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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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will er von mir?
    Da schwebt dieses Gesicht vor mir, und da ist dieses GERÄUSCH, verursacht von fremden Lippen – oder dem, was sich dahinter regt.
    Ich wünschte, ich wüsste, wer bei mir ist – oder verstünde, was er sagt.
    Mein Nacken schmerzt so sehr. Immer wieder durchzucken mich phantomhafte Blitze, die von dort nach überallhin strahlen...
    ES... TUT... SO... WEH!
    Wo bin ich nur?
Warum knipst niemand ein Licht an? Ich meine RICHTIGES Licht, denn dieses Zittern der Flammen ertrage ich nicht mehr lange. Es spendet den einzigen Hauch von Helligkeit, der sich von Zeit zu Zeit hierher in meinen steinernen Kokon verirrt...
    Wer bin ich? Was tue ich hier? Warum sieht niemand – oder
will
niemand sehen –, wie ich leide, und beendet meine Qual?
    Warum nicht...?!
     
     
    Es brauchte eine Weile, bis Matthäus Wenzel eine gewisse Methodik und linguistischen Sinn aus den gestammelten Lautfolgen der in Eisen gelegten Frau heraushörte. Aber er musste schon sehr genau lauschen und über manche schludrige Aussprache hinweghören, um ein paar Brocken dessen, was sie von sich gab, auch zu verstehen.
    Sie bediente sich, so stellte sich heraus, einer Abart des Angelsächsischen, eines Dialekts, dem Wenzel auf all seinen Reisen nie zuvor begegnet war. Dies für sich genommen war jedoch noch nichts Besonderes, denn er maßte sich nicht an, sämtliche in Umlauf befindliche Sprachen und Untersprachen kennen zu
müssen
. Doch dann entdeckte er zwischen dem angelsächsischen Gestammel Wortfetzen, die einem gänzlich anderen Kulturkreis angehörten: dem fernöstlichen!
    In seinem Leben hatte Matthäus Wenzel nicht viele Leute getroffen, die auch nur in Ansätzen des Japanischen mächtig gewesen wären, und dass ausgerechnet die Frau mit der tödlichen Aura sich dieses seltenen Idioms bediente, unterstrich ihre Exotik auf kaum zu überbietende Weise!
    "... bin ich? ... Was tue ich hier? ..."
    Die Sprachen überlagerten sich. Von dem, was ihre Zunge formulierte, blieb kein Satz nur einer Ausdrucksform treu. Aber das Germanische oder Lateinische beherrschte dieses merkwürdige Geschöpf allem Anschein nach nicht. Wenzel hatte es lange und geduldig genug versucht, ihr damit nahezukommen.
    Ab und zu warf er einen Blick hinter sich, wo Strohov stand. Die Haltung des Soldaten, auch die obszöne Weise, in der er immer wieder seine Lippen schürzte, verriet, wie sinnlos er das einschätzte, was Wenzel mit der Gefangenen tat. Der zwischen Begierde und berechtigter Vorsicht schwankende Blick Strohovs offenbarte, wie
er
mit ihr verfahren wäre, hätte man es ihm gestattet.
    Wenzel wusste, dass nur die Todesangst ihrer Wärter die Frau bislang vor Missbrauch geschützt hatte. Lange würde dieser zweifelhafte Schutz aber nicht mehr seine Wirkung zeigen, denn das, was Graf Martinic schon angedeutet hatte, war bestimmt auch schon zu Galgenvögeln wie Strohov vorgedrungen: die tötende Ausstrahlung der Gefangenen hatte spürbar nachgelassen, und vielleicht würde sie bald ganz erloschen sein – und dann...
    Als Wenzel unmittelbar nach dem Verstehen erster Worte wieder einmal über die Schulter blickte, spottete Strohov, der sich wenig beeindruckt von Wenzels Status zeigte: "Was zwitschert unser hübsches Vögelchen denn so? Es sieht
hungrig
aus. Falls Ihr versteht, was ich meine..."
    Wenzel gab keine Antwort. Es kam selten vor, dass ihm mit solcher Dreistigkeit begegnet wurde. Die meisten Menschen, denen er von Amts wegen begegnete, verwandelten sich in stiefelleckende Duckmäuser – schon aus Sorge, der Vertreter der Heiligen Inquisition könnte auch bei ihnen ein Haar in der Suppe finden.
    Im Grunde hätte Strohov bewundernden Respekt für seine Unerschrockenheit verdient... wenn nicht gleichzeitig auch pure Bosheit aus ihm gesprochen hätte!
    "Lass mich mit ihr alleine!"
    Ohne dass er sich umzudrehen brauchte, wusste Wenzel, dass Strohov erstarrte.
    "Geh schon!"
    "Wenn Ihr es
wünscht
..." Rau und ungeschliffen, wie das ganze Erscheinungsbild, war auch Strohovs Stimme.
    Wenzel lauschte den sich entfernenden Schritten und dem Geräusch, mit dem die Tür ins Schloss fiel. Er war sich keineswegs sicher, klug gehandelt zu haben.
    Neben der Gefangenen, deren kuttenartiges Gewand vor ihr schon viele Träger besessen haben musste, ging er in die Hocke und brachte sein Gesicht dem ihren ganz nah.
    Er fürchtete sie nicht. Nicht genügend jedenfalls, um ihr die Fragen zu ersparen, die ihm auf der Seele brannten.
    Sie konnte nicht sehen, wie sich

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