. Wie in Trance hob sie den Kopf. Der Jüngling lächelte ihr zu. Nicht mehr so gewinnend wie zuvor. Es war, als habe er eine Maske fallen lassen und eine andere aufgesetzt.
»Geh zu ihnen«, verlangte er und wies auf die Menge.
Glory gehorchte, weil sie nicht einmal mehr die Kraft für den bloßen Gedanken an Widerstand aufzubringen imstande war.
Dann trat Gabriel vor jene, die er zu sich gezwungen hatte, indem er ihnen Freiheit versprochen hatte – und eine sorglose Zukunft.
Jedem einzelnen von ihnen.
Dreihundertneunundvierzig an der Zahl.
Und als Glory Anson sich eingereiht hatte, nickte Gabriel befriedigt.
»Dreihundertfünfzig«, flüsterte er beinahe andächtig. »So war es – und so musste es wieder sein. Jetzt kann es beginnen!«
Dreihundertfünfzig Menschen bildeten einen weiten Kreis um den Kromlech, den äußeren Ring von Stonehenge. Reglos standen sie da, bereit, wenn auch nicht alle willens, ihren Preis für die versprochene Freiheit zu zahlen.
Von Gabriels Warte aus – nackt stand er inmitten des inneren Steinkreises – wirkte die geschlossene Reihe da draußen wie eine Mauer, mannshoch und wie aus schwarzem Stein.
Er hob den Blick zum Himmel, und es schien, als wende sich der Mond ihm zu. Dessen silbernes Licht bündelte sich auf unbeschreibliche Weise, fokussierte sich auf Gabriels Gesicht.
Er öffnete den Mund, breitete die Arme aus, hieß willkommen, was diese Nacht ihm schenkte, nahm alles Licht in sich auf. Es drang ihm zwischen die Lippen, in Nase und Augen, versickerte in den Poren seiner Haut und wurde darunter zu etwas wie kalter Weißglut, so strahlend hell, dass sie eine wahre Lichtgestalt aus dem Jüngling machte.
Dann – explodierte er!
So schien es jedenfalls.
Was er in sich aufgesogen hatte, brach mit unvorstellbarer Gewalt wieder aus ihm hervor!
Die gleißende Lichtfülle blähte sich um ihn her, verästelte sich in feine und feinste Blitze
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